Ein Unglück kommt selten allein! Seit 2015 ist der Preis für Zucker aufgrund der Quotenaufhebung in der EU und weltweit hoher Mengen stark unter Druck. Das bis 2021 befristete Hilfspaket des Bundes mit einem Mindestgrenzschutz von Fr. 7.–/dt Zucker und der Erhöhung des Einzelkulturbeitrages auf Fr. 2100.–/ha federte die Auswirkungen auf den Schweizer Mark ab.
Die anfällige Königin der Ackerkulturen
Neben den Herausforderungen am Markt machen den Rübenpflanzern auch Schädlinge und Krankheiten das Leben schwer. Das von Zikaden übertragene Syndrome de basses richesses (SBR) und die von Blattläusen verbreitete Viröse Vergilbung führten in den betroffenen Gebieten zu Ertragsverlusten von bis zu 50 % . Dass die einfachste Bekämpfungsmethode gegen Blattläuse, das systemische Beizmittel Gaucho, wenige Monate vor der Abstimmung zu den Pflanzenschutzmittel-Initiativen nicht zugelassen wird, ist aus politischer Sicht nachvollziehbar. Für die Pflanzer wird die Anbausaison 2021 damit aber wiederum zu einer grossen Herausforderung. Ob sich die Ausbreitung der Virösen Vergilbung mit den neu zugelassenen Wirkstoffen eindämmen lässt, wird sich zeigen. Die Fachstelle wird die Landwirte dabei mit einem Prognosesystem unterstützen. Erfreulich ist das umfassende Forschungsprogramm, das Agroscope für die Zuckerrüben lanciert und dafür Ressourcen zur Verfügung gestellt hat.
Verband setzt sich für den Einzelkulturbeitrag und Prämien ein
Leider haben BLW und Bundesrat eine Weiterführung des Hilfspaketes auf Verordnungsebene abgelehnt. Um die Massnahmen weiterzuführen, braucht es deshalb eine Verankerung im Landwirtschaftsgesetz. Die Kommission des Nationalrates (WAK-N) hat sich dafür ausgesprochen. Unverständlich ist aber, dass eine Mehrheit der WAK-N den Einzelkulturbeitrag für den konventionelle Anbau auf Fr. 1500.–/ha senken will. Stattdessen soll die Bio-Produktion mit Fr. 700.–/ha und die IP-Suisse-Produktion mit Fr. 500.–/ha gefördert werden. Bei keiner anderen Kultur wird beim Einzelkulturbeitrag nach Produktionsrichtung unterschieden. Zudem ist die Förderung der ökologischen Produktion mit diesen Beiträgen nicht gewährleistet. Die Reduktion des Einzelkulturbeitrages für die konventionelle Produktion hätte einen Flächenrückgang zur Folge, welcher die ganze Verarbeitungskette gefährdet. Wir setzen uns deshalb vehement für den Minderheitsvor-
schlag mit einem Einzelkulturbeitrag von Fr. 2100.– und einer zusätzlichen Unterstützung für IP-Suisse und Bio von Fr. 200.– ein.
«Ohne Gaucho sind gute Erträge nicht mehr gesichert»
Die Schweizer Zuckerproduktion ist verglichen mit der EU sehr nachhaltig, das zeigte eine Studie 2018. Entscheidend dafür waren auch die bisher guten Erträge in der Schweiz. Mit dem Verbot von Gaucho sind diese nicht mehr gesichert. Eine entsprechende Auslobung und Inwertsetzung unserer Produktion wird darum in Zukunft noch wichtiger! Die Erhöhung der IP-Suisse-Fläche und die Verdoppelung der Prämie sowie die Förderung des Bioanbaus sind dafür gute Beispiele. Weiter braucht es eine Deklarationspflicht für Importzucker, welcher mit Hilfe von in der Schweiz verbotenen Neonicotinoid-haltigen Beizmitteln hergestellt wurde.
65 % des Eigenverbrauchs stammt aus der Schweiz
Wir produzieren rund 65 % des Eigenverbrauchs an Zucker. Wenn man den Bedarf der exportierenden Nahrungsmittelindustrie dazurechnet, sind es 55 % . Die Bedeutung einer einheimischen Zuckerwirtschaft war im Lockdown offensichtlich, als die Zuckerregale in den Läden innert kurzer Zeit leer geräumt waren. Der Produktionswert der Zuckerrüben wird für 2020 auf 111 Mio Fr. geschätzt. Falls die Schweizer Zuckerproduktion in der Schweiz erhalten bleiben soll, braucht es nun verbindliche Zusagen der Politik und der Abnehmer!

