Kurz & bündig
- Sepp und Martina Lehner war beim Bau ihres Milchviehstalls wichtig, dass er einfach, effizient und möglichst kostengünstig ist. Der Stall wurde hell, luftig und mit viel Licht gebaut. - Der Milchviehstall wurde so geplant und gebaut, dass er später bei Bedarf umgenutzt werden kann. - Heute wird der Stall für Aufzuchtrinder genutzt.
«Als wir im Jahr 2000 unseren Milchviehstall gebaut haben, war es uns wichtig, einen Stall zu bauen, der einfach, effizient und möglichst kostengünstig ist», erzählt Sepp Lehner, Landwirt aus Untereggen SG. Sepp Lehner und seine Frau Martina Lehner haben in einem jungen Alter den Betrieb von Sepp Lehners Eltern übernommen, weswegen das wichtige Punkte bei der Planung und beim Bau waren.

Sie haben sich damals für das Kaltstallprinzip entschieden. «Uns war wichtig, dass der Stall hell, luftig und mit viel Licht gebaut wird. Und so, dass man auf einen Blick vom Tenn aus alle Tiere sieht und man mit den Sonntagsschuhen in den Stall gehen kann. Das Dach wurde gegen Süden ausgerichtet, damit die Sonne schön in den Stall scheint», sagt Lehner.
Um eine hohe Arbeitseffizienz zu ermöglichen, wurde ein Laufhof integriert, welcher bis heute konform ist. Die Arbeitseffizienz war ein wichtiger Punkt, da Sepp Lehner bereits zu diesem Zeitpunkt auswärts arbeitete.
Der Stall, welcher Platz für rund 40 Milchkühe bot, wurde mehrheitlich in Eigenleistung geplant und gebaut. Durch seine Berufserfahrung im Baubereich konnte Sepp Lehner sein Wissen direkt in den Bau miteinfliessen lassen. Ein Kuhplatz hat damals 8500 Franken gekostet (Gülleraum inklusive).
«Der Stall wurde von Anfang so geplant, dass er später bei Bedarf umgenutzt werden kann», so Lehner. Der wichtigste Punkt war, dass die RAUS-Bedingungen auch in anderen Haltungssystemen (Rindermast, Aufzuchtrinder oder Mutterkuhhaltung) erfüllt werden konnten.

Die Leidenschaft zum Braunvieh ist geblieben
Bereits im Jahr 2016 haben Lehners mit dem Gedanken gespielt, die Milchproduktion aufzugeben und den Stall umzunutzen. Dies, da die Arbeit durch das Melken langsam zu viel wurde und Sepp Lehner damals schon 50 Prozent auswärts arbeitete. «Ich fühlte mich wie in einem Hamsterrad», erinnert sich Sepp Lehner zurück.
«Ein Landwirt, welcher damals zu mir gekommen ist, um Milchkühe von mir zu kaufen, hat mir dann gesagt, dass man mir anmerke, dass ich noch nicht bereit sei, das Melken aufzugeben», erzählt Lehner. Sepp und Martina Lehner haben dann beschlossen, die Milchproduktion doch noch weiterzuführen.
Sepp Lehner wurde von zwei Verbandskollegen des Braunviehzuchtverbands auf die Rinderaufzucht aufmerksam gemacht. Sie äusserten das Interesse, dass sie ihre Rinder in der Region aufziehen lassen möchten. «Für mich war die Rasse eine wichtige Voraussetzung. Es musste weiterhin Braunvieh sein», betont Lehner.
Die definitive Umstellung des Stalls auf Aufzuchtrinder erfolgte schliesslich im Herbst 2018.

Der Stall bietet Platz für 60 Aufzuchtrinder
Der Stall ist heute in vier Gruppen unterteilt und bietet Platz für 60 Aufzuchtrinder. Im vordersten Abteil befinden sich die jüngsten Tiere und im letzten die hochträchtigen Tiere. Die Gruppengrössen können in den verschiedenen Abteilen variiert werden. Im Stall würde zudem auch die Möglichkeit bestehen, Kühe auszumästen.

