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Hat die Küche wegen neuer Ernährungstrends bald ausgedient?

Immer mehr Leute bestellen sich ihr Essen nach Hause. Doch das ist nur eine von vielen Entwicklungen der Ernährung von morgen. Christine Schäfer vom Gottlieb Duttweiler Institut stellte Fakten aus dem «European Food Trends Report 2019» vor.

Drei Treiber stehen gemäss Christine Schäfer, Mitverfasserin einer Studie zu Food Trends am Gottlieb Duttweiler Institut, hinter den Entwicklungen im Foodbereich:

  • Umwelt und Nachhaltigkeit
  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • Alltagsstress undConvenience

Ausserdem müssen bis ins Jahr 2050 über neun Milliarden Menschen ernährt werden. Das Wachstum erfolgt vor allem in Asien und Afrika. Für all diese Leute braucht es Lebensmittel, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind.

Hauswirtschaft hat Tradition

Im Vorfeld zum Internationalen Tag der Hauswirtschaft vom 21. März 2021 organisierte das landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve FR eine hauswirtschaftliche Fachtagung. Ein Thema der Veranstaltung waren die Food Trends (siehe Haupttext). Die Tagung hätte bereits letztes Jahr unter dem Motto «Hauswirtschaft ist top» als Tag der offenen Tür stattfinden sollen, Corona-bedingt musste der Anlass dann jedoch abgesagt werden. Die Institution wollte so 20 Jahre Berufsbildungen der Hauswirtschaft feiern.

Der Kanton Freiburg hat seit jeher eine starke Verbundenheit zur Hauswirtschaft, wurde doch in Freiburg vor über 100 Jahren, nämlich 1908, der Internationale Verband für Hauswirtschaft (International Federation for Home Economics, IFHE) gegründet. Die IFHE ist das einzige Forum für den weltweiten Austausch im Bereich Hauswirtschaft mit all seinen Facetten wie Ernährung, Gesundheit, Konsum und Bildung. 

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Die Lebensmittel sollten vom Bauern kommen, aber effizient beschafft werden können

Wenn Erstwelt-Konsumentinnen und -Konsumenten einkaufen, steckt eine grosse Portion Romantik dahinter: Bio soll es sein, am liebsten vom Bauernmarkt oder selbst gemacht. Damit diese Sehnsucht der Konsumenten Wirklichkeit wird, dafür braucht es paradoxerweise eine grosse Portion Technik. Denn am liebsten will man Bioprodukte direkt vom Bauern, doch Zeit für einen Besuch im Hofladen hat man nicht. Da ist es praktisch, schnell per Internet oder Smartphone-App zu bestellen, und eh man es sich versieht, wird alles schon geliefert.

Aber nicht nur das Einkaufen soll effizient gehen, sondern die Verpflegung im Allgemeinen. Darauf reagiert die ganze Food-Branche. Es gibt Verpflegungsketten und Restaurants, die existieren nicht mehr als Ort, wo man hingeht und isst, sondern nur im Internet. Der Gast bestellt online, gekocht wird irgendwo in einer Produktionsstätte, und von dort aus wird das Essen an die Kundschaft geliefert. Manchmal operieren sogar verschiedene Unternehmen von einer Küche aus.

Es gibt bereits Mietwohnungen ohne Küchen

In den USA oder Asien gibt es bereits Mietwohnungen ohne Küche. Die Bewohner essen auswärts oder bestellen sich etwas nach Hause. So wird auf das knappe Platzangebot und die hohen Mietpreise in den Stadtzentren reagiert oder es mangelt schlichtweg an Einkaufs-möglichkeiten. Ganz so extrem sei es in Europa noch nicht.Doch Corona beschleunige den Essenslieferservice-Boom zusätzlich – auch hierzulande.

Die Konsumenten wollen den Fünfer und s’Weggli

Nebst den vielen widersprüchlichen Wünschen der Konsumenten – z. B. regional, aber bitte auch global; ganzjähriges, breites Angebot, aber am liebsten saisonal; convenient, aber möglichst frisch – muss die Produktion von Lebensmitteln auch effizienter und ressourcenschonender werden. Dabei spielen Pflanzenproteine, Laborfleisch oder genetisch veränderte Organismen, die resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge sind, eine Rolle.

Täglich Fleisch zu essen, war vor ein, zwei Generationen nicht selbstverständlich, und wird es in Zukunft nicht mehr sein. Pflanzlich hergestellte Burger sollen deshalb nicht nur Veganerinnen und Veganern schmecken, vielmehr müssen sieLiebhabern von tierischen Eiweissprodukten eine ernstzunehmende Alternative bieten. Dafür müssen die entwickelten Produkte nicht nur in Geschmack und Aussehen den Fleischerzeugnissen nachkommen, sondern auch in der Konsistenz.

Der erste im Labor produzierte Burger wurde 2013 probegegessen. Ob sich Laborfleisch durchsetzt, hängt stark von der Akzeptanz durch die Konsumentinnen und Konsumenten ab. Hierfür sei vor allem in Europa noch einiges an Kommunikation und Information nötig, meint Christine Schäfer.

Die Gesundheit wird immer wichtiger, der Alkohol hat ausgedient

Solche Entwicklungen sind nicht allen Menschen geheuer. Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Lebensmittel und ihrer Gesundheit. Letzteres ist ein Megatrend und bedeutet nicht einfach die Abwesenheit einer Krankheit. Die Ernährung hat den Stellenwert von Medizin, denn was im Darm passiert, hat Einfluss auf unser Hirn. Einige Menschen essen aus Genuss und für ihre Seele, andere hingegen wollen mit Kontrolle beim Essen Ordnung in ihr Leben bringen. Weiter könne man beobachten, dass vor allem Menschen unter35 vermehrt aus gesundheitlichen Gründen auf Alkohol verzichten. Die grossen Getränkehersteller reagieren bereits darauf, indem sie das Angebot bei den alkoholfreien Getränken, sprich aromatisierte Mineralwasser, Vitamindrinks oder alkoholfreie Biere, ausbauen.

Der Food Trends Report

Mehr Informationen zum «European Food Trends Report 2019» des Gottlieb Duttweiler Instituts finden Sie unter: www.gdi.ch

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