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Bei richtiger Einstellung braucht es kein Schwadtuch

Linus Müller ist Futterbauberater an der Liebegg. Er meint, dass man nicht den letzten Grashalm aufkratzen sollte, wenn beste Futterqualität im Vordergund steht.

Wie gross ist der Einfluss des Schwadens auf die spätere Futterqualität im Vergleich zum Mähen, Kreiseln oder Einführen? 

Linus Müller: Der direkte Einfluss auf die Futterqualität ist beim Schwaden wohl am kleinsten von allen Arbeitsgängen. Trotzdem ist der letzte Schritt genauso wichtig, um eine gute Vorarbeit zu Ende zu bringen. Es ist schade, wenn beim letzten Schritt noch Abstriche gemacht werden, weil Zeitpunkt oder Arbeitsweise nicht ideal sind.

Welche Fehler beim Schwaden führen am häufigsten zu verschmutztem Futter und einem erhöhten Rohaschegehalt? 

Das sind klar zu tief laufende Zinken. Durch eine angemessene Schnitthöhe liegt das Gras auf genug hohen Stoppeln, um einen genügenden Abstand einzustellen. Der Richtwert liegt bei 2 Zentimeter ab Boden. Weitere Gründe sind Mäusehaufen oder generell unebenes, kupiertes Gelände. Bei hohen Arbeitsbreiten und Fahrgeschwindigkeiten werden diese Faktoren wichtiger. Zudem sollte der Reifendruck am Schwader nicht zu hoch eingestellt werden, damit die Bodenanpassung besser ist. Ich empfehle 1,2–1,5 bar Reifendruck.

Was ist entscheidender für sauberes Futter, eine moderne Maschine oder die richtige Einstellung und der Fahrer? 

Natürlich muss der Schwadertyp an die Betriebssituation angepasst sein. Das ist bei einem Bergbetrieb mit Steillagen ein anderer als auf Talbetrieben. Jede Bauweise hat aber Stärken und Schwächen, deshalb sind meiner Meinung nach die korrekte Einstellung und eine schonende Fahrweise jeweils entscheidendere Faktoren für höchste Futterqualität.

Welche Maschineneinstellungen sind für eine saubere Aufnahme des Futters besonders wichtig?

Wie erwähnt die Zinkenhöhe. Auf einem Betonboden sollte man die Grundeinstellung auf etwa 3 Zentimeter einstellen, das passt dann im Feld. Alle Zinken sollten intakt und einen ähnlichen Verschleissgrad haben. Ein neuer Zinken muss allenfalls auf die Länge der alten Zinken abgestimmt werden. Zudem muss die Neigung gemäss Bedienungsanleitung eingestellt werden, sodass der Kreisel auf der Schwadseite etwa 1 Zentimeter tiefer liegt.

Wie sieht die ideale Drehzahl beim Kreiselschwader aus?

Die Kreiseldrehzahl sollte etwa bei 380‒430 U/min liegen. Bei geringer Erntemasse sollte man die Drehzahl reduzieren und eher schneller fahren. So füllt sich der Rechen schnell mit Gras und es rutscht weniger Gras zwischen den Zinken durch.

Wie schnell sollte man fahren beim Schwaden?

Die ideale Fahrgeschwindigkeit kann nicht pauschal beantwortet werden. Diese muss man je nach Gelände, Schwadertyp und Futtermenge mit Gefühl herausfinden.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Unterschiede zwischen Kreisel-, Pick-up-, Kammschwader und Bandrechen, wenn es um Futterqualität, Verschmutzung und Bröckelverluste geht? 

Der weitverbreitete Kreiselschwader ist wohl am anfälligsten für Verschmutzung und Bröckelverlust. Er ist wohl der Preis-Leistungs-Sieger mit hoher Schlagkraft. Da das Futter überfahren und dann über den Boden gezogen wird, sind hier aber eine korrekte Einstellung und Arbeitsweise besonders wichtig, um Futter von hoher Qualität zu ernten. Ähnlich ist der Bandrechen einzustufen, der aber den Vorteil hat, dass das Futter nicht überfahren werden muss.
Das schonendste Verfahren ist mit den Pick-up-Bandschwadern möglich. Allerdings ist diese Technologie eher teuer in der Anschaffung und im Unterhalt, schwerer und hat deshalb oft geringere Arbeitsbreiten. Eine attraktive Zwischenlösung bietet da der Kammschwader. 

Die Schwader-Auswahl ist gross. Was muss man beachten, wenn eine Neuinvestition gemacht wird?

Wenn eine Neuanschaffung ansteht, kann man die Bautypen vergleichen und genau prüfen. Allerdings würde ich das System nur dann ändern, wenn es auf den Betrieb passt.

Gerade bei empfindlichen Beständen wie Luzerne oder Klee können Bröckelverluste teuer werden. Worauf muss beim Schwaden besonders geachtet werden? 

Man sollte die höhere Luftfeuchtigkeit am Vormittag oder spätabends abwarten und lieber einmal schonend am Schwad wenden, als zusätzlich zu zetten. Dabei eignen sich kleinere, lockere Schwaden. Die Drehzahl muss man so tief wie möglich halten, sicher unter 400 U/min.

Woran erkennt ein Landwirt auf dem Feld, dass ein Schwad gut gelungen ist (unabhängig vom eingesetzten System)? 

Der Schwad soll gleichmässig, locker luftig und nicht verdreht sein. Wenn alle Einstellungen richtig sind, sollte für einen sauberen Schwad kein Schwadtuch nötig sein. Die Drehzahl ist hier sicher der wichtigste Faktor. Ich denke, dass viele Landwirte beim Zetten eher auf die Drehzahl achten wegen der Bröckelverluste, und beim Schwaden denkt man eher an eine sauber zusammengerechte Wiese. Das führt eher zu zu hohen Drehzahlen.

Was sind die wichtigsten Empfehlungen, um die Futterqualität beim Schwaden zu verbessern?

Nicht um jeden Preis den letzten Grashalm auf den Schwad zu bringen. Die Zinkenhöhe kontrollieren und bei Bedarf einstellen. Zudem lohnt es sich für ein sauberes Bild nicht, zu hohe Drehzahlen einzustellen. Weiter empfiehlt es sich, bei günstiger Witterung früher zu schwaden und das Futter am Schwad nachzutrocknen.

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