ABO

So führt Monika Kempf den einzigen Bio-Gemüsebetrieb im Kanton Uri

Statt ihre Grassilage an Rinder zu verfüttern, nutzt die Landwirtin sie als Mulch und schafft damit gute Bedingungen für Bodenleben und Gemüse.

60 Grassilage-Rundballen auf 75 Aren Gemüsefläche verteilt: Was auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt, ist für Monika Kempf ein wichtiger Bestandteil ihrer Bodenstrategie. Auf ihrem Biohof Eyelen in Attinghausen UR setzt die Landwirtin seit drei Jahren auf Silo-Mulch. Damit will sie nicht nur Unkraut unterdrücken und die Bodenfeuchtigkeit erhalten, sondern vor allem das Bodenleben fördern.

«Statt Rinder füttern wir nun die Bodenlebewesen mit unserer Silage», erklärt Monika Kempf. Früher verfütterte sie das Gras ihrer Wiesen an die Mutterkühe, heute kommt ein Teil davon direkt auf den Gemüsefeldern zum Einsatz. Seit 2023 hält Monika Kempf keine Rinder mehr, da sie dadurch zeitlich flexibler ist und sich ganz auf den Gemüsebau konzentrieren kann.

Den Aufwand fürs Jäten reduziert

Das Konzept beginnt auf den Wiesen. Den ersten Schnitt ihres Futterbaus verkauft Monika Kempf direkt ab Feld an einen Nachbarn, den Rest lässt sie silieren und zu Rundballen pressen. Rund 60 davon verteilte sie im Frühjahr auf rund 75 Aren Gemüsefläche. Dazu wird die Silage vorgängig gehäckselt und anschliessend mit einem umgebauten Mistzetter rund 15 Zentimeter dick auf den Beeten verteilt.

Die Wirkung zeigt sich beim Gang durch die Kulturen. Unter der Mulchschicht ist die Erde trotz der Trockenheit noch relativ feucht, was Regenwürmer und anderes Bodenleben natürlich schätzen. Gleichzeitig unterdrückt die dicke Silageschicht das Unkraut. «Dieses Jahr konnten wir den Aufwand für das Jäten dadurch deutlich reduzieren», sagt die Bio-Landwirtin zufrieden.

Auch bei den Kulturen beobachtet sie erste positive Effekte. «Trotz einer deutlichen Flächenreduktion haben wir heuer viel mehr Zucchetti. Und auch die Pflanzengesundheit überzeugt. Auf eine Mehltau-Behandlung konnten wir seit der Umstellung verzichten.» Noch sei es allerdings zu früh, um daraus allgemeingültige Schlüsse zu ziehen.

Dank der schützenden Mulchschicht aus Silage ist die Erde trotz der Trockenheit immer noch relativ feucht.(Bild: reb)

Der Pflug wurde verkauft

Wichtig für den Erfolg und einen geringeren Jätaufwand ist die Saatbeet-Vorbereitung. Ihren Pflug hat Monika Kempf bereits vor drei Jahren verkauft. Wenn möglich, fräst sie die 1,3 Meter breiten Beete je nach Witterung und Vorkultur bereits zeitig im Frühjahr zwei- bis dreimal. Erst danach wird die Silage ausgebracht.

Mit dem Pflanzen muss anschliessend mindestens eine Woche gewartet werden. Die Silage kann sonst durch ihre aggressive Wirkung die jungen Setzlinge schädigen. Bei gesäten Kulturen und in den Gewächshäusern kommt das Verfahren bisher nicht zum Einsatz. Dort sei das Handling anspruchsvoller. Ziel ist jedoch, künftig auch diese Flächen so weit wie möglich mit Silo-Mulch abzudecken.

Kreisläufe und naturnaher Anbau im Mittelpunkt

Auf die Idee, mit Silo-Mulch zu arbeiten, stiess Monika Kempf an einem Kurs über regenerative Landwirtschaft. Einen entscheidenden Impuls gab ihr anschliessend der Besuch bei Biogemüsegärtner Daniel Knobel auf dem Hof Waldheim im thurgauischen St. Pelagiberg.

Dort konnte sie die Methode in der Praxis sehen und war von den Vorteilen überzeugt. Neben der Silage und kleinen Mengen Pferdemist setzt die Urner Biobäuerin mittlerweile keine weiteren Dünger mehr ein. Das passt zu ihrer grundsätzlichen Vorstellung von Landwirtschaft, bei der Kreisläufe und naturnaher Anbau im Mittelpunkt stehen. «Ich wünsche mir, den Betrieb in 20 bis 30 Jahren mit gesundem Boden und viel Biodiversität an die nächste Generation weitergeben zu können», sagt sie.

Von Milchvieh zu fast viehlos

Auf dem Biohof Eyelen gab es in den vergangenen 30 Jahren laufend Veränderungen. Ihre Eltern Rosemarie und Franz Kempf begannen 1994 im kleinen Rahmen mit dem Gemüsebau. Von Anfang an vermarkteten sie ihre Produkte am Wochenmarkt in Altdorf, der damals gerade aufgebaut wurde. 1998 stellte die Familie den Betrieb auf Bio um. 2005 wurden die Milchkühe durch Mutterkühe ersetzt. 2020 übernahm Monika Kempf den Hof und 2023 gab sie die Mutterkuhhaltung auf. Damit veränderte sich auch der innerbetriebliche Kreislauf: Das Gras, das früher durch die Rinder ging, landet heute teilweise als Silo-Mulch auf den Gemüseflächen. Neben rund 60 Legehennen – etwa 40 weitere fielen kürzlich dem Fuchs zum Opfer – leben heute nur noch zwei Pferde, der Hofhund und vier Katzen auf dem Betrieb.

