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Bäuerinnenporträt: «Das Ei ist so ein cooles Produkt»

Erst war es nur ein selbst gezimmertes, kleines Hühnerhaus, «für fünf Occasion-Hühner», wie sie Bäuerin Sonja Hallauer aus Löhingen im Kanton Schaffhausen lächelnd bezeichnet. Doch das Häuschen war der Beginn ihrer persönlichen Heilung und der erste Schritt zu einem eigenen Eiergeschäft, das unter dem Namen «Landei» läuft.

Die zierliche 44-jährige Bäuerin sitzt am rot-weiss gedeckten Balkontisch. Die Luft ist schwülheiss. Der grüne Traubenzuber auf der grossen Terrasse, gefüllt mit frischem Wasser, macht gluschtig auf eine schnelle Abkühlung. Sonja Hallauers Mann Felix arbeitet im Treuhandbüro neben der Familienwohnung. Die zwei Kinder, Jakob (16) und Naemi (12), sind in der Schule.

Baupläne schmieden

«Landei hat viel mit unserer Geschichte zu tun», erzählt die Bäuerin. Sie erinnert sich an das Jahr 2010. Ein schweres Jahr. Als ihr zweites Kind Naemi einjährig wurde, mussten sie und ihr Mann mit den Tatsachen umgehen lernen, dass Naemi eine motorische Beeinträchtigung hat. Dazu kamen Verluste im Bekanntenkreis. Die junge Bäuerin verlor ihre Lebenskraft. «Ich konnte einfach nicht mehr.» Sonja Hallauer hält einen Moment inne, schenkt Wasser nach aus der Glaskaraffe.

Dann kamen die fünf Hühner. «Eine Krise ist wie ein gepflügter Ackerboden. Alles wird aufgerissen, umgekehrt.» Sie wählt ihre Worte sorgsam aus. «Du kannst diesen Boden nicht brach liegen lassen, sonst kommt nur Unkraut. Es braucht etwas wie eine Gründüngung.» Diese Gründüngung war für sie das erste kleine Hühnerhaus. In den schlaflosen Nächten wurden Baupläne geschmiedet.

Der Fuchs holte die Hühner

Doch im folgenden Winter kämpfte Sonja Hallauer mit solch einer Müdigkeit, dass sie nicht einmal mehr die Kraft hatte, die fünf Hühner zu versorgen. «Als ein Fuchs die Hühner holte, war ich sogar froh», gesteht sie. Der Horizont schien nur mit Angst erfüllt. An jedem zweiten Samstag übernahm daher Felix die Kinder und den Haushalt, damit seine Frau einen Bibelworkshop in Zürich besuchen konnte. «Dass Gott da ist für uns, war für mich wie ein Rettungsring. An diesem halte ich mich.»

Der Frühling kam und mit ihm neuer Mut und neue Hühner. Ein zweites Hühnerhäuschen wurde gebaut, dann ein mobiler Stall für 30 Legehennen. Die Nachfrage nach Eiern stieg. Naemi kam in den Kindergarten.

Zurück in die Pflege?

Sonja Hallauer fragte sich, ob nun die Zeit gekommen war, wieder in ihrem Beruf als Pflegefachfrau zu arbeiten. Doch das würde viele Früh- und Spätdienste und Wochenenddienste bedeuten. Felix war tagsüber voll mit dem Treuhand- und Landwirtschaftsgeschäft beschäftigt. Schliesslich gewichtete Sonja Hallauer die Zeit mit der Familie höher als den Wiedereinstieg in den Beruf. Dann las Felix in einem Artikel etwas über ein mobiles Hühnerhaus für 300 Tiere. So wurde aus der Pflegefachfrau Sonja Hallauer Schritt für Schritt eine Hühnerfachfrau. «Ich habe den Pflegeberuf schon vermisst, aber jetzt ist beides möglich, die Familie und die Arbeit. Dass Landei so wächst, hätte ich nicht gedacht, als ich die ersten fünf Hühner holte.»

«Das Ei ist so ein cooles Produkt», schwärmt die Bäuerin. Sie möchte den Menschen mit ihren Hühnern und den frischen Eiern Freude bereiten. «Ich sage Felix jeweils, ‹gell, du schaust, dass die Schachteln lächeln, wenn du sie in den Kasten stellst›.» Ihre Kunden sollen spüren, wie sie ihre Hühner liebt; sich freuen am zufrieden scharrenden Federvieh im Gras. «Ich bin gesegnet von Gott durch die Hühnergeschichte und wünsche mir, dass dieKunden dadurch auch gesegnet werden.»

Das Potenzial sehen

Sonja Hallauer möchte in ihren Mitmenschen vor allem deren Potenzial sehen. Das ist ihr besonders wichtig für ihre Tochter, gilt aber gleichermassen für alle um sie herum. Sie will sich nicht auf Beeinträchtigungen fokussieren. «Ich möchte in anderen Menschen das sehen, was sie mitbringen, was aus ihnen werden könnte.»

Vom Balkon aus sieht die Bäuerin in die Rebberge, am Fuss des lokalen Hügelzuges, dem Randen. Hier verbringt sie viele Stunden mit Felix. Beim Laub ausbrechen und Zweige aufbinden haben die beiden Zeit für Gespräche. «Wir sind ein gutes Team. Diese Stunden in den Reben sind nicht nur Arbeit, sondern auch wertvolle Lebenszeit.» In letzter Zeit beschäftigt das Ehepaar dabei die Kraft des ausgesprochenen Wortes. Worte sind ihnen wichtig, es liegt eine grosse Verantwortung darin, aber auch eine grosse Gestaltungsmöglichkeit. Das Lebengestalten und nicht nur geschehen lassen – diesen Leitsatz will Sonja Hallauer in ihrem Leben verwirklichen.

Weitere Informationen: www.landei.hallauer.ch

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