Kurz & bündig
- Auf vielen Alpen sind Investitionen in die Wasserversorgung nötig, um die Bewirtschaftung zu erhalten. - Das Wissen um Quellen und die bestehende Infrastruktur muss unbedingt dokumentiert werden. - LandwirtInnen sind mittlerweile sensibilisiert, Forschung und Beratung arbeiten an Unterstützungsangeboten.
Corina Blöchlinger geht seit 2012 mit ihrer Familie jeden Sommer z Alp. Die Agronomin arbeitet am Schluechthof im Kanton Zug als Lehrerin und Beraterin. Sie freut sich schon im März darauf, dass bald der dritte Sommer auf der Alp Valpun in Pany GR beginnt. 2025 waren die Weiden sehr früh bereit: Bereits am 7. Juni begann der Alpsommer. «Das war rund zehn Tage früher als sonst», sagt sie. Grund dafür war, dass die Vegetation weit war, weil es wenig Schnee hatte.
Unter Wassermangel litt die Alp dennoch nicht: Der Juni war trocken, der Juli nass und das führte dazu, dass auch im trockenen August auf den abgelegeneren Weiden genug Wasser vorhanden war.
«Auf Valpun sammeln wir mehrere Quellen in einem Reservoir», sagt Blöchlinger. Dieses sei so sauber, dass es keinen Filter benötige. Die Alp Valpun verfügt über genügend Wasser, jedoch ist die Speicherkapazität begrenzt. Die Reservoire sind alt und klein. Letztes Jahr sei bei der Quelle, die eigentlich am meisten Wasser liefere, plötzlich die Wasserqualität gesunken. Grund dafür waren Murmeltiere, die sich oberhalb der Quellfassung eingenistet hatten. In Absprache mit dem Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Graubünden musste das Alpteam auf andere Quellen ausweichen und teilweise das Wasser für die Käserei abkochen: Dieses muss Trinkwasserqualität haben.

Alpspiegel Valpun
Alpgenossenschaft Luzein/Pany Fläche: 200 ha, 1880 m ü. M. Tierbestand: 110 Milchkühe, 20 Galtkühe, 40 Schweine Produktion 2025: 7,5 t Käse, 750'000 l Milch Alpteam: Senn mit Familie, ein Zusenn, zwei Hirten
«Abkochen ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt. Wir sind zum Glück mit einem Ofen gut eingerichtet und haben die Kapazität, um Wasser abzukochen und abkühlen zu lassen», sagt sie. Käsen brauche viel Wasser. Wäre es ein trockener Sommer geworden, hätte es wohl eine Wasserknappheit gegeben.
Fehlt Wasser auf der Alp, sinkt die Milchleistung
Im Stall hat auf Valpun jede Kuh eine eigene Tränke: «Es ist nicht selbstverständlich, dass diese Tränken dicht, sauber und funktionsfähig sind», sagt Blöchlinger. «Im Stall saufen die Tiere viel.» Um die Wasserversorgung auf den Weiden zu verbessern, sind Betonbrunnen mit Schwimmern geplant.
Fehlt Wasser, sinkt die Milchleistung. Etwa, wenn die Kühe zu weiter entfernten Weiden mit schlechter Wasserversorgung laufen müssen und danach durstig sind. «Deshalb nutzen wir diese Weiden nach Möglichkeit gegen Ende des Alpsommers, wenn sie sowieso weniger Milch geben», so Blöchlinger.
Ein grosses Problem sei auch bei einer an sich guten Wasserversorgung, zu wissen, wo die Wasserleitungen überhaupt sind und welcher Hahn zu welcher Leitung führt: «Dieses Wissen haben in der Tendenz die Älteren», so Blöchlinger. Letztes Jahr wurden auf Valpun nebst der Weideeinteilung auch die Wasserversorgung auf Plänen eingezeichnet. Nun sei es wichtig, dass die Pläne aktuell bleiben und die Minutenliter bei den Quellfassungen regelmässig zur gleichen Jahreszeit gemessen und notiert werden.
Wo hat es eine Quelle und wie viel Wasser gibt sie?
