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Nach dem Hitzestress: Soll der Körnermais siliert werden?

Wird der Körnermais noch reif? Ob der Mais besser siliert werden sollte, entscheidet sich von Parzelle zu Parzelle.

Wie weit kann sich der Kolben noch ausbilden, wenn die Pflanzen in der entscheidenden Phase zu wenig Wasser hatten? Wie entwickelt sich die Pflanze noch nach dem Hitze- und Trockenheitsstress? Für die Produzenten und Produzentinnen, die Körnermais anbauen, stellt sich die Frage, ob und wann gedrescht werden soll.

Prognosen aufzustellen ist ein Wagnis

Beat Kramer, langjähriger Berater bei der Agro Corner AG in Müntschemier BE, erklärt, dass es aktuell schwierig sei, zu beurteilen, wie die Pflanzen sich erholen könnten. Die Lage sei so ausserordentlich, dass nicht auf Erfahrungswerte von früheren Jahren zurückgegriffen werden könne. Momentan könnten nur Hypothesen aufgestellt werden, wie sich die Pflanzen entwickeln, welche Schwierigkeiten daraus entstehen können oder welches Potenzial sich jetzt auf der letzten Meile noch entwickeln könnte.

Da die Niederschläge über einen so langen Zeitraum ausblieben und sich dazu eine noch nie dagewesene Hitzewelle über das Land legte, sei es sehr unsicher, verlässliche Prognosen zu geben. Dazu kommen Saatzeitpunkt und Bodenart, die sehr unterschiedlich seien. Gerade früh gesäte Bestände, die gut durchwurzelt sind, sind weit besser entwickelt.

Viele Kolben sind schlecht entwickelt

Die FO-Zahl, welche die Tage von der Aussaat bis zur Ernte bezeichnet, ist dieses Jahr nicht massgeblich; die massive Trockenheit hat dazu geführt, dass viele Pflanzen in ihrem Wasserfluss so eingeschränkt waren, dass der Reifeprozess frühzeitig in eine Notreife übergegangen ist. Sowohl Entwicklung als auch Ernährung der Pflanzen waren stark eingeschränkt.

Die Kolben sind vielerorts sehr schlecht entwickelt, zum Teil sind nur sehr wenige Körner ausgebildet. «Dass der Kolben unseren langjährigen Erwartungen entspricht, habe ich heuer noch nirgends gesehen», führt Kramer aus. «Die Entwicklung der Anzahl Ringe war von der Basis bis zum Spitz schon mehrheitlich leer. Auch beim Kolbenansatz sind vielerorts nur wenige und zum Teil schlecht ausgebildete Körner». Auch Hanspeter Hug, Futter- und Ackerbauberater am Zürcher Strickhof, beobachtet, dass viele Kolben gummig sind. «Die Pflanze verhält sich, als ob ein Frost darübergegangen wäre: Es gibt keine schöne physiologische Abreifung, sondern eine Notreife.»

Stängel sind nicht standfest

Die Schwierigkeit ist es, zu entscheiden, wann und wofür geerntet werden soll. Jede Parzelle muss für sich beurteilt werden, teilweise sind auch innerhalb einer Parzelle grosse Unterschiede in der Entwicklung.

Hanspeter Hug erklärt, dass er gegenwärtig häufig beobachtet, dass dem Mais weitgehend die Standfestigkeit fehlt. Durch den Wassermangel fehlt das Lignin, das für die Standfestigkeit zuständig wäre. Die Stängel sind allgemein weniger dick, so braucht es nicht mehr viel, dass die Maisstängel am Boden liegen, was sowohl beim Silieren als auch beim Dreschen zum Problem wird.

Aufgrund der Futterknappheit keine Fehler machen

Hug empfiehlt, nur bei sehr gleichmässigem, insgesamt gut entwickeltem Mais mit der Ernte zu warten, bis die Körner abgereift sind. Die meisten Parzellen dürften allerdings zumindest nicht gleichmässig entwickelt sein. Falls möglich, würde er jetzt den Mais, der noch nicht dürr ist, silieren, auch wenn er ursprünglich als Körnermais vorgesehen war.

Hingegen mache es keinen Sinn, dürre Pflanzen noch zu silieren. Er kann sich auch vorstellen, dass innerhalb einer Parzelle zum einen siliert wird, und dort, wo die Pflanzen bereits weitgehend dürr sind, Körnermais gedrescht wird. Er betont, dass gerade jetzt, wenn das Futter knapp ist, möglichst keine Fehler gemacht werden sollten.

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