Ich wollte eigentlich noch so einiges schreiben.
Ich wollte über die Absurdität schreiben, dass es sich für mich manchmal gut anfühlt, wenn ich Dinge (Arbeiten, Produkte) an meine Kunden weiterverrechne und ich dabei ausblende, dass ich selber ja auch grosse Kosten und Aufwände hatte und manchmal nur Durchlauferhitzer bin. Ein besonders beliebter Satz unter uns Bauern ist: «Ich habe meine Maschine ja sowieso, also kann ich sie auch günstig anbieten.» Wie die Maschine finanziert wurde und wie dereinst ein Ersatz angeschafft werden soll, bleibt im Dunkeln …
Ich wollte über den Unterschied zwischen Dingen schreiben, die ich wirklich für den Betrieb brauche (Folie für das Fahrsilo), und solchen, von denen ich bloss denke, dass ich sie vielleicht brauche (elektrisch beheizbare Socken). Und wieso es manchmal auch gut ist, etwas anzuschaffen, was man nicht unbedingt braucht.
Ich wollte ein Gedankenexperiment verschriftlichen: Was wäre, wenn ich den Betrieb reduzieren würde? Weniger Betriebszweige, weniger Arbeiten selber machen, weniger Flächen, weniger Personal? Hätte ich dann «mehr» oder «weniger»? Und welche Rolle spielt mein Umfeld bei dieser Frage?
Ich wollte noch den Verteidigungsmechanismus, den ich in Bezug auf meine eigene Strategie auf dem Betrieb allmählich entwickelt habe, eingestehen. Und dass es ein wirksames Gegenmittel gibt: die Meinung anderer anhören.
Ich wollte laut überlegen, weshalb wir sofort wissen, wenn jemand seinen Traktor neu bereift hat, wir aber oft keine Ahnung haben, wie es dem Piloten eigentlich so geht.
Ich wollte noch über drei Aussagen sinnieren, die mir gesagt wurden:
«Du bist gar kein richtiger Bauer.»
«Sei dir bewusst: Du verdienst das Geld überall deutlich einfacher als in der landwirtschaftlichen Produktion.»
«Ein Hof ist wie ein kleines Königreich, und jede Familie versucht, einen König oder eine Königin zu finden, der oder die das Reich in eine goldige Zukunft führt. Alles dreht sich um das Königreich.»
Gerne hätte ich auch noch über Tech-Milliardäre und demokratiefeindliche Despoten geflucht. All diese Texte werde ich aber nicht mehr schreiben, sondern nach diesem hier nur noch einen: meine letzte Kolumne. Ich habe bereits eine vage Ahnung, worüber.

Hagenbuchs Randnotizen
Sebastian Hagenbuch ist Landwirt und Agronom. Er führt einen Betrieb mit zwei Standorten in Rottenschwil und Unterlunkhofen im Kanton Aargau. Hagenbuch erzählt in seiner Kolumne von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem, wechselt ab zwischen Innen- und Aussensicht, immer mit kritischem Blick und einem Augenzwinkern.

