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Der leise Melkstand von Familie Stohler ging um die halbe Welt

Seit zwölf Jahren setzen Silvia und Adrian Stohler auf ihrem Betrieb in Arisdorf mit Überzeugung auf Vollweide und saisonale Abkalbung. Ihren aussergewöhnlich leisen Melkstand liess das Ehepaar aus Neuseeland importieren.

Betriebsleiter Adrian Stohler zeigt, bis wo das Land reicht: «Dort gehts bis zum Horizont und hier beim Bach ist die Kantonsgrenze», erklärt er. Die Kantonsgrenze, ein unsichtbares Detail, das aber ab und zu für Verwirrung sorgt. Zum Beispiel, wenn es darum geht, ob die Milch der Regiokäserei abgeliefert werden darf oder nicht. «Wir gehören zur Gemeinde Arisdorf, das ist Baselbiet», erklärt Silvia Stohler. Adrian Stohler präzisiert: «Die Postadresse ist jedoch Olsberg, Kanton Aargau». Wen wunderts, dass da Verwirrung aufkommt? Der Grossteil des zugehörigen Landes liegt arrondiert um den Hof herum. «Ideal für Vollweide», sagt Adrian Stohler.

In zwei Tagen zehn Kälber

Den Betrieb Maiacker hat das Ehepaar 2009 von den Eltern Adrian Stohlers übernommen. Kurz darauf haben sie auf saisonale Abkalbung und Vollweide umgestellt. Beide haben an der ETH Agrarwissenschaften studiert. «Wir sind ‹Papierlibure›», wie Silvia Stohler mit etwas Selbstironie sagt.

Saisonale Abkalbung, das bedeutet, die 44 Milchkühe kalben alle zwischen Mitte Januar und Ende März ab. Da könne es schon mal passieren, dass innerhalb von zwei Tagen zehn Kälber auf die Welt kommen, sagt Silvia Stohler. «Das ist kein Problem, wir sind schon auch ruhiger geworden», fügt sie an.

«Wir sind schon auch ruhiger geworden.»

Silvia Stohler über viele Abkalbungen in kürzester Zeit.

Zur Vollweide erklärt Adrian Stohler: «Ab Anfang April können wir meist 100 Prozent draussen füttern. Je nach Jahr geht das dann bis Ende September oder sogar Oktober.» Die letzten Jahre hätten sie jedoch Futter zukaufen müssen, da es im Sommer schlicht und einfach zu trocken gewesen sei. Heuer gehen sieben Kühe auf die Alp. «Wir hoffen, dass wir dann entweder durch den Sommer nichts mehr zufüttern müssen oder mehr konservieren können», so Silvia Stohler.

So schnell wie möglich an Weide gewöhnen

Auch die Aufzuchtrinder kommen in den Genuss der Alp. Sie sind bis im Herbst auf dem eigenen Betrieb, dann kommen sie auf den Aufzuchtbetrieb, wo sie im Frühling besamt werden. Den Sommer verbringen sie auf der Alp und im Herbst werden sie in die Herde integriert. «So können wir immer die Kleinen hinaufbringen und die Grossen heimnehmen», erklärt die kecke Betriebsleiterin.

Wichtig ist ihnen, die Aufzuchtkälber so bald als möglich an die Weide zu gewöhnen. Mit einem gewissen Stolz erzählt Silvia Stohler davon, wie der Rinderhirt ihre Kälber jeweils gut von den anderen unterscheiden könne: «Er sagt jeweils, andere stünden schon blöd rum und schreien, während unsere noch am ‹Rändli putzen› seien.» Die Milchrassen-Munikälber werden selber gemästet und zum Teil selbst vermarktet, je nachdem wie der Bedarf bei der Kundschaft aussieht.

Melkstand kam mit Schiff

Die Begeisterung von Ehepaar Stohler für Neuseeland kommt spätestens beim Besichtigen des Melkstandes zum Vorschein. Denn diesen haben sie komplett vom anderen Ende der Welt aufs Schiff verfrachten lassen und in die Schweiz importiert. Nach dem Studium haben sie drei Monate in Neuseeland gearbeitet und dort durch Betriebsbesuche ihre Begeisterung für das dortige System entdeckt.

Und wie kommt es, dass sogar der Melkstand aus Neuseeland kommt? Silvia Stohler erzählt: «Ich ging für meine Diplomarbeit diverse Melkstände anschauen und mich hat es immer schockiert, wie laut es dort drin war, so wollte ich nicht arbeiten.» Als sie sich dann in der Schweiz umschauten, fanden sie nichts Passendes und haben kurzerhand entschlossen, den besonders leisen Melkstand der Marke «Waikato» aus Neuseeland hierhin zu holen. Silvia Stohler zählt auf: «2×8 Swingover. Von hinten Melken. Total einfach. Keine Anrüstung, keine Abnahme. Die Tiererkennung läuft hier», sagt sie und zeigt auf ihren Kopf. Da ist die Betriebsphilosophie von Stohlers gut zu spüren: Auf englisch «Keep it simple and stupid» heisst sowas wie «Alles einfach und verständlich halten».

