«Ich freue mich wahnsinnig auf die Jubiläumsschau», sagt Markus Schweizer aus Utzigen BE. Schweizer ist eines der zwölf Mitglieder der Viehzuchtgenossenschaft Vechigen, die am 19. September 2026 auf dem Viehschauplatz in Utzigen ihr 100‑jähriges Bestehen feiern kann. Ab 9 Uhr beginnt die Beurteilung der über 200 Kühe, am Nachmittag finden die Misswahlen statt.
«Ich war halt immer schon angefressen von Kühen. Die sagten mir schon als kleiner Bub mehr zu als unsere Schweinezucht», so der Betriebsleiter. Obwohl er nicht weit zum Viehschauplatz laufen müsse, wolle er auch am Jubiläum mit seinen rund 30 Kühen «Chüjerisch» auffahren, erst recht, für eine Jubiläumsschau.
Das Organisationskomitee, unter der Leitung von Jürg Streit, hat schon viel Arbeit geleistet, damit die Jubiläumsschau nicht nur den Züchterinnen und Züchtern in bester Erinnerung bleibt, sondern auch dem Publikum. «Wir sind gut unterwegs», ist Markus Schweizer überzeugt, der das Sekretariat im OK innehat.

Schweizer stellt auf Bio um
Im Laufstall von Schweizers haben 30 Kühe mit noch einmal so viel Jungvieh Platz. Die meisten Tiere gehören der Rasse Swiss Fleckvieh an. «Die SF-Kuh passt gut auf unseren Betrieb», hält Markus Schweizer fest.
Zusammen mit seiner Frau Annina und den Kindern Nino, Till und Elena betreibt die Familie seit 2016 einen 16ha grossen Milchwirtschafts- und Ackerbaubetrieb mitten im Dorf Utzigen. «Das Spezielle an unserem Betrieb ist sicher, dass wir jährlich rund 20 000 Liter Milch pasteurisieren und direkt vermarkten», hält der Betriebsleiter fest. Die restliche Milch, rund 170 000 kg, wird der Aaremilch geliefert.
«In den vergangenen zwei Jahren konnte nahegelegenes Land dazu gepachtet werden», so der Agronom, welcher auch Lernende auf seinem Betrieb ausbildet. Die Gesamtfläche beträgt neu 31 ha und der Betrieb befindet sich im ersten Umstellungsjahr für biologischen Landbau.
Die Eltern von Markus Schweizer setzten früher noch vermehrt auf die Schweinezucht, rund 30 Mutterschweine hielten sie jeweils im Stall. «Ich war nie der Söieler», gibt Markus Schweizer zu. Deshalb war es bei der Betriebsübernahme auch nie ein Thema, ob er in die Milchwirtschaft oder in die Schweinehaltung investieren wollte.
Umbau brachte Arbeitserleichterung
«Den bestehenden Anbindestall haben wir dann in einen Laufstall umgebaut. Der alte Schweinestall diente dann für zusätzliche Liegeboxen», erklärt der Landwirt. Gemolken werden die Kühe in einem 5er-Tandem-Melkstand. «Vor zehn Jahren habe ich mich nicht getraut, in eine neue Scheune mit 60 Kühen zu investieren», hält Markus Schweizer fest.
Einerseits fehlte ihm in dieser Zeit das eigene Land und andererseits wollte er sich nach der Betriebsübernahme nicht gross verschulden. «Mit der jetzigen Variante sind wir zufrieden und können den Umbau finanziell gut stemmen», so der Betriebsleiter. Auf jeden Fall hat der Umbau bei ihnen eine grosse Arbeitserleichterung gebracht.

Auch die Zuchtstrategie im Stall war für Markus Schweizer immer klar: «Ich will eine problemlose Kuh, welche viel auf der Weide frisst. Klar, habe ich auch gerne Kühe mit schönen Eutern. Wichtiger sind mir aber die Milchleistung und die Fitnessmerkmale», hält er fest.
Und hier appelliert er an die zukünftige SF-Zucht: «Die Rasse muss sich in der Milchleistung und den Fitnessmerkmalen steigern», sagt Schweizer. Auch wegen dieser Kriterien setzt der Züchter gelegentlich genetisch hornlose RH-Stiere in seiner Herde ein. Doch die SF-Kuh bleibt auf dem Betrieb ganz klar im Vordergrund: «Mit den SF-Stieren Flims, Donald, Lorbas und Roxel habe ich gute Erfahrungen gemacht», so der Züchter.

