Warum Betriebe Wasser im Boden speichern statt nur mehr bewässern müssen

Die extreme Trockenheit des Sommers 2026 verlieh der Tagung «Wasser in der Landwirtschaft – Investieren in die Zukunft» in Grangeneuve eine besondere Aktualität.

Fachleute aus Landwirtschaft, Politik, Beratung, Lehre und Forschung diskutierten im Rahmen der Tagung «Wasser in der Landwirtschaft – Investieren in die Zukunft» in Grangeneuve FR nicht nur über Bewässerung. Die Palette reichte vom wasserspeichernden Boden über Agroforst und trockenheitsverträgliche Futterpflanzen bis zur digital gesteuerten Beregnung und zu grossen Bewässerungsnetzen.

Von April bis Juli fiel gemäss den an der Tagung präsentierten Angaben nur ein Bruchteil der üblichen Niederschlagsmenge. Die Temperaturen waren aussergewöhnlich hoch. Klar wurde: Die Antwort kann nicht einfach lauten, künftig überall mehr Wasser auf die Felder zu pumpen. Wasser muss dort, wo es fällt, möglichst lange in der Landschaft und vor allem im Boden gehalten werden.

Den Regen nicht möglichst schnell loswerden

Danielle Albiker vom Forum Nachhaltiges Wassermanagement in der Landwirtschaft gehörte zu den organisierenden Akteuren. Das Prinzip der Wasserretention ist einfach: Wasser soll gebremst werden.

Statt Regen möglichst rasch über Drainagen, Gräben und Bäche abzuleiten, soll ein möglichst grosser Teil dort versickern, wo er fällt. Keylines, Hecken, Agroforstsysteme oder andere Landschaftselemente können dabei helfen. Ein lebendiger Boden wirkt dabei wie ein Schwamm. Pflanzen schützen ihn vor Hitze, Wurzeln verbessern die Struktur und Gehölze bremsen den Oberflächenabfluss.

Wasserleitungen mit diesem Schlitzpflug bis auf eine Tiefe von einem Meter einzuziehen, ist eine kostengünstige Alternative zu Grabarbeiten. (Bild: Samuel Otti)

Wie gross der Unterschied sein kann, zeigen Messungen: Auf nacktem, gepflügtem Boden können im Sommer Oberflächentemperaturen von 50, 60 oder sogar 70 Grad erreicht werden. Eine fünf Wochen alte Gründüngung senkte bei einem Versuch die Oberflächentemperatur gegenüber nacktem Boden um 25 Grad. Damit erhalten minimale Bodenbearbeitung, Direktsaat und eine möglichst dauernde Bodenbedeckung zusätzliche Bedeutung.

Auch die Futterpflanzen müssen sich ändern

Auch Futterpflanzen und Mischungen müssen an trockenere Sommer angepasst werden.

Spitzwegerich wurde in Grangeneuve über mehrere Jahre geprüft. Als Wundermittel gegen Trockenheit erwies er sich nicht. Sein Nährwert liegt zwischen Standardmischungen und Luzerne, und in ausgeprägt heissen und trockenen Perioden kann er mit Trockenspezialisten wie Luzerne oder Knaulgras nicht mithalten. Als Mischungspartner ist er dennoch interessant und wird auf der Weide gerne gefressen.

Einen ungewöhnlicheren Weg zeigte ein Versuch mit Futterrüben. Sie können während längerer Sommertrockenheit direkt beweidet werden und liefern mehr als zehn Tonnen Trockensubstanz pro Hektare. Allerdings sind sie sehr energiereich und die Ration ist unausgewogen. Deshalb sollen die Tiere bereits mit Raufutter gesättigt auf die Rübenweide kommen, um das Risiko einer Pansenazidose zu vermindern. Auch eine Gewöhnungsphase ist notwendig.

Technik hilft beim Wassersparen

Wo Bewässerung notwendig ist, soll jeder Kubikmeter möglichst effizient eingesetzt werden. Bodenfeuchtesensoren, Wetterdaten und digitale Steuerungen ermöglichen es, Zeitpunkt und Menge genauer auf den Bedarf der Kulturen abzustimmen.

Ein ausgestelltes System steuert eine Beregnungskanone GPS-gestützt. Geschwindigkeit und Beregnungssektor werden automatisch geregelt, die Anlage lässt sich über das Smartphone überwachen und meldet Störungen. Der Kanton Freiburg unterstützt die Anschaffung mit 50 Prozent der Kosten bis maximal 2500 Franken pro Beregnungskanone; Voraussetzung ist unter anderem ein Bodenfeuchtesensor auf einer bewässerten Parzelle. Zu sehen waren zudem Wasserbehälter, Direktsaattechnik und Maschinen zum Einziehen von Wasserleitungen.