Dem stimmt Selina Droz, Geschäftsführerin des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Vereins (SAV), zu: «Der erste Schritt, um die Wassersituation einschätzen zu können, ist aufzuzeichnen und zu messen.» Das bedeute, sich bewusst zu werden, welche Wasserquellen vorhanden seien und wie viel Wasser diese hergäben. Der SAV leitet die Arbeitsgruppe «Wassermanagement im Sömmerungsgebiet», die 2026 gezielt diesen Aspekt ansprechen will. Droz sieht auf vielen Alpen Nachholbedarf bei den Infrastrukturen für die Wasserversorgung. «In der Vergangenheit stand vielen Regionen stets genug Wasser zur Verfügung.» Deshalb wurde teilweise der Unterhalt vernachlässigt oder es wurde nicht in zusätzliche Speicher investiert. Generell sieht Droz einen Nachholbedarf bei der Strukturverbesserung. «Es wurde zu wenig investiert, um die Produktion auf den Alpen zu erhalten oder anzupassen.» Das sei nun auch vom Bund erkannt worden.
Markus Gabathuler weiss, wovon Selina Droz spricht: Er betreut die Alp Schanerberg in Wartau SG seit 2008 als Alpmeister. 2025 konnte er mit einem ehemaligen Lehrling als Partner die Alp pachten.

Alpspiegel Schaneralp
Alpkorporation Oberschan Fläche: Schaneralp (Mutterkühe und Rinder):400 ha, 1450 m ü. M. bis auf 2100 m ü. M.; Schanerberg (Kühe): 60 ha, 950 m ü. M. bis auf 1450 m ü. M. Tierbestand: Schaneralp: 222 Stösse; Schanerberg: 80 Stösse, davon 56 Milchkühe, welche 2025 ca. 56'000 Liter Milch gaben, die zu 5300 kg Käse und 300 kg Butter verarbeitet wurden. Zudem 40 Alpschweine. Auf- und Abtrieb: Schaneralp: Anfang Juni bis Mitte September; Schanerberg: ca. 20. Mai bis Ende August Arbeitskräfte: Schaneralp: 200 Stellenprozent; Schanerberg: 300 Stellenprozent (SennIn, ZusennIn, HirtIn)
Wasser war seit Jahren ein Thema, besonders nach den Hitzesommern. Die Alpkorporation packte die Wasserversorgung der Kuhalp und der höher gelegenen Rinder- und Mutterkuhalp an. «Die Leitungen waren alt, die Hygienevorgaben für die Käserei gefährdet und die Leitungen für die Weidebrunnen hatten Lecks», berichtet Gabathuler.
2011 begannen die Arbeiten: Für die Kuhalp gab es einen neuen Wasserschacht, eine neue Quellfassung, Zuleitungen und eine Entkeimungsanlage. Rund 250 000 Franken kostet diese Tranche, zu der auch sechs neue Brunnen die sechs bestehenden ergänzten und die 100-jährigen Quellfassungen ersetzt wurden. Zudem wurden rund 4 km Leitungen vergraben. Das bestehende 40-Kubikmeter-Reservoir wurde versetzt und mit einem 16-Kubikmeter-Reservoir ergänzt. Dieses läuft über die Filteranlage und stellt sicher, dass immer genug sauberes Wasser für die Käserei vorhanden ist.
Der grosse Brocken sei die höher gelegene Rinder- und Mutterkuhalp gewesen, sagt Gabathuler: Es brauchte 2 neue Reservoire, 8,5 km Leitungen, 15 Brunnen gab es zu sanieren und 6 neue zu bauen, dazu kamen die Quellfassungen mit Trockeneinstieg. Kostenpunkt: rund eine halbe Million Franken. Zudem liess die Korporation auf 1950 m ü. M. einen neuen Brunnenplatz errichten, der aus dem Alviersee gespeist wurde. Weiter unten wurde eine neue Quellfassung gebaut. Dieses Projekt brachte weitere Kosten von 135'000 Franken mit sich.
Bei der Finanzierung unterstützten Bund und Kanton sowie die Ortsgemeinde. Der frühe Beginn hat sich gelohnt: Als die Wasserthemen noch nicht so präsent waren, unterstützten Bund und Kanton die Finanzierung noch mit bis zu 80 Prozent, mittlerweile sind es noch 50 Prozent. Die Korporation musste insgesamt rund 380'000 Franken selber aufbringen.
Für die Käserei muss die Wasserqualität stimmen
Markus Gabathuler ist froh, ist er nun in Sachen Wasser auf dem Schanerberg auf der sicheren Seite: «Wenn wir früher von der Alp runtermüssen, ist es wegen des Futters, nicht wegen des Wassers.» Beim Käsen könne er sich nun darauf verlassen, dass die Wasserqualität stimmt. Dank der Wasserversorgung auf den Weiden ist er flexibler und kann davon ausgehen, dass auch schwächere Tiere zu genügend Wasser am Brunnen kommen.
