Aufgrund der knappen Futtersituation ist es aktuell besonders wichtig, die Fütterungsstrategie gut anzupassen und der Struktur im Futter besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Auf vielen Betrieben fehlt nach wie vor Futter – das könnte manchen Betriebsleiter und manche Betriebsleiterin dazu verleiten, die Fütterungsstrategie dem Futtervorrat statt dem Futter und der Kuh anzupassen.
Weiden gut im Auge behalten
In Betrieben mit Vollweidesystemen oder mit einer stark an der Weide orientierten Ration ist die Gefahr von Blähungen nicht zu unterschätzen. Aktuell wächst das Futter mit grosser Kraft, doch vielerorts eher leguminosenlastig, da diese die Trockenheit besser überstanden haben. Doch Bestände mit einem Kleeanteil von über 30% sind besonders heikel. Kommen die Kühe hungrig auf die Weide und das Weidefutter ist überdies noch nass und jung, sind Probleme vorprogrammiert.
Wichtig ist es, vor dem Weidegang genügend strukturreiches Futter anzubieten. Gutes Heu oder eine schöne TMR-Ration vor dem Weiden können die Gefahr von Blähungen schon um einiges senken.

Schaumgärung durch junges, eiweissreiches Futter
Man unterscheidet zwischen der Schaumgärung, die in erster Linie durch ein Fütterungsproblem entsteht und der Gasgärung, die durch Fremdkörper verursacht wird. Dies können beispielsweise Äpfel oder Kartoffeln sein, die allzu gierig heruntergeschlungen werden.
Bei der Schaumgärung entsteht so viel Schaum, in erster Linie durch junges eiweissreiches Futter, dass die durch die Verdauung im Pansen entstehenden Gase nicht mehr abgerülpst werden können. Dadurch bläht es die Kuh. Dies kann so weit gehen, dass der Brustkorb so stark zusammengedrückt wird, dass sie daran stirbt. Daher ist rasches Handeln enorm wichtig.
Sofort reagieren kann Leben retten
Als erste Sofortmassnahme kann die Kuh mit den Vorderbeinen höher gestellt werden. Das hilft jedoch nur, wenn die Blähung noch nicht sehr ausgeprägt ist. Zudem kann man ihr einen Holzstecken in das Maul binden: Sie beginnt, darauf herumzukauen und bildet dabei Speichel. Der Speichel kann durch die darin enthaltenen Enzyme die Schaumbildung brechen.
Rasch sollte nun beispielsweise Lebertran eingeschüttet werden. Falls kein Lebertran zur Hand ist, kann auch ein gewöhnliches Speiseöl aus dem Haushalt verwendet werden. Am besten wird mit einem Mittel des Tierarztes behandelt. Diese sind effizient und einfach zu dosieren. Falls die Situation hochakut ist und es droht, dass die Kuh zu Boden geht, sollte gleichzeitig mit der Alarmierung des Tierarztes das Trokar hervorgeholt werden. Ein Stich mit dem Trokar muss gut platziert sein.
Auch muss darauf geachtet werden, dass hernach genügend Gas entweichen kann und das Loch nicht von austretendem Futter verstopft wird. In jedem Fall muss der Tierarzt dazu geholt werden, damit die Wunde anschliessend gut versorgt und zugenäht werden kann.
Vorsicht beim Verschlucken
Bei der Gasgärung hat sich die Kuh «verschluckt». Dabei verstopft ein in der Speiseröhre festsitzender Fremdkörper den Schlund, sodass kein Gas mehr entweichen kann. Wenn Kartoffeln oder Äpfel im Tenn verfüttert werden, sollte darauf geachtet werden, dass die Kühe ruhig fressen können, so ist das Risiko bereits viel kleiner. Häufig werden daher Kartoffeln oder Äpfel zerkleinert, damit sie von der Grösse her nicht stecken bleiben können. Hat sich eine Kuh verschluckt, zeigt sie das rasch mit Husten und auffälligem Verhalten. Im Unterschied zur Schaumblähung handelt es sich hier um eine mechanische Blockade, die nicht mit schaumlösenden Mitteln bekämpft werden kann.
Es sollten keine Flüssigkeiten eingeschüttet werden. Man kann probieren, durch Massage den Fremdkörper zu verschieben, oder mit der Kuh zu laufen, damit durch die Bewegung der Fremdkörper in den Pansen wandert. Meist braucht es in dieser Situation den Tierarzt, der mit einer Sonde versucht, den Fremdkörper in den Pansen zu schieben. Man sollte es niemals selber mit Gartenschlauch oder Besenstiel probieren. Die Gefahr, die Speiseröhre stark zu verletzen, ist sehr hoch.

