«Kühe sind unser Leben», sagt Franz Abächerli. Schon als Kind sei er von Kühen mit grossen Eutern und hoher Milchleistung fasziniert gewesen, erinnert er sich. Heute führt der 56-jährige Meisterlandwirt einen Milchwirtschaftsbetrieb in Hausen am Albis im zürcherischen Knonauer Amt. In seinem Stall stehen Kühe, die nicht nur auf eine hohe Milchleistung kommen, sondern diese Leistung auch über eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Laktationen erbringen. Im Jahr 2011 standen gleichzeitig sechs Braunviehkühe mit einer Lebensleistung von über 100 000 Kilogramm Milch in der Herde.
Betriebsspiegel
Ort: Sunehof, Hausen am Albis
Betriebsleitende: Franz Abächerli, Andrea Durrer
Nutzfläche: 58 Hektaren. Davon zehn Hektaren Mais, fünf Hektaren Getreide, 2,3 Hektaren Wald
Betriebszweige: Milchwirtschaft, Jungvieh- und Zuchtstierenauf- zucht. Verkauf Fahrsilo-Abdeckmaterial und Kälberiglus, 300-kW-Photovoltaikanlage.
Tierbestand: 70 Milchkühe. 80 Stück Jungvieh
Auch eine Jersey-Kuh dabei
Besonders stolz ist Franz Abächerli auf seine aktuell älteste Kuh Etvei Beauty, die nach neun Laktationen auf eine Lebensleistung von 128 000 Kilogramm Milch kommt. Insgesamt sind es 16 Kühe mit einer Milchleistung von über 100 000 Kilogramm, die im Stall von Abächerli standen oder stehen. Dazu kommen noch zwei Brown-Swiss- und eine Jersey-Kuh aus Abächerlis Zucht, die auf anderen Betrieben die 100 000er-Marke erreichten. 15 dieser Tiere stammen aus eigener Zucht. Unter diesen Kühen befindet sich neben Brown-Swiss-Kühen eine OB-Kuh, eine Holsteinkuh und eine Jersey-Kuh. Mit dieser stolzen Zahl an langlebigen und leistungsstarken Kühen steht Abächerli mit zwei weiteren Betrieben an zweiter Stelle auf der «Rangliste» der Züchter von 100 000er-Kühen, die Braunvieh Schweiz führt.
Ungewöhnlicher Stall
Franz Abächerlis Vater führte einen Pachtbetrieb in Menzingen im Kanton Zug. Diesen konnte Sohn Franz, der seit er sich erinnern kann, Bauern werden wollte, aber nicht weiterführen. Die Verpächterfamilie meldete Eigenbedarf an. In der Folge übernahm Abächerli im Alter von 20 Jahren den Betrieb seines damaligen Schwiegervaters im zugerischen Edlibach. Dieser Hof in der Bergzone I war aber zu klein, um als Vollerwerbsbetrieb geführt zu werden.
Im Jahr 2008 konnte Abächerli dann den «Sunehof» in Hausen am Albis erwerben. Dieser umfasst heute eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 58 Hektaren. Wer sich dem abgelegenen Hof nähert, dem fällt der im Jahr 2014 erbaute Milchviehstall ins Auge. Er ist in einer Leichtbauweise erstellt worden, wie dies heute üblich ist. Er wirkt aber noch einen Zacken «luftiger», als dies bei neu erstellten Milchviehställen der Fall ist. Das liegt daran, dass der Stall gänzlich ohne Seitenwände auskommt. Zudem sorgt eine Lücke in der Dachkonstruktion «für eine optimale Durchlüftung und kühle Temperaturen im Sommerhalbjahr», wie Abächerli darlegt. Auf diese Bauweise ist er nach einem Seminar in den USA gekommen. Um Baukosten zu senken, erstellte er den Stall mit vielen Eigenleistungen.
«Die Rechnung geht auf»
In Abächerlis Stall leben 70 Milchkühe und 80 Aufzuchttiere. Beim Jungvieh handelt es sich ausschliesslich um Tiere aus eigener Zucht. Etwa ein Viertel bis ein Drittel des Viehbestands auf dem Sunehof sind OB-Tiere. OB-Kühe kämen auf eine durchaus bemerkenswerte Milchleistung, sagt Abächerli. Ausserdem habe jedes Tier einen Wert. OB-Munikälber seien gegenwärtig auf dem Markt sehr gefragt. Und auch in der Mutterkuhhaltung werden oft OB-Kühe eingesetzt.