300 Franken pro Jahr

Im Jahr 2018 haben sie mit der Umstellung auf Bio begonnen. Viel umgestellt hätten sie aber gar nicht, sagt Silvia Stohler. Die Obstbäume und Blacken würden nicht mehr gespritzt, etwas Kunstdünger musste ersetzt werden und der Aufzuchtbetrieb wurde gewechselt. Über den Grund, weshalb sie auf Bio gewechselt haben, sind sie sich einig: «Es entspricht unseren Überzeugungen, möglichst wenig Mittel einzusetzen.» Auf Kraftfutter verzichten sie bereits seit 2013.

Auch in der Züchtung zeigt sich die Betriebsphilosophie. Stohlers sind Mitglied der IG Neue Schweizer Kuh. Sie setzen eher auf kleinere Tiere. «Wir haben das ausgerechnet, von der grössten Kuh zur Kleinsten braucht Letztere rund 300 Franken weniger Futter pro Jahr. Das rechnet sich», so die Betriebsleiterin. Sie nehmen alle Tiere aus der eigenen Herde nach, denn bei einem saisonalen System Kühe zuzukaufen, sei schwierig. «Ein Tier zu finden, das vom Zeitpunkt des Abkalbens und von der Grösse her passt und ausserdem gute Milch-Inhaltsstoffe hat, ist eine Herausforderung», sagt Silvia Stohler.

Glückliche Hühner

Auf was ist sonst noch zu achten, wenn auf dem Betrieb saisonal abgekalbt wird? Adrian Stohler überlegt und erwidert: «Konsequenz ist ganz wichtig. Zu entscheiden: An dem Tag fangen wir an zu besamen und an diesem hören wir schlussendlich auch wieder auf damit. Und was nicht trägt, das geht oder wird verkauft.» Wichtig ist, dass die Aufzuchtkälber in einem kurzen Zeitraum auf die Welt kommen, denn im saisonalen System müssen sie als Rinder zur gleichen Zeit wie die Kühe besamt werden. Nachzügler wären beim Besamungsstart noch zu jung. Der häufigste Grund, warum eine Kuh verkauft würde, sei denn auch die fehlende Fruchtbarkeit, so der bedächtige Betriebsleiter weiter. Dies treffe pro Jahr auf zirka 10 bis 15 Prozent der Kühe zu.

«Was nicht trägt, geht oder wird verkauft.»

Adrian Stohler darüber, wie wichtig Konsequenz ist.

Nebst den Milchkühen sind auf dem Hof noch 35 Legehennen zu Hause – in einem Stall, der Platz für 100 Hennen bieten würde. Sie dürfen sogar frei auf dem Hof herumlaufen, «dafür kriegen wir Komplimente für die guten Eier, weil sie allerlei Gutes zum Fressen finden», sagt Silvia Stohler und lacht. Die Eier werden, wie auch das Fleisch der Mastkälber und etwas Alpkäse aus der Milch der eigenen Kühe an eine Stammkundschaft in der Umgebung verkauft.

Darauf, ob die Hofnachfolge schon ein Thema sei, erwidert Silvia Stohler: «Nein, der ältere Sohn ist 12, der Jüngere 10 – sie sollen einfach machen, was ihnen Freude bereitet.» Bei Silvia und Adrian Stohler merkt man auf jeden Fall, dass sie mit Freude dabei sind. Belinda Balmer

Betriebsspiegel Maiacker

Name: Silvia und Adrian Stohler

Ort: Arisdorf (Baselland)

Produktionsrichtung: Bio

Fläche: 32 Hektaren Grasland

Höhenlage: 400 m ü. M.

Viehbestand: 44 Milchkühe, Kälber werden gemästet oder mit zirka sieben Monaten in die Aufzucht gegeben, 35 Legehennen und ein Hahn

Betriebszweige: Hauptsächlich Milchproduktion, sowie Direktvermarktung von Eier, Fleisch und etwas Käse von der Alp.

Milchmenge: zirka 180 000 kg werden abgeliefert und etwa 30 000 kg gehen an die Kälber

Milchabnehmer: Mooh

Arbeitskräfte: Betriebsleiter Silvia und Adrian Stohler, die Mutter von Adrian Stohler kümmert sich um die Legehennen.

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