Martin Meyer schwingt sich über den Zaun und ruft den Mädels: «Chomm Bettina, chomm Mette!» Und schon traben die beiden Dexterkühe daher, mit ihren Kälbern bei Fuss, und holen sich ein Maul voll hartes Brot vom Chef. Geduldig lässt sich Mette für ein Foto an die Halfter nehmen. Ein Foto haben sich der Züchter und die beiden Kühe verdient. Mutterkuh Schweiz hat ihnen Goldmedaillen verliehen für Qualität, Leistung und Langlebigkeit. Jede von ihnen weist ein ausgezeichnetes Exterieur vor und hat 17 Kälber auf die Welt gebracht.
Hervorragendes Exterieur
Martin Meyer hat eine exklusive kleine Herde. Die vier Muttertiere mit je einem Kalb sind mit 90, 88 und zweimal 87 Punkten hervorragend linear beschrieben. Dazu kommt ein sechsjähriger Stier, der oft an andere Züchter ausgeliehen wird.
«Es braucht ein gutes Auge, Know-how und Glück.»
Das sind gemäss Martin Meyer die Faktoren für den Zuchterfolg.
«Mit der 19-jährigen Mette hoffe ich nächstes Jahr wieder an die Swiss Open zu gehen», schaut Martin Meyer in die Zukunft und erzählt von der ältesten Dexterkuh der Welt, die gemäss Guinessbuch der Rekorde 49 Jahre alt ist.
Absetzer für 4000 Franken
«Für den Zuchterfolg braucht es ein gutes Auge, Know-how und viel Züchterglück», nennt der Landwirt aus Auenstein seine Erfolgsfaktoren. Ein gutes Auge bewies er schon beim Einstieg in die Dexterzucht vor 17 Jahren. Sein erster Kauf war Bettina als Absetzer. Meyer hatte Gründe, wählerisch zu sein: «4000 Franken blätterte man damals für einen Dexterabsetzer hin.» Bettinas Schwester Mette holte er sieben Jahre später in seinen Stall.
Besonderes Fleisch
Heute verkauft Meyer selber, meistens an andere Züchter, selten geht ein Kalb in die Metzgerei. Martin Meyer, gelernter Metzger, antworte auf die Frage nach der Fleischqualität der Dexter: «Jeder sagt doch, er habe das beste Fleisch», gerät dann aber doch ins Schwärmen. Ein besonderes Fleisch habe diese Rasse, dunkler als bei anderen Rindern, fast wie bei Wild. «Es ist exzellentes Fleisch, schön marmoriert und zart, selbst noch bei älteren Tieren.»
Wenig Trittschäden
Den Sommer verbringen Martin Meyers Dexter auf der Weide. Auch in diesen verregneten Wochen und trotz Hanglage sind kaum Trittschäden zu sehen. Die leichten und ringfutterigen Dexter passen gut zu Meyers Land. Er und seine Frau Irene bewirtschaften elf Hektaren, davon 4,5 Hektaren eigenes, vieles davon in Hanglage und als ökologisch wertvoll eingestuft. Auf den 4,5 Hektaren offener Ackerfläche produziert der Landwirt Gerste, Hafer, Weizen, Dinkel, Zuckerrüben, Mais und Kunstwiese.
Dass die Kühe handzahm sind, ist für den Landwirt nützlich beim Zügeln und ein Verkaufsargument. Wie schafft er das bei dieser Rasse, die doch einen recht unbändigen Ruf hat? Mit den zutraulichen Müttern hat er schon einen wichtigen Schritt gemacht, sie sind den Kälbern ein Vorbild. Und im Winter, wenn der Chef einmal einen ruhigen Moment hat, setzt er sich im Stall auf eine Strohballe und wartet, bis die neugierigen Jungtiere von selber zu ihm kommen und Bekanntschaft schliessen wollen.
Als Fuhrhalter unterwegs
Allerdings gehen Martin Meyer und ruhige Momente nicht so oft zusammen. Er arbeitet zwischen 50 und 80 Prozent als Bankmetzger bei einem Grossverteiler, steht an diesen Arbeitstagen morgens um vier Uhr auf. Auch seine Frau arbeitet nicht nur auf dem Betrieb mit, sondern auch noch Teilzeit auswärts, sie ist zudem bekannt für Brot, Zopf, Patisserie und ganze Dessertbuffets aus ihrer Hofbackstube, wo sie Dinkelmehl aus Eigenproduktion verwendet.
Und das Paar betreibt einen weiteren zeitaufwendigen Nebenerwerb mit Leidenschaft. Ihre drei Pferde verdienen sich ihren Hafer mit landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Feld und bei Gesellschaftsfahrten. Das Angebot reicht von klassischen Kutschenfahrten über Mondschein- bis zu Fonduefahrten, selbst einen Leichenwagen kann Martin Meyer bieten. Und er wird mit seinen zuverlässigen Freibergern auch für Musicals und Filme gebucht.
Dexterkuh am Wägeli
Langweilig wird es diesem Paar bestimmt nicht. Dafür haben sie zu viele Ideen. So spannen sie ab und zu auch die Dexterkuh Laura ans Wägeli, die Lieblingskuh von Irene, und haben mit diesem Gespann die Aufmerksamkeit der Passant(innen) auf sicher.
Betriebsspiegel
Betriebsleiter: Martin und Irene Meyer, beide arbeiten Teilzeit auswärts
Standort: Auenstein AG
LN: 11,5 ha, davon auf 4,5 ha Gerste, Hafer, Weizen, Dinkel, Zuckerrüben, Mais und Kunstwiese
Tierhaltung: 4 Dexterkühe mit Kälbern, 1 Stier, 3 Pferde, 1 Esel, 2 bis 3 Schweine
Nebenerwerb: Gesellschaftsfahrten mit Pferden
Weitere Informationen: www.aargauer-dexter.ch | www.kutschenfahrten-aargau.ch

