«Der Alarm kam um vier Uhr morgens. Als ich mit meinen Kollegen in Bützberg ankam, stand bereits alles in Vollbrand», sagt Matthias Waldmann, Miliz-Feuerwehrmann und Bauernsohn aus dem benachbarten Aarwangen BE. Mehrere Feuerwehr-Equipen aus der Region waren ausgerückt, um den Brand zu löschen. Besonders beeindruckt habe ihn die grosse Solidarität vor Ort, schildert der Berner.
Viele Helfer vor Ort
Als Matthias Waldmann am Ort des Geschehens ankam, waren bereits viele Einsatzkräfte dabei, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Landwirte hatten geholfen, die Kühe einzufangen, andere brachten Wasser für die Einsatzkräfte. «Die Nachbarinnen und Nachbarn eilten mit Verpflegung für alle Helferinnen und Helfer herbei», erinnert er sich.
Wohin mit den Tieren?
Innert kurzer Zeit war klar, dass die Unterbringung der Tiere zur Herausforderung werden dürfte. Doch Matthias Waldmann und seine Familie konnten Hilfe anbieten: «Ich dachte sofort: Wir haben einen leeren Stall zu Hause. Da können wir etwas machen.»
Der Stall in Aarwangen wurde vorbereitet, während die Kühe dorthin gebracht wurden. «Wir kannten den Betroffenen nur flüchtig», doch so etwas spiele in solch einer Situation keine Rolle. Später hätten sich noch weitere Berufskollegen gemeldet, die bereit waren, Tiere aufzunehmen oder auf eine andere Art zu unterstützen.
Im Laufstall sowie im Melkstand hat es 22 Plätze und es waren genau 21 Kühe zu versorgen. Die Familie Waldmann hat im Frühling 2026 mit dem Melken aufgehört und den Bestand reduziert, weshalb der Platz frei und die Einrichtung zum Melken vorhanden war.
Die Kühe seien erstaunlich ruhig gewesen. Eine der Kühe habe eine leicht verbrannte Nase gehabt, ansonsten habe es keine verletzten Tiere gegeben. Die Tierärztin sei vor Ort gewesen, habe die Kuh behandelt und habe auch am nächsten Morgen noch einmal kurz vorbeigeschaut.
Schon viel Hilfe vor Ort
«Die Kühe haben sich schnell eingelebt, man konnte sie auch von Anfang an gut melken, was auch zeigt, wie schnell sie sich im neuen Stall wohlgefühlt haben», sagt Matthias Waldmann. Wie lange die Kühe bleiben werden, stehe noch offen, «ist aber auch nicht pressant». Der Betroffene habe noch Rinder auf dem Berg, wie viele, wisse er nicht genau. Wo diese untergebracht werden, sei bisher nicht klar. Ein tragendes Rind werde sicher noch dazustossen, einen Platz im Stall habe es ja noch.
Die Tiere werden mit Silage und Heu gefüttert – Futter, das vom Brand verschont wurde. Angrenzend an den Stall hat Familie Waldmann etwas Weidefläche: «Unsere Weiden sehen aus wie überall momentan – es wächst eigentlich nichts mehr –, aber die Kühe können raus.»
Abschliessend bemerkt Matthias Waldmann noch: «Es waren viele Leute, die bereits vor Ort ihre Hilfe angeboten hatten. Es haben auch viele angerufen, ob man helfen könne und dass sie noch Platz hätten. Es hat wirklich jeder mitgeholfen.»
Die Reaktion aus dem Dorf
Eine Woche nach dem Brand ertönte am Dienstagabend Musik beim Schulhaus in Bützberg BE. Die Musikgesellschaft Bützberg (MG-Bützberg) organisierte ein «Benefiz-Ständli», um Spenden für die betroffene Familie zu sammeln. Andrea Meier ist Präsidentin der MG-Bützberg und erklärte gegenüber der BauernZeitung, wie es dazu kam: «Nachdem der Spendenaufruf der Gemeinde publik wurde, kam die Idee von einem jungen Vereinsmitglied.»
Sie hätten direkt im Vorstand und der Musikkommission eine Grundsatzdiskussion geführt, es sei aber schnell klar gewesen, dass sie das als Verein auf die Beine stellen möchten.