Eindrücklich demonstriert der Drohnenpilot, wie er sein Gerät für Pflanzenschutz-Massnahmen einsetzen kann. (Bild: Samuel Otti)

Für Aufmerksamkeit sorgte der Demoflug einer Pflanzenschutzdrohne. Der Pilot zeigte, wie präzise sich das Fluggerät führen lässt, und sprach über Kosten und Grenzen. Rund 37 000 Franken kostet die Drohne inklusive Ausbildung. Als Einsatzkosten wurden rund 130 Franken pro Hektare genannt. Gearbeitet wird mit etwa 40 Litern Wasser pro Hektare. Gleichzeitig sind Bewilligungen und die Zulassung der eingesetzten Pflanzenschutzmittel zu beachten. «In Zukunft könnten Drohnen die Felder selbstständig absuchen und nur dort behandeln, wo es nötig ist», erklärte der Pilot seine Vision.

Arro Broye denkt in grossen Dimensionen

Dass Wassermanagement auch grosse gemeinsame Infrastrukturen verlangt, zeigte Emilie Vorlet am Beispiel von Arro Broye. Das interkantonale Bewässerungsprojekt der Kantone Freiburg und Waadt soll Wasser aus dem Neuenburgersee in die Broye-Region bringen. Damit sollen lokale Gewässer entlastet und die landwirtschaftliche Produktion abgesichert werden.

Nach den präsentierten Projektangaben umfasst das Gebiet rund 4600 Hektaren bewässerbare Fläche. Etwa 160 Bewirtschafter sowie private Grundeigentümer und 13 Gemeinden sind beteiligt. Rund 27 Prozent sollen vom Bund, 40 Prozent von den Kantonen Waadt und Freiburg und etwa ein Drittel von Bewirtschaftern, Gemeinden und privaten Eigentümern getragen werden. Die Inbetriebnahme wird für 2031 angestrebt.

Vorlet machte deutlich, dass dahinter jahrelange Überzeugungsarbeit steckt. Die Bewirtschafter für ein Projekt zu gewinnen, dessen Nutzen erst Jahre später sichtbar wird und das erhebliche Investitionen verlangt, sei nicht selbstverständlich. Immer wieder seien Informationsveranstaltungen nötig gewesen. «Aber wenn sie einmal überzeugt sind, engagieren sich die Landwirte und sind bereit, Risiken einzugehen», sagte Vorlet.

Trockenheit wird weniger aussergewöhnlich

Pierluigi Calanca von Agroscope rückte die Erfahrungen in einen grösseren Zusammenhang. Die Niederschläge dürften sich stärker in den Winter verschieben, während im Sommer bei höheren Temperaturen die Verdunstung zunimmt. Am Standort Payerne war die Wasserbilanz des Bodens 2026 bereits im April negativ und verschärfte sich im Sommer massiv. Was heute noch als aussergewöhnliches Trockenjahr wahrgenommen werde, könnte künftig häufiger auftreten.

Auch Futterimporte haben Grenzen, wenn weite Teile Europas gleichzeitig von Trockenheit betroffen sind. Agroscope forscht deshalb unter anderem an effizienter Bewässerung, robusteren Pflanzen und einer besseren Bodenstruktur.

«Wir müssen die Anpassung ermöglichen»

Der Freiburger Staatsrat Didier Castella (FDP) nahm schliesslich die Politik in die Pflicht. Kurzfristige Hilfe nach einem aussergewöhnlichen Trockenjahr sei wichtig. Entscheidend sei aber, dass die Landwirtschaft investieren und sich langfristig anpassen könne. Dazu brauche es Investitionskredite und einfachere, schnellere Bewilligungsverfahren.

Castella berichtete von Gesprächen auf Bundesebene. Die Ernährungssicherung müsse bei der Interessenabwägung entsprechend gewichtet werden. «Wir müssen den Landwirten die Anpassung ermöglichen», lautete seine Botschaft. Forschung, Infrastruktur und landwirtschaftliche Praxis müssten dabei zusammenspielen.

Emilia Vorlet, Landwirtin und Mitglied im Projektbüro Arro Broye, Pierluigi Calanca von Agroscope und Staatsrat Didier Castella stellten sich nach ihren Referaten den Fragen des Publikums. (Bild: Samuel Otti)

Die Tagung zeigte vor allem eines: Die eine Lösung gegen Trockenheit gibt es nicht. Manchmal braucht es einen Millionen teuren Bewässerungsverbund, manchmal eine digital gesteuerte Beregnung. Ebenso wichtig können ein bedeckter Boden, eine tief wurzelnde Futterpflanze, eine Hecke oder eine veränderte Weidestrategie sein.

Wasser in der Landwirtschaft wird damit zunehmend zu einer Frage des Systems. Es geht nicht nur darum, woher das Wasser kommt. Entscheidend wird sein, wie viel davon ein Betrieb zurückhalten kann, wie sparsam er damit umgeht – und wie gut er für den nächsten trockenen Sommer gerüstet ist.

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