Die Anlässe des landwirtschaftlichen Vereins Konolfingen sind meist gut besucht. Die ausgewählten Themen stossen auf breites Interesse, das Bedürfnis nach Austausch ist gross. Der diesjährige Herbstanlass führte auf den Betrieb von Rahel Joss in Gysenstein BE. Fachkundig führte sie über den Betrieb und beantwortete die Fragen ihrer Berufskolleginnen und ‑kollegen. Sie führt den Gysihof in elfter Generation, vor acht Jahren hat sie den elterlichen Betrieb übernommen.
Erfahrungen aus der ganzen Welt
Bevor Rahel Joss den Betrieb übernommen hat, hat sie auf der ganzen Welt Erfahrungen gesammelt. Von Irland über Kanada bis nach Neuseeland hat sie auf verschiedenen Betrieben mitgearbeitet und unterschiedliche Produktionsrichtungen kennengelernt.
Anschliessend war sie bei Swissgenetics tätig. Dieses Vorwissen kommt ihr jetzt bei ihrer Zuchtstrategie zugute: Die Viehzucht ist ihr Steckenpferd geblieben. Als Agronomin ist sie bestens ausgebildet. Unterdessen hat sie den Betrieb nicht nur auf Bio-Produktion umgestellt, sondern ist noch einen Schritt weitergegangen: Seit bald fünf Jahren produziert sie nach den strengen Richtlinien von Demeter Schweiz.

Kurz nach der Hofübernahme hat sie einen neuen Milchviehstall gebaut. Eingerichtet mit einem Melkroboter führt sie nun einen Vollweidebetrieb. Das Weidemanagement stiess bei den Anwesenden auf grosses Interesse.
«Wir mussten das neue Management mit den Kühen zuerst üben», erklärt Joss. «Dass sich die Weidetore erst über den Umweg über den Melkroboter öffnen, mussten wir ihnen zeigen.» Sie erhalten während des Tages sowie nachts drei neue Parzellen à ca. 20 Aren. Ziel dabei ist, dass die Kühe einerseits möglichst gut abfressen und andererseits genügend Futter aufnehmen können.
Zweinutzungsrassen einkreuzen
Sie kreuzt verschiedene Kuhrassen, um eine funktionelle Zweinutzungskuh zu züchten und mit dieser effizient aus Gras Milch und Fleisch zu produzieren. Die ehemalige Red-Holstein-Herde ist unterdessen mit Kiwi-Cross, norwegischem und Schweizer Fleckvieh und Simmentaler eingekreuzt.
Ihr Ziel ist es, mit Vollweide eine gute Milchleistung und gleichzeitig auch eine gute Bemuskelung zu erreichen. Nebst der Milchproduktion gehören auch der Verkauf von Mastremonten und der Fleischverkauf zu ihren Betriebszweigen.
Saisonale Abkalbung bündelt die Arbeitszeit
Mit der saisonalen Abkalbung, die jeweils ab Mitte Januar beginnt, kann sie die arbeitsintensive Zeit bündeln. «Die ersten 20 Kühe besame ich mit ausgewählten Rassen für die Nachzucht», erklärt sie ihre Strategie. «Alle weiteren lasse ich mit Angus zu, die sowohl für gute Fleischleistungen als auch für ihre leichten Abkalbungen bekannt sind.»
Während der Abkalbesaison ist sie sehr streng, was Besucherinnen und Besucher im Stall angeht. Sogar der Tierarzt darf den Stall nur in frischen Kleidern und mit betriebseigenen Gummistiefeln betreten. Doch indem sie die Biosicherheit im Stall während der Abkalbesaison hochhält und dazu weitere prophylaktische Massnahmen umsetzt, kann sie die Tiergesundheit massgeblich verbessern.