Zuerst habe sich die Frage gestellt, wann das Ganze durchgeführt werden solle. Andrea Meier sagt weiter: «Wir wollten dann aber so schnell wie möglich. Da der Dienstag ohnehin unser Probeabend ist, passte das gut.»
Am Freitag wurden die ersten Pläne geschmiedet und Ideen gesammelt. Am Samstagmorgen seien einige Dinge gleichzeitig abgelaufen: Der Dirigent musste informiert werden, ebenso musste man mit dem Gemeindepräsidenten Kontakt aufnehmen, wie auch mit der betroffenen Familie. Zusätzlich mussten Flyer hergestellt werden, die schnellstmöglich publiziert werden konnten.
Unterstützung von überall
«Überall stiessen wir auf offene Ohren und Unterstützung. Am Nachmittag war der Anlass in groben Zügen organisiert», berichtet Andrea Meier. Auch im Verein seien alle sofort bereit gewesen, mitzumachen. Backwaren seien unglaublich schnell zusammengekommen, Werbung sei fleissig geteilt worden und auch erste positive Rückmeldungen seien eingetroffen.
Die Kaffeefabrik Langenthal habe sich für den Anlass begeistert, Kaffee gesponsert und den Verein am Anlass unterstützt. Am Sonntag folgten noch die Detailplanung und die Einkaufsliste. Am Montag seien noch einige organisatorische Dinge zu klären gewesen, wie einkaufen gehen und die Begrüssungsrede vorbereiten.
Andrea Meier ist begeistert von der unglaublich grossen Unterstützung der Gemeinde, auf welche die MG Bützberg von Anfang an habe zählen können. Die Infrastruktur konnte unkompliziert und kostenfrei genutzt werden.
«Unsere Social-Media-Posts wurden von 5000 Menschen gesehen, es haben unglaublich viele Menschen unseren Flyer geteilt und geliked.» Abschliessend ist es der Präsidentin des Vereins wichtig, die Spontanität aller Beteiligten zu betonen. «Wir sind durchwegs auf offene Ohren gestossen und alles wurde uns ermöglicht!»
Als die MG Bützberg dann am Dienstagabend ihre Instrumente ertönen liess, standen zwischen 150 und 200 Personen vor ihnen. So viele Menschen: Nachbarn, Angehörige, Freunde, Bekannte, die Feuerwehr sowie die Gemeinde – alle waren da, um die betroffene Familie zu unterstützen und um ihre Solidarität auszudrücken.
Es gab Mineral, Kuchen und Gebäck umsonst, das Bier kostete drei Franken. An der Theke stand ein schön eingefasster Karton als Spendenkasse mit der Aufschrift: «Zäme simer starch».

Zusammenhalt der Gemeinde
Auch Max Berger, Gemeindepräsident der Gemeinde Thunstetten, hielt eine berührende Rede an diesem Abend, nachdem die Musik gespielt hatte: «Wir sind heute alle da, weil etwas Schlimmes passiert ist. Aber denkt daran, es haben alle überlebt.» Auch er war offensichtlich sehr erfreut darüber, wie viele Leute erschienen sind: «Es macht mich stolz, Gemeindepräsident von einem solchen Dorf zu sein. Das ist Solidarität!»

Kommentar
Vielleicht zeigt uns dieses Ereignis, wie wichtig es ist, einander unter die Arme zu greifen und Unterstützung anzubieten. Einmal mehr beim Nachbarn oder der Nachbarin vorbeizuschauen und nachzufragen, ob etwas gebraucht wird, oder auch einfach füreinander da zu sein und zuzuhören. Diese Solidarität und der Zusammenhalt sind vor allem in der Branche und genau in solch schwierigen Zeiten, wie wir sie jetzt gerade haben, wertvoll. Sei es ein schlimmes Ereignis wie der Brand in Bützberg oder die absolut schwierige Lage aufgrund der Trockenheit: Es ist wichtig, das Miteinander nicht zu vergessen. Jeder braucht mal Hilfe, aber: «Zäme simer starch».
Alissa Scheuermeier