Lebensleistung von 116 308 kg Milch
Doch viele Kühe von Markus Schweizer würden aus dem Natursprung stammen. «Im Sommerhalbjahr haben wir fast immer einen Stier im Stall», sagt er. Die Zuchtstrategie von Schweizer bewährt sich: er hatte schon zwei 100 000er-Kühe und konnte bereits zwei Stiere an Swissgenetics verkaufen.
«Unsere älteste Kuh im Stall, Anubis Titanic, wird bald 17 Jahre alt und hat aktuell eine Lebensleistung von 116 308 kg Milch», so der Landwirt. Die 98-pünktige Titanic sei übrigens die älteste Kuh, welche voraussichtlich an der Jubiläumsschau aufgeführt werde.
«Titanic ist wieder trächtig, und zwar von unserem Stier, der auch Titanic PP heisst», erzählt der Züchter lachend, weil beide Tiere den gleichen Namen tragen. Der SF-Stier Schwizer’s Titanic PP, welcher Swissgenetics gehört, ist ein Randy PP-Sohn aus ihrer Gin-Tonic-Tochter Schwizer’s Tucki P.
Die Ururgrossmutter des Stiers Titanic PP ist dann niemand Geringeres als die erwähnte 100 000er-Kuh Titanic. «Wenn alles gut geht, sehen wir an der Jubiläumsschau einige Familienmitglieder vom Stier Titanic PP», freut sich Schweizer.

Viehschauen wurden zu einem Fest
Allzu grosse Erwartungen hat Markus Schweizer an der Jubiläumsschau aber nicht: «Wir haben viele gute Züchterinnen und Züchter mit sehr starken Kühen», hält er fest. Weiter betont er, dass sie innerhalb der Viehzuchtgenossenschaft einen hervorragenden Zusammenhalt haben und die jährlichen Viehschauen immer mehr zu einem wichtigen festlichen Dorfanlass geworden sind.
Auch an der Jubiläumsschau erwarten wir viele Besucher. Tagsüber mit der Kälberschau, moderiert durch die Schwingerlegende Graber Willy und den vielen schönen Kühen, welche nach der Schau geschmückt abgezügelt werden.
Oder abends am öffentlichen Unterhaltungsabend mit der Schwyzerörgelifamilie Lüthi und dem Barbetrieb der Landjugi Worblental. Sicher möchte er seine Kühe so präsentieren, wie es sich an einer Jubiläumsschau gehört. «Wir werden die Kühe vorgängig ganz scheren, damit sie eine Gattung machen», sagt der Züchter. Gross üben mit Laufen müsse er mit ihnen nicht. Denn seine Kühe stehen während der Vegetation jeden Tag auf der Weide. «Teilweise müssen sie weit laufen», so der Landwirt.

Ihre Kühe sind das Laufen so gewohnt, dass die Familie Schweizer im Jahr 2017 angefragt wurde, ob sie mit ihren Kühen nicht am Alpabzug, anlässlich der alljährlichen «Sichlete» in Bern, teilnehmen möchte.
«Seither machen wir das», sagt Markus Schweizer. Dieser Event bedeutet ihnen sehr viel. «Klar, gibt solch ein Alpabzug viel Aufwand. Doch diesen Tag geniessen wir mit unseren Helferinnen und Helfern in vollen Zügen», so der Landwirt. In der Stadt gebe es auch immer wieder interessante Diskussionen mit der Bevölkerung. Doch zuerst wollen Schweizers die Jubiläumsschau am 19. September geniessen, bevor sie dann zwei Tage später, am Montag, dem 21. September, mit einem Teil ihrer Kühe vom BEA-Gelände bis zum Bundesplatz, auf dem die «Sichlete» stattfindet, «züglen» werden.

