Nach dem sehr trockenen und heissen Sommer waren die Grundwasserstände zum Herbstbeginn vielerorts tief, was viele Probleme mit sich brachte. Doch auch mit dem Einsetzen der kühleren Herbsttage entspannt sich die Situation nicht zwangsläufig, denn auch im Herbst können Trockenperioden dem Grundwasserkörper weiter zusetzen.
Die Rolle der Verdunstung
Solche Trockenperioden fehlen auch diesen Herbst nicht. So gab es im Oktober nun bereits drei Trockenphasen, die vor allem auch von aussergewöhnlich hohen Temperaturen begleitet waren. Entgegen der Erwartung verschärfte sich die Grundwassersituation diesen Monat jedoch nicht. Denn es sind nicht nur die Trockenheit und der Niederschlag, die die Bodenfeuchte und den Grundwasserpegel steuern. Die Verdunstung und der Anteil des Oberflächenabflusses haben einen mindestens ebenso grossen Anteil an diesem Mechanismus.
Vor allem der Teil der Verdunstung ist stark jahreszeitenabhängig. Dabei wird die Verdunstung nicht direkt durch die Temperatur gesteuert, der Einfluss von Sonneneinstrahlung und Vegetation ist hier stärker zu gewichten: Wenn durch die Sonneneinstrahlung Energie am Boden ankommt, kann diese grundsätzlich in Verdunstung von Wasser oder in die Erwärmung der Luft investiert werden. Für den Energiehaushalt ist es günstiger, mit dieser Sonnenenergie Wasser zu verdunsten, als die Lufttemperatur zu erhöhen. Deshalb wird es beispielsweise an einem Sommermorgen erst spürbar wärmer, nachdem der Tau vom Boden verschwunden ist.
Da es günstiger ist, wird die Sonnenenergie so lange wie möglich ins Verdunsten von Wasser investiert, was zwangsläufig zu einem Austrocknen des Bodens und schliesslich auch zu einem Absinken des Grundwasserspiegels führt. Auch die Vegetation ist aktiver, wenn die Sonne scheint, schliesslich brauchen die Pflanzen Wasser und Sonnenlicht für die Fotosynthese.
Nebel fängt Wasser
Da kommt es durchaus gelegen, dass der Sonnenstand im Laufe des Oktobers deutlich abnimmt und wir in eine negative Energiebilanz rutschen: Über Nacht wird mehr Wärmeenergie ins All abgestrahlt, als tagsüber von der Sonne geliefert wird. Die Verdunstung durch Sonne und Vegetation nimmt damit deutlich ab.
Vor allem im Mittelland wird dieser Effekt durch den Bodennebel noch zusätzlich unterstrichen: Durch die langen Nächte kann sich eine dickere Nebelschicht bilden, die tagsüber durch die schwache Sonne zum Teil nicht mehr aufgelöst werden kann. So wird die Sonneneinstrahlung und damit auch die Verdunstung in den Nebelgebieten praktisch auf null gesetzt – durch die Ablagerung von Nebeltröpfchen bleibt das Wasser aus der Nebelschicht sogar am Boden.
Bei Nebellagen beeinflussen deshalb auch lang andauernde Trockenphasen den Grundwasserspiegel kaum. Das Wasser, das sich zwischen Grundwasserpegel und Atmosphäre bewegt, ist sozusagen in der Nebelschicht gefangen und bleibt daher dem lokalen Wasserkreislauf erhalten.
Wind und Wärme
Anders sieht das aus bei Wetterlagen, die mit viel Wind verbunden sind. Der Wind sorgt dann dafür, dass die Verdunstung in Bodennähe stärker ist als üblich und kann so zum Teil auch in den Wintermonaten den Boden zumindest oberflächlich austrocknen.
Doch gerade in der aktuellen Situation sind es auch noch weitere Elemente, die dem Grundwasserspiegel eine Erholung ermöglichen. Einerseits brachte der Oktober zwar bereits mehrere mehrtägige Trockenphasen mit rekordverdächtigen Temperaturen, andererseits gab es zwischen diesen Phasen auch immer wieder kräftigen Regen.
Bedingt durch die Zufuhr von Luftmassen mit hohen Temperaturen und viel Feuchtigkeit standen während der Regenphasen viel Energie und viel Wasser zur Verfügung, sodass die Niederschlagsmengen oft gross waren und die Intensitäten eher an Sommerniederschläge als an die kalte Jahreszeit erinnern.
Gewitter im Herbst
Auch die Gewitter- und Blitzaktivität war die vergangenen Wochen untypisch hoch für Oktoberverhältnisse. Diese kräftigen Niederschläge führten dazu, dass die durchschnittlichen Regensummen für den Oktober vielerorts bereits eine Woche vor Monatsende egalisiert wurden.
Zudem hatten vor allem in den Voralpengebieten auch die hohen Temperaturen einen positiven Einfluss auf das Grundwasser. Denn durch die hohen Temperaturen fiel der Oktoberniederschlag bis in hohe Lagen als Regen und konnte damit den Grundwasserpegel anheben – normalerweise geschieht dies in den höheren Regionen erst im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze einsetzt.
Aktuell sind zwar bis Ende Monat keine neuen Niederschläge mehr zu erwarten, daher kann es beruhigend sein zu wissen, dass sich der Grundwasserpegel vor allem im Mittelland trotz der Trockenheit nicht weiter absenken wird – dank der schwachen Sonne und des Nebels. Für viele Ackerarbeiten kann das aber auch ein Nachteil sein, weil der Boden gerade deswegen einfach nicht richtig abtrocknen kann. Wie so häufig gibt es auch hier zu jeder Medaille eine Kehrseite.