Dort, wo vorher der Melkstand war, wurden Boxen für die Kälber eingebaut. Alle bestehenden Liegeboxen konnten weiterverwendet werden. Es mussten lediglich die Abstände angepasst werden. «Eine Umstellung auf Mutterkühe wäre zum Beispiel aufwendiger gewesen, da die Schlitze des Spaltenbodens zu breit gewesen wären», erwähnt Sepp Lehner.
Auch die bestehenden Tränken konnten wiederverwendet werden. Die Tränken sind aneinandergeschlossen und somit frostsicher. Kratzbürsten wurden neue montiert.
Im Jahr 2020 haben sich Sepp und Martina Lehner für den Kauf einer Einstreuanlage entschieden, wodurch eine zusätzliche Arbeitserleichterung im bestehenden Stall integriert werden konnte. Die Einstreuanlage wurde parallel mit der Umstellung von Pferdemist auf Strohpellets eingebaut.
Im Jahr 2024 wurde der Boden aufgeraut, wodurch dieser weniger rutschig ist und den Tieren einen besseren Halt ermöglicht.
Durch die Umnutzung sei die Arbeit nicht weniger geworden, die zeitliche Abhängigkeit sei aber viel geringer. Besonders für Sepp Lehner bedeutete die Umnutzung eine grosse Erleichterung, auch wenn er manchmal die Tagesstruktur durch die Stallarbeit vermissen würde.

Die Tierhaltung ist Martina Lehners Reich
Da Sepp Lehner seit der Umstellung zu einem grossen Teil auswärts arbeitet (80 bis 90 Prozent), ist Martina Lehner hauptsächlich für die Tiere verantwortlich, so auch für das Management der Aufzuchtrinder. Sepp Lehner ist auf dem Betrieb vor allem für die Maschinenarbeiten zuständig und macht das Futter bereit. Wie bereits im damaligen Milchviehstall wird das Futter einmal pro Woche vorbereitet – ein weiterer Pluspunkt hinsichtlich der Arbeitseffizienz. Da Sepp Lehner in der Region arbeitet, ist er zudem schnell erreichbar, falls Martina Lehner unerwartet Hilfe braucht.
Die beiden Betriebe, welche ihre Tiere zur Aufzucht auf den Betrieb von Lehners bringen, sind von Anfang an dabei, was ein grosser Vorteil ist. «Die Kommunikation zwischen uns und den Zuchtbetrieben funktioniert sehr gut», bestätigt Martina Lehner.
Die Transporte zum und vom Betrieb weg erfolgen durch die Besitzer selbst. Die Kälber kommen in einem Alter von vier bis fünf Monaten abgetränkt auf den Betrieb von Sepp und Martina Lehner. Sobald ein Rind brünstig wird, kontaktiert Martina Lehner den Besitzer. Der Besamungstechniker besamt das Rind anschliessend mit dem gewünschten Stier.
Das Abkalbealter beträgt 24 bis 26 Monate. Rund zwei Wochen vor dem Abkalben gehen die Rinder zurück auf den Geburtsbetrieb. «Bei den hochträchtigen Rindern ist die Tierbeobachtung besonders wichtig», sagt Martina Lehner. Neben der täglichen Arbeit im Stall laufe sie auch im Verlaufe des Tages gerne kurz durch den Stall, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Bis jetzt sei es noch nie vorgekommen, dass ein Rind auf dem Betrieb von Lehners abgekalbt habe. Was die Krankheiten angeht, so gebe es die üblichen Probleme mit Lungenentzündungen und Durchfall, welche sich aber in einem guten Rahmen halten. «In dieser Hinsicht ist es sicher auch ein Vorteil, dass die Tiere nur von zwei verschiedenen Betrieben stammen», ergänzt Martina Lehner.

Im Sommer wird ein Grossteil der Tiere zudem auf zwei Alpen gesömmert. Die jüngsten sowie die hochtragenden Tiere bleiben auf dem Betrieb. Besonders die Futterverfügbarkeit sei ein Grund, weshalb ein Teil der Tiere auf die Alp geht.
Zufrieden mit der heutigen Situation
Grössere Veränderungen am Stall oder beim Management seien aktuell nicht geplant.
«Wir wissen genau, woher die Tiere kommen. Ausserdem haben wir viel selber in der Hand und können zu einem grossen Teil steuern, wie es mit den Aufzuchtrindern läuft», fassen Sepp und Martina Lehner zusammen.
Betriebsspiegel der Familie Lehner
Sepp und Martina Lehner, Untereggen SG LN: 14 ha Kulturen: Grünland, 200 Hochstammobstbäume Tierbestand: 60 Aufzuchtrinder, 170 Mastschweine Weitere Betriebszweige: Photovoltaik und Mostobst Arbeitskräfte: Sepp und Martina Lehner

