Seit vier Wochen gilt die vom Bundesrat verordnete «ausserordentliche Lage» auch an den Landwirtschaftlichen Bildungszentren. Die Schulen sind zwar geschlossen für den Präsenzunterricht. Die Ausbildung geht jedoch mehrheitlich digital mit Fernunterricht weiter.
BLS stark betroffen
Am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung des Kantons Luzern sind die höhere Berufsbildung mit der Betriebsleiterschule für Landwirte und der Bäuerinnen mit Fachausweis stark betroffen.
An den Betriebsleiterschulen konnten schon viele Module abgeschlossen werden. Die betriebswirtschaftlichen Module und viele Module der Tierhaltung blieben von der Corona-Krise verschont.
Es wäre Zeit fürs Feld
Schwieriger sieht es bei den Modulen im Pflanzenbau und der Biodiversität aus. Nach den theoretischen Blöcken im Winter und Frühling stünden im Futterbau, im Ackerbau und beim Tafelkernobst jetzt eigentlich die spannendsten Kurstage vor der Tür. In normalen Jahren gehen Referenten mit den Kursteilnehmenden auf die Felder oder in die Obstanlagen. Dort beurteilen sie beispielsweise Bestände von Natur- und Kunstwiesen, sie besprechen Vor- und Nachteile verschiedener Anbauverfahren im Ackerbau oder führen aussagekräftige Schädlingskontrollen in Obstanlagen durch.
Digitales Treffen als Ersatz
Statt auf dem Feld treffen sich die Referenten und die Kursteilnehmenden jetzt auf neuen digitalen Plattformen. Dazu setzen die Referenten verschiedenste Hilfsmittel ein. Im Vorfeld werden Videos mit Anleitungen in Wiesen, Ackerkulturen oder Obstanlagen gedreht. Power-Point-Präsentationen werden besprochen und aufgezeichnet. Unterlagen und Arbeitsblätter werden digital auf «Wolken» abgelegt. Per E-Mail werden Links und Aufträge versendet. Dazu hat der Kanton Luzern zum Glück in den letzten Jahren dank der BYOD-Strategie gute IT-Infrastrukturen an den Schulen geschaffen.
Der Aufwand für Lehrpersonen ist höher
An den ursprünglich geplanten «Schultagen» sind die Referenten auf verschiedenen Kanälen für die Schüler erreichbar. Sie sitzen am Telefon, beantworten E-Mails oder geben in Chats zeitnah Rückmeldungen. Der Vor- und Nachbereitungsaufwand beim digitalen Fernunterricht für die Lehrpersonen ist aber deutlich höher.
Neben den Links zu Videos und Präsentation erhalten die Teilnehmenden viele konkrete Aufgaben zu ihrem eigenen Betrieb. Das ist auch die grosse Chance des Fernunterrichts. Statt auf fremden Parzellen machen die jungen Landwirte die Feldübungen auf ihren eigenen Wiesen und Feldern.
Die Selbstverantwortung ist grösser
Der Anteil «Zuhören» ist bei diesem Unterricht kleiner und das «Selbermachen» wird verstärkt. Wer gut mitwirkt, macht so Analysen und formuliert Verbesserungsmassnahmen für den eigenen Betrieb. Im Fernunterricht müssen jedoch die Teilnehmenden eine viel grössere Selbstverantwortung wahrnehmen. Sie werden nicht vor Ort überprüft und die individuelle Betreuung ist erschwert.
Beratung gibt es weiterhin
Viele landwirtschaftliche Zentren halten ihr Beratungsangebot aufrecht. So sind am Luzerner BBZ Natur und Ernährung telefonische Beratungen uneingeschränkt möglich. Bei persönlichen Treffen halten sich die Beratungspersonen an die Regeln des Bundesamts für Gesundheit. Beratungen mit einem längeren Zeithorizont sollen jetzt geplant werden, um Engpässe im Herbst und Winter zu vermeiden.
«Ich lerne am besten beim Zuhören»
Ihm kommt der Fernunterricht nicht unbedingt entgegen. Roland Studer aus Wolhusen, Luzern, lernt am besten beim Zuhören, wie er sagt. Nun galt es, in Eigenverantwortung alles selber aufzuarbeiten. Und dann lockte auch noch das schöne Frühlingswetter. «Da brannte es schon ein wenig unter den Nägeln», gibt er zu. Natürlich wäre es bei normalem Präsenzunterricht nicht anders gewesen, dann hätte sich die Situation aber klarer präsentiert für ihn, der aktuell voll auf dem elterlichen Betrieb mit Milchwirtschaft und Schweinemast mitarbeitet. Aus den Bildungszentren Schüpfheim, dem Standort seiner Klasse, und Hohenrain bekam er Material per Post zugeschickt, anderes wurde über Video vermittelt. «Es war schon eine spezielle Erfahrung», sagt Studer, der die BLS I auf zwei Jahre aufteilt. Den Lehrpersonen windet er ein Kränzchen. Diese hätten rasch und sehr gut den Unterricht angepasst. Im Juni stehen für ihn noch grössere Prüfungen an. Thema ist der Feldbau. Und Grundlage dazu wären in erster Linie die Flurbegehungen diesen Frühling gewesen.

Roland Studer aus Wolhusen.
«Die Vergleiche fehlen ein wenig»
«Ich war nie mehr in Hohenrain seit der Schulschliessung vor einem Monat», sagt Jasmin Flück aus dem obwaldnischen St. Niklausen. Sie wäre eigentlich im Schlussspurt der Betriebsleiterschule I, Klasse Hohenrain. Ob sie diese bereits diesen Frühling abschliesst, ist nicht ganz klar. Durch die vielen Absagen könnten ihr einige Modulpunkte fehlen. Die Landwirtin EFZ arbeitete über den Winter in einem Pensum von 60 Prozent im Detailhandel. Daneben besuchte sie den Unterricht am BBZN und hilft aushilfsweise auf dem elterlichen Betrieb mit Milchwirtschaft und Futterbau in der Bergzone II mit. In den vergangenen Wochen stand vor allem die Betriebsstudie im Vordergrund. Mittwoch war Abgabetermin. Die Überprüfung vor Ort ist im Mai oder Juni geplant. Das sollte machbar sein, unter Einhaltung der Verhaltensregeln des BAG, mutmasst Jasmin Flück. Die Vergleiche und der Austausch mit ihren Klassenkameraden fehlten ihr schon ein wenig. Daneben habe sie sich die Infos über den Stand der Vegetation am PC zu Gemüte geführt. Die Referenten scheuten keinen Aufwand und waren gut erreichbar. Spannend war auch die Whatsapp-Gruppe Pflanzenbestimmung. «Wir konnten Bilder von Pflanzen hochladen und bekamen von den Lehrpersonen Antworten». Wann sie ihre Klasse wieder sieht, steht derzeit in den Sternen.

Jasmin Flück aus St. Niklausen.