Selina Droz vom SAV sagt, dass SAV, Kantone und Beratung in den letzten Jahren viel in die Sensibilisierung bezüglich drohender Wasserknappheit investiert hätten. Es habe sich viel getan, sie sieht aber auch den Interessenkonflikt: Der Bewirtschafter bemerkt den Wassermangel und ist eingeschränkt, das Geld muss aber der Besitzer ausgeben. «Deshalb ist es wichtig, den Besitzern aufzeigen zu können, dass ohne Investitionen in vielen Fällen mittelfristig keine nachhaltige Bewirtschaftung mehr möglich sein wird.»
Unterstützung beim Wassermanagement aus der Forschung
Michael Feller arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die HAFL und fürs Inforama. An der HAFL ist er mitverantwortlich für das Forschungsprojekt «Wassermanagement im Sömmerungsgebiet». Dieses läuft noch bis Ende Oktober 2026. Ziel davon: ein Excel-Programm, das der Beratung und versierten BetriebsleiterInnen beim Wassermanagement hilft. Eingegeben wird etwa die Schüttmenge der Quelle, berechnet wird basierend auf den Angaben zu Tieren, Milchlagerung und -verarbeitung sowie zum Tourismus, ob das Wasser reicht. «Das wissen ja die meisten», sagt Feller. Interessant werde es, weil sich Klimaszenarien oder Veränderungen der Alpnutzung einrechnen liessen. «Dann kann das Tool die Planung des Wassermanagements unterstützen und als Basis für Anpassungen dienen.»
Im Sommer 2026 testen Plantahof und Inforama die Benutzerfreundlichkeit des Excel-Programms, ab Winter 2026 soll es auf dem «Wissensportal Alpwirtschaft» von Agridea und SAV zur Verfügung stehen. «Die Sensibilität fürs Thema Wasser ist hoch, die Bauern sind sich sehr bewusst, dass es Anpassungen braucht», sagt Feller. Er beobachtet, dass viele Landwirte sehr unaufgeregt Anpassungsstrategien umsetzen. Dazu gehört, dass bei einer gut erschlossenen Alp das Wasser hochgefahren wird. Für einzelne Tage kann das durchaus eine mittelfristige Lösung sein. Langfristig sind Investitionen aber meist unumgänglich.
Sorgsamer Umgang mit Wasser betrifft auch den Tourismus
Sensibilisierung für den sorgsamen Umgang mit Wasser tut manchmal auch im eher Kleinen not, erlebt Corina Blöchlinger: «Erfahrenen Älplern ist klar, dass Wasser kostbar ist. Neulingen müssen wir manchmal sagen, dass jeden Tag duschen nicht immer drinliegt», erzählt sie. Und bei Alpen, die bei Wanderern beliebt sind, muss sie an Hitzetagen darauf hinweisen, dass die Tränkebrunnen wirklich nicht dazu da sind, dass sich Hunde darin abkühlen …
Forschung, Unterstützung, Merkblätter
Nicht erst seit dem «UNO-Jahr der Weiden und Hirten» gibt es in der Schweiz eine Fülle an (Forschungs-)Projekten rund um Wasser und Alpwirtschaft. Marc Gilgen von der Agridea in Lausanne VD sagt, dass eine Lösung stets an die Situation und den Kontext der Alp angepasst sein müsse. Eine Standardlösung für die Wasserversorgung auf Alpen gebe es nicht. Agridea zum Beispiel arbeitet mit der HAFL im «Forum nachhaltiges Wassermanagement in der Landwirtschaft» zusammen. Auch mit dem Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) gibt es eine Zusammenarbeit. Weiter gibt es die ARGE Alp, die grenzüberschreitend arbeitet. Beteiligt sind aus der Schweiz die Kantone Graubünden, St. Gallen und Tessin. An der Versuchsstation Alp- und Berglandwirtschaft von Agroscope sind fünf Kantone (BE, GR, TI, UR, VS) sowie die Branche und die Beratung beteiligt. Das Inforama des Kantons Bern hat mit der HAFL eine Forschungszusammenarbeit. Wer Unterstützung rund ums Thema «Wasserversorgung auf der Alp» braucht, wendet sich an die Alpberatung der Kantone oder die kantonalen Strukturverbesserungsämter. Informationen gibt es zum Beispiel auch auf dem Agridea-Wissensportal.