Zwei Hektar Freiland und 800 Quadratmeter im Gewächshaus

Zwei der insgesamt sechs Hektaren Betriebsfläche nutzt Monika Kempf für den Freilandgemüsebau. Die Fläche ist in vier gleich grosse Felder aufgeteilt, auf denen die Kulturen rotieren. Im ersten Jahr wächst verschiedenes Gemüse, im zweiten folgen Kartoffeln. Im dritten Jahr wachsen auf einer Teilfläche Kürbis und Zucchetti, während auf der anderen Fläche Kunstwiese steht. Im vierten Jahr dient die gesamte Fläche nochmals als Kunstwiese. Weitere 800 Quadratmeter stehen für den Gemüseanbau in mehreren Gewächshäusern zur Verfügung. Im Sommer wachsen dort unter anderem Tomaten, Peperoni und Auberginen, im Winter Nüsslisalat und Asia-Salate. Insgesamt ist die Vielfalt gross – und diese beschränkt sich nicht auf die Kulturen. Auf dem Hof stehen zahlreiche Hochstammbäume. Dazu kommen Hecken und Trockenmauern.

Nicht nur das Unkraut wird durch den Silo-Mulch unterdrückt, auch das Mikroklima hat sich im Gegensatz zu früher, als mit Mulchfolien gearbeitet wurde, verbessert.(Bild: reb)

Wochenmarkt in Altdorf ist wichtiger Verkaufspunkt

Der Biohof Eyelen ist der einzige Bio-Gemüsebaubetrieb im Kanton Uri. Monika Kempf bewirtschaftet ihn mit ihrer ganzjährig angestellten Mitarbeiterin Simone. Von April bis Oktober kommen weitere Arbeitskräfte hinzu. Vermarktet wird die gesamte Gemüseproduktion direkt. Ein grosser Teil geht über den ganzjährig stattfindenden Samstags-Wochenmarkt in Altdorf an die Kundschaft. Mittwochs verkauft Monika Kempf Gemüse im eigenen Hofladen, zudem werden rund 50 Gemüse-Abos bereitgestellt.

Erst Hochbauzeichnerin und Schreinerin

Dass Monika Kempf den Betrieb eines Tages übernehmen würde, war lange nicht selbstverständlich. Zunächst lernte sie Hochbauzeichnerin, anschliessend Schreinerin, und machte erst dann noch die Nachholbildung zur Landwirtin EFZ in Seedorf UR.

Später folgte die Betriebsleiterschule bei den Gemüsegärtnern in Ins BE. «Einerseits merkte ich während meiner Schreinerlehre, dass mir die Arbeit auf dem Hof zusagt. Andererseits wäre es auch schade gewesen, wenn unser schöner Betrieb nach der grossen Aufbauarbeit meiner Eltern nicht mehr weitergeführt worden wäre», erklärt die Urnerin.

Delegierte bei Bio Suisse und Vorstandsmitglied von Bio Uri

Dass sie als Frau einen Landwirtschaftsbetrieb führt, sorgt heute kaum mehr für Reaktionen. Allerdings bezeichne sie sich selbst mittlerweile nicht mehr als Bäuerin, sondern als Landwirtin, da der Begriff «Bäuerin» vielfach mit Hausarbeit und Garten in Verbindung gebracht werde. Eine Frage hört Monika Kempf allerdings regelmässig: Warum sie und nicht einer ihrer drei Brüder den Hof übernommen habe.

Auch ausserhalb des eigenen Betriebs engagiert sich die Landwirtin für den Biolandbau. Seit mehreren Jahren ist sie Delegierte bei Bio Suisse und Vorstandsmitglied von Bio Uri. Rund 50 Betriebe im Kanton wirtschaften nach den Bio-Richtlinien. Die Nachfrage nach Bioprodukten beobachtet Monika Kempf in ihrer Region als tendenziell leicht zunehmend.

Agroforstsystem mit Patenbäumen

Für die Zukunft hat sie bereits das nächste Projekt im Kopf: ein Agroforstsystem mit Patenbäumen. Die vier Gemüsefelder sollen jeweils mit mehreren Baumreihen bepflanzt werden. «Damit möchte ich einerseits Nützlinge fördern und so den Pflanzenschutzmitteleinsatz weiter reduzieren. Andererseits hoffe ich natürlich darauf, dass dadurch die Biodiversität auf meinem Betrieb noch grösser wird.»

Fünf Fragen an Monika Kempf

  • Welches ist Ihr Lieblingsplatz?
    Ein lauschiges Plätzchen am Urnersee.
  • Wie lautet Ihr Lebensmotto?
    Die finnische Lebenshaltung Sisu: Wenn du umfällst, stehe auf und mache weiter.
  • Wohin würden Sie gerne einmal reisen?
    In die Weiten Finnlands.
  • Welchen Traum möchten Sie verwirklichen?
    Unseren Hof einmal gesund an die nächste Generation weitergeben zu können.
  • Wie belohnen Sie sich selbst?
    Mit einem Fyrabig-Bier.

Weiterlesen

  • Es ist etwas früh an Weihnachten zu denken. Wer aber Essigzwetschgen verschenken möchte, muss jetzt handeln.

    Die Zwetschge – eine süsse Bekannte mit gesunden Eigenschaften

    Die Saison der gesunden Frucht hat etwas früher, als im Durchschnitt, gestartet. Ob frisch oder verarbeitet, sie schmeckt wunderbar.
    Show more
    ABO
  • Der Wald schlägt Wurzeln an der OHA in Thun

  • Sechs Jahre Kampf um Baubewilligung: Alphütte Bire ist ein Bijou geworden

    ABO