Eben sind die letzten Gäste abgereist, die über die Neujahrstage auf der Wellnessfarm im thurgauischen Kümmertshausen ihre Ferien verbracht haben. Fabienne Toppler hat Zeit und erzählt, wie es dazu kam, dass es im knapp 270-Seelen-Dorf eine Wellness- und Schönheitsfarm der speziellen Art gibt.
Wegen Corona von hundert auf null
Dabei fällt immer wieder das Wort Corona. «Mein Geschäft wurde von einem Tag auf den anderen von Hundert auf Null runtergefahren», erzählt Fabienne Toppler. Auch wenn sie weiss, dass es vielen anderen in dieser Zeit auch so ergangen ist, sitzt der Schreck immer noch tief. «Das Schönste daran war, dass ich während dieser Zeit wieder mal so richtig Bäuerin sein konnte und viele Arbeiten im Freien übernommen habe», schildert sie die damalige Situation.
Vision von Einfachheit
Fabienne Toppler ist auf dem Bauernhof in Kümmertshausen aufgewachsen. Nach einer Bürolehre hat sie sich zur therapeutischen und Fussreflex-Masseurin ausbilden lassen. Sie habe schon damals gespürt, dass sie sich therapeutisch betätigen möchte, um Menschen bei ihren Beschwerden Linderung zu verschaffen.
Später nahm sie in einem Viersternehotel in Zermatt VS eine Stelle an. Die Arbeit im Hotel und in den Bergen gefiel ihr. Tagsüber war sie an der Rezeption beschäftigt, wenn die Schneesportler von den Pisten kamen, waren ihre knetenden Hände bei den Massagen gefragt.
Ausbildung zur Kosmetikerin, dann Skigebiet
Zurück im Unterland entschied sie sich für eine weitere Ausbildung zur Kosmetikerin. Damit wollte sie ihren Wirkungskreis im Bereich Wellness, Schönheit und Entspannung weiter ausbauen.
Wieder in den Bergen, diesmal arbeitete sie in einem Hotel in Saas-Fee VS, wurde ihr so richtig bewusst, dass sie immer mit einer Kundschaft zu tun hatte, die sich diesen teuren Luxus überhaupt leisten kann.
Fabienne Toppler fand dies ungerecht und hatte die Vision, irgendwann einmal etwas Einfacheres, Bodenständigeres in Sachen Wohlfühlen und Entspannung auf die Beine zu stellen. Dieses Angebot sollten sich mehr Menschen leisten können – und es sollte nachhaltiger sein als der kurze Moment während der Behandlung.
Zurück im Thurgau gründete sie die Wellnessfarm
Noch war die Zeit nicht reif dafür. Mit ihrem Mann Erwin zog sie nach Thun BE. Er arbeitete als Konstruktionsschlosser, sie leitete einen Kosmetiksalon. In dieser Zeit kamen ihre beiden Kinder zur Welt. Im Jahr 2002 bot sich die Gelegenheit, in ihr Elternhaus zurückzukehren. «Die Eltern waren offen und unterstützten uns von Anfang an», erzählt sie.
Die Eltern bezogen im ersten Stock des neu erbauten Hauses eine Wohnung. Im Erdgeschoss richtete Fabienne Toppler ihre neu gegründete Wellnessfarm ein.
In eine neue Dimension schweben
In einem Raum steht ein Wasser-Luft-Sprudelbad mit 250 Düsen. In einem zweiten Raum eine Softpackwanne, worin der Körper in eine neue Dimension totaler Erholung und Entspannung zu schweben scheine, erklärte die Fachfrau bei der Besichtigung. Ganz nach Wunsch der Kundschaft werden Cremepackungen, Algen-Entschlackungspackungen, Peelings nach verschiedenen Rezepturen aus hochwertigen Cremes, Ölen, Früchten und Kräutern verwendet.
Ein weiterer Raum ist für kosmetische Behandlungen und Massagen eingerichtet. Auch die Behandlungen nach Sanfter manueller Therapie (SMT) wird in diesem Raum praktiziert. Alles ist klinisch sauber. In einer Ecke befindet sich die Holzsauna, zur Fensterfront hin stehen Liegen zur Entspannung parat. Der Garten mit dem Bachlauf sei ideal zum Kneippen und die Aussicht auf den Alpstein fantastisch.

Gemeinsam mit dem Sohn
Zehn Jahre nach der Rückkehr in den Thurgau verzichtete Fabienne Topplers Bruder auf die Übernahme des elterlichen Betriebes. Eine Situation, die ihre Familie vor neue Herausforderungen stellte. Das Ehepaar entschied gemeinsam, den Betrieb zu übernehmen. Topplers Mann machte den Nebenerwerbskurs und führt seit 2012 den Betrieb weiter. Heute ist es ein Biobetrieb mit gegen 30 Mutterschafen und Jungtieren, 2000 Legehennen und der doppelten Menge Küken in Aufzucht. Sie bewirtschaften 16,5 Hektaren, davon auf einer Hektare Tafelobst, gegen 300 Hochstammobstbäume, Ackerbau und Grünland. Zudem haben sie eine Muttersau mit Jungen.
Im Hofladen verkaufen sie Eier, Schaffleisch, Fleisch vom Weideschwein und Kürbiskernöl. Beide Kinder, mittlerweile erwachsen, haben Ausbildungen in der Landwirtschaft absolviert. Seit Neujahr 2023 führen Sohn und Eltern eine Generationengemeinschaft. Als drittes Standbein, neben Wellness und Landwirtschaft, vermieten sie eine grosse Ferienwohnung. In das Studio, das bis anhin vor allem an Monteure vermietet wurde, zog nun ein fixer Mieter ein.
Stammkunden sind zurück
Bis zur Pandemie liefen die mehrtägigen Wellnesspauschalen mit Übernachtung und Essen gut. Doch in der Zwischenzeit wurde es schwieriger, weit mehr gefragt seien die Verwöhn- und Wellnesspakete, die bis zu drei Stunden dauern und unterschiedliche Anwendungen beinhalten. Fabienne Toppler freut sich, dass ihre grosse Stammkundschaft nach Corona zurückgekehrt ist und sie heute wieder zu hundert Prozent ausgelastet ist. Dank der Hilfe ihres Mannes und ihrer Schwester kann sie auch in hektischen Zeiten Ruhe bewahren und der Kundschaft das bieten, was ihr am Herzen liegt – körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden.