Bei der Zucht setzt Abächerli zum einen auf den Natursprung mit eigenen Stieren. Teilweise lässt er ein kleines Samendepot von Natursprungstieren vom Tierspital Zürich erstellen. Eine Zusammenarbeit besteht auch mit der KB-Organisation Select Star, die Stiere aus der Zucht von Abächerli im Angebot hat. «Gute Milchleistung, hohe Fruchtbarkeit, nicht zu hohe Zellzahlen und ein guter Charakter. Wenn das alles vorhanden ist, dann geht die Rechnung auf.» Mit diesen Worten beantwortet Franz Abächerli die Frage, weshalb ihm bei seiner Arbeit das Zuchtziel «100 000er-Kuh» so wichtig ist. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Abächerli auf Linienzucht mit langlebigen Zucht- und Leistungskühen.
Positive Eigenschaften weitergeben
Dabei gewichtet er die weibliche Erbmasse stärker als die männliche. «Die Eizelle enthält mehr Erbinformationen als die männlichen Samenzellen», sagt er. Er begründet diese Aussage mit den Erfahrungen, die er mit den zahlreichen Zuchtfamilien in seinem Stall gemacht hat. Positive Eigenschaften der Stammkuh wie etwa gute Milchleistung bei hoher Persistenz, geringe Anfälligkeit für Euterentzündung, gute Klauengesundheit würden über Generationen weitergegeben und durch Linienzucht gefestigt, konnte er feststellen. Wichtig bei Anpaarungen ist Abächerli auch die Codierung von Kuh und Stier nach dem Triple-A-System. Diese Codierung basiert ausschliesslich auf dem Skelett und dem Körperbau der Tiere. Angepaart werden dabei Tiere, deren jeweiligen Stärken und Schwächen sich möglichst ideal ergänzen.
Optimale Bedingungen
«Mit jungen Kühen bin ich sehr streng», sagt Franz Abächerli. Ihnen gewähre er kaum Fehltritte. Hätten sie aber die dritte Laktation einmal erreicht, drücke er auch mal ein Auge zu. Etwa, wenn sie nicht sofort aufnehmen oder bei einer Euter-Entzündung. Schliesslich kenne er seine Kuhfamilien und keine sei ohne eine 100 000er-Kuh.
Abächerli bietet seinen Kühen optimale Bedingungen: Mit einem Laufstall mit wesentlich mehr Fläche pro Kuh als vorgeschrieben, mit grosszügig eingestreuten Liegeboxen und mit einer idealen Fütterung. Im Gegenzug erwarte er eine gute Milchleistung, sagt er. Er war auch einige Jahre Biobauer. Wegen zu vieler Einschränkungen besonders bei der Zucht verabschiedete er sich wieder von dieser Betriebsform. Trotzdem möchte er auf dem Betrieb möglichst wenig Agrochemie einsetzen.
Seit dem Jahr 2008 verzichtet er auf antibiotische Euterbehandlungen. Der Ackerbau erfolgt pfluglos. Abächerli setzt auf eine den Humus aufbauende Bodenbearbeitung. Mit der Spatenmaschine kann er den vielen Mist, der auf seinem Betrieb anfällt, ideal in den Boden einarbeiten, was zu einer erheblichen Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit beigetragen hat. Ausserdem bringt eine grössere Maisfläche mit Mulchsaat mehr Direktzahlungen als die graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion, wie Abächerli ausgerechnet hat.
Nur an lokalen Schauen
Vor der Betriebsvergrösserung hat Franz Abächerli auch oft an Viehschauen teilgenommen. «Das war zu den Zeiten, als das Styling noch nicht eine so grosse Rolle spielte und die leistungsstarken Tiere auch meist zuoberst auf der Rangliste figurierten.» Heute sei das nicht mehr der Fall. Aktuell stünden bei Brown-Swiss-Schauen zu oft schmale, hohe Kühe mit schwacher Leistung und Fitnessproblemen zuvorderst. Abächerli präsentiert seine Kühe derzeit nur noch an lokalen Schauen. Das könnte sich aber wieder ändern. Seine drei Kinder aus zweiter Ehe hegen alle den Berufswunsch Landwirt/-in. Die 15-jährige Sara und der elfjährige Meik drängen darauf, dass der «Sunehof» seine Tiere auch wieder an den grossen Schauen aufführt. Möglichst schon an der diesjährigen Swiss Expo, wann immer diese auch stattfinden mag. Der sechs Jahre alte Iwan ist noch etwas zu klein für solch konkrete Wünsche.

