Kein fester Händedruck durch einen Vertreter oder eine Vertreterin von Braunvieh Schweiz, keine mündliche Gratulation. Die Ehrung der Thurgauer Braunviehzüchter, die eine 100 000er-Kuh in ihrem Stall stehen haben, verlief prosaischer als in anderen Jahren. Die Urkunde von Braunvieh Schweiz und die Plaketten der Genossenschaft Thurgauer Milchproduzenten lagen fein säuberlich und alphabetisch geordnet auf einem Tisch im Saal bereit. Der Reihe nach wurde das Foto einer der Kühe mit einer Lebensleistung von 100 000 Kilogramm Milch auf die Leinwand projiziert. Deren jeweiliger Besitzer wurde aufgerufen, die Urkunde abzuholen. Der Applaus am Schluss dieser Corona-bedingt etwas nüchtern und distanziert ausgefallen Ehrung fiel allerdings anerkennend und herzlich aus.
Herzliche Gratulation!
Herzliche Gratulation an die Besitzer der folgenden 100 000er-Kühe: Neria (Denmark-ET), Stephan Alder, Tägerwilen; Zimba (Tristan-ET), Betriebsgemeinschaft Indergand/Marolf, Altnau; Brüni (Eagle-ET), Roland Brander-Oertle, Steinebrunn; Tulpe (Etvei), Paul Fehlmann-Ramser, Homburg; Element (Colibri), Gebrüder Neuenschwander, Amlikon-Bissegg; Wanda (Punch), Gebrüder Neuenschwander, Amlikon-Bissegg; Harfe (Demo-ET), Thomas Hähni, Langrickenbach; Fabiola (Poppey), Ivo Hengartner, Zihlschlacht; Mona (Wigor), Pirmin Herzog, Lanzenneunforn; Salvia (Goldfinger), Urs Herzog, Schönholzerswilen; Cafina (Romano-ET), Immenberg Brown Swiss, Schönholzerswilen; Harina (Goliath-ET),Christian Kern; Amlikon-Bissegg; Nena (Ciprian), Norbert und Stefanie Kuster, Lengwil; Jvana (Avenger-ET), Paul Looser, Buhwil; Pamela (Zaster-ET), Paul Looser, Buhwil; Peru (Precise-ET), Paul Looser, Buhwil; Ronja (Calloeri), Stefan Looser, Biessenhofen; Volga (Moiado), Stefan Looser, Biessehofen; Zenia (Zeus), Peter Lüthi-Brechtbühl, Tägerschen; Molli (Pokal), Roger Mühlemann, Andwil; Abba (Abolute-ET), Urs Schär, Langrickenbach; Gisi (Wurl-ET), Hansueli und Andrea Scherrer, Neukirch (Egnach); Regina (Cilo), Marcel Schweizer, Schönholzerswilen; Dora (Dionisos-ET), Alwin Stoller, Romanshorn; Walli (Wagor), Alwin Stoller, Romanshorn; Amanda (Agio-ET), Markus Stürm, Buch bei Märwil; Tamara (ein BV-Stier), Thomas Wüthrich, Sonterswil.
Etwas anders vorgestellt
Er habe sich die Brauviehtagung 2020 an sich schon etwas anders vorgestellt. Das stellte Hansjürg Altwegg, der Präsident des Vereins der Thurgauer Rindviehzuchtgenossenschaften, in seiner Begrüssung fest. Er habe aber dennoch eine Veranstaltung unter Einhaltung der Corona-Regeln durchführen wollen und deshalb auch bewusst nicht gross Werbung für den Züchterabend gemacht. Und alles in allem hatte er noch «Glück im Unglück». Die Veranstaltung fand am 27. Oktober statt. Tags darauf verkündete der Bundesrat das nun geltende Corona-Regime, unter dem diese Versammlung mit noch mehr Auflagen hätte stattfinden müssen. Das sei wohl der letzte Züchteranlass einer kantonalen Braunvieh-Organisation, an dem er 2020 teilnehme, sagte denn auch Lucas Casanova, der Direktor von Braunvieh Schweiz.
Geduld, Wissen und Können
Lucas Casanova gratulierte den Besitzern von 100 000er-Kühen für ihre Leistung. Michael Schwarzenberger, Leiter Milchproduktion beim BBZ Arenenberg, schloss sich dieser Gratulation an. Eine Kuh mit 60 000 Kilogramm Lebensleistung im Stall zu haben, sei kein Kunststück. Danach werde es aber schwierig. Da brauche es gelegentlich etwas Geduld, viel Wissen und Können und oft sei die ganze Familie an einem solchen Erfolg beteiligt. Im Thurgau haben 2019 insgesamt 68 Kühe die Marke von 100 000 Kilo Milch übertroffen. Bei 27 handelt es sich um eine Braunviehkuh. Wie Schwarzenberger weiter darlegte, hat sich im Thurgau von 2016 bis 2019 die Zahl der Besitzer von Rindvieh um sechs Prozent auf 1428 reduziert. Und auch der Viehbestand hat sich im gleichen Zeitraum reduziert: Die Zahl der Milchkühe sank um vier Prozent. Bei den Mutterkühen beläuft sich die Abnahme auf zwei Prozent.
Infos von Braunvieh Schweiz
Bei seinen Informationen zu den Aktivitäten von Braunvieh Schweiz, sprach Lucas Casanova die folgenden Themen an:
Prüfstiere: Ziel von Braunvieh Schweiz ist es, für jeden Prüfstier auf 100 Töchter zu kommen. Es gibt aber grosse Variationen bei der Besamungszahl der Jungstiere. Vermeintlich wenig attraktive Jungstiere gehörten später zu den Besten. Als Beispiele nannte Casanova Anibal, Nello oder Bunin. Er rief dazu auf, das Angebot an Prüfstieren im Stall breit zu nutzen. So könnten die Risiken breit gestreut werden. Das sei aber auch wichtig für die Blutvielfalt.
Genomische Zuchtwerte: Casanova stellte fest, es gebe einzelne Stiere, welche die Erwartung der genomischen Zuchtwerte nicht erfüllten. In der Summe würden die Töchter dieser Stiere diese Erwartungen aber erfüllen. Das zeige eine breit angelegte Analyse von Braunviehkühen nach der 1., 2. und 3. Laktation zeigen.
Zuchtziel-Diskussion: Bei der gegenwärtig laufenden Zuchtziel-Diskussion sei keine grosse Revolution zur erwarten, kündigte Casanova an. Es zeichne sich ab, dass der Ist-Zustand nicht so schlecht sei.
Rassenpromotion: Weil gegenwärtig Viehschauen wegfallen, gibt Braunvieh Schweiz zu einem günstigen Preis Stalltafeln ab. Mit den Claims «More than Milk» für Brown-Swiss-Tiere und «Für Milch und Fleisch» für OB-Tiere.

