Nach dem äusserst trockenen März macht der April seinem Ruf in der ersten Monatshälfte alle Ehre. Schneefälle bis in die Niederungen und Temperaturen von über 20 Grad C wechseln sich innerhalb von wenigen Tagen ab. Vor allem brachte der Monatswechsel aber auch den dringend benötigten Niederschlag mit sich.
Vegetation entwickelt sich
Zwar reichen die bis jetzt gefallenen Mengen noch nicht, um das Niederschlagsdefizit, das sich seit Anfang Jahr aufgebaut hat, vollständig auszugleichen, doch durch das verfügbare Wasser kann sich die Vegetation nun sehr schnell entwickeln, insbesondere, wenn wie im aktuellen Fall noch Temperaturen von 20 Grad C oder mehr dazukommen.
Mit zunehmendem Fortschritt der Vegetation und zunehmendem Ausschlag von Blüten und Knospen steigt jedoch auch die Verletzlichkeit der Pflanzen gegenüber Frost. Es stellt sich also die Frage, ob die Landwirtschaft in den kommenden Wochen noch oft mit Nachtfrost konfrontiert sein wird, oder ob diese Gefahr für das restliche Frühjahr bereits als abgehakt betrachtet werden kann.
Frost noch immer möglich?
Bereits ein Blick auf den Kalender deutet an, dass die Frost-Problematik wohl noch nicht erledigt ist. In der Periode 1991–2020 gab es an den Messstationen im Mittelland wie Bern, Koppigen BE, Payerne VD oder Zürich durchschnittlich zwei bis sechs Frosttage im April, im Mai liegt diese Zahl zwischen null bis eins. An Frosttagen liegt die Tages-Tiefsttemperatur auf zwei Metern über dem Boden unter 0 Grad C. Nicht eingeschlossen in diesen Zahlen sind Tage mit Bodenfrost, denn der kann bereits auftreten, wenn die Temperatur auf 2 Metern über Boden noch deutlich im positiven Bereich liegt. Die klimatologischen Daten zeigen aber, dass im Mittelland auch im Mai noch mit vereinzelten Frosttagen gerechnet werden muss; die Eisheiligen lassen grüssen.
Gelände ist ein Faktor
Es gibt mehrere Faktoren, die zur Bildung von Luft- oder Bodenfrost beitragen. Einerseits sind es einigermassen konstante Faktoren wie die Geländeform oder die Länge der Nacht, anderseits die meteorologischen Komponenten wie die Windstärke, die Eigenschaften der Luftmasse und der Bedeckungsgrad des Himmels. Grundsätzlich beginnt sich die Luftschicht direkt über der Erdoberfläche abzukühlen, sobald die Sonne nicht mehr scheint. Da kalte Luft schwerer ist als wärmere, fliesst sie dem Gelände entlang bergabwärts, bis sie sich in Mulden, Senken oder Flächen ansammelt. Je länger die Nacht ist und je besser sich kalte Luft im Gelände ansammeln kann, desto tiefer sinkt die Temperatur ab.
Luft selbst spielt eine Rolle
Hält sich nun während der Nacht eine Wolkenschicht am Himmel, so reflektieren die Wolken einen Teil der Wärmestrahlung zur Erdoberfläche und die Luft kühlt deutlich weniger stark ab. Auch starker Wind kann ein starkes Abkühlen während der Nacht verhindern, da die Windbewegungen das Ansammeln von kalter Luft in Bodennähe unterbrechen, indem sie die kalten Luftteilchen in Bodennähe durch wärmere Luftteilchen ersetzen.
Und letztlich sind es die Eigenschaften der Luftmasse allgemein, die entscheidend sind, wie schnell sich Frost bilden kann. In einer kalten Luftmasse, die aus den Polarregionen oder aus Nordosten stammt, kann sich bereits wenige Stunden nach Sonnenuntergang Frost bilden, während es bei milden Luftmassen aus dem Mittelmeerraum nur bei klaren, windstillen Nächten Frost gibt.
Auch die Luftfeuchtigkeit ist wichtig: Je feuchter die Luftmasse ist, desto langsamer kühlt sie sich ab. Beginnt die Feuchtigkeit zu kondensieren und bildet sich Nebel, so wird die Abkühlung ebenfalls unterbrochen – so beobachtet man in Nebelgebieten häufig mildere Nachttemperaturen als in nebelfreien Gebieten.
Frostrisiko bleibt bestehen
Und wie oft ist jetzt diesen Frühling noch mit Frost zu rechnen? Nach den sehr milden Temperaturen vor Ostern gelangt über die Ostertage aus Osten wieder etwas kühlere und trockenere Luft in die Schweiz. Vor allem in windgeschützten Lagen steigt ab Ostersonntag das Frostrisiko wieder an. Auch in der Mittel- und Langfrist bis Anfang Mai scheint die Frostgefahr noch nicht nachhaltig gebannt zu sein. Die Westwindzone scheint bis in den Mai hinein immer wieder Kaltluftvorstösse von Norden in den Mittelmeerraum zu bringen. Diese führen zu einer eher südlichen Zugbahn der Tiefdruckgebiete und dazu, dass die Schweiz verhältnismässig oft in den Einfluss von eher kühlen Luftmassen kommt, womit auch die Häufigkeit von Boden- und Luftfrost ansteigen wird.

