Die Aussenhöfe am Jura-Südhang wurden gebaut, weil Quellwasser vorhanden war – eine Voraussetzung für die damalige Viehhaltung. «Zu dieser Zeit war rundum keine Siedlung vorhanden. Es bestand nur ein Karrweg zum Einzelhof, der um 1880 herum gebaut wurde», erzählt Konrad Vogt, der die Entwicklung der Stadt Grenchen SO interessiert verfolgt. Er kann Spannendes über deren rasche Entwicklung zur Uhrenmetropole berichten: «Einwohnermässig ist Grenchen die zweitgrösste Stadt des Kantons Solothurn und die Lage ist vorzüglich für den Obstbau.»
Als Konrad und seine Frau Theres Vogt den Betrieb 1987 übernahmen, wurden die ersten Bäume gepflanzt, zuerst 50 Aren, dann neue 80 Aren und später zusätzliche 1,5 ha. Vor rund 20 Jahren zogen sie einen «Schlussstrich» unter die Milchproduktion und setzten neben den Kulturen im Feld- und Ackerbau auf Obstbäume.

Das Ökonomiegebäude wurde umgebaut, eine Betondecke eingezogen und Räume geschaffen, die sauber und staubfrei sind. «Diesen Schritt haben wir nie bereut, denn es ergaben sich gewisse Flexibilitäten und Freiheiten, die wir vorher mit der Stallarbeit nicht hatten», sinniert der 69-Jährige, der noch auf dem Betrieb mit anpackt. Seine Frau Theres hilft im Hofladen mit.
Familie zieht an einem Strick
Um seine Nachfolge musste sich Konrad Vogt keine Sorgen machen, denn Tochter Martina Schluep entschied sich, ihren Beruf als Zahntechnikerin an den Nagel zu hängen und die Lehre als Obstbaufachfrau zu absolvieren. 2024 hat sie erfolgreich abgeschlossen und arbeitet nun im Vollzeitpensum auf dem Betrieb; sie ist zuständig für den Obstbau.
Ihr Bruder Thomas Vogt hat als Erstberuf Telematiker gelernt, dann die Lehre zum Landwirt absolviert und mehrere Jahre auf dem Beruf gearbeitet. Auch er arbeitet Vollzeit auf dem Betrieb und legt seinen Fokus auf den Ackerbau (Weizen und Gerste) sowie Raps, Zuckerrüben, Kunstwiese, Sonnenblumen und Heu und Stroh zum Verkauf. Dazu kommt die Weidefläche, da noch 20 Limousin-Kühe mit Kälbern gehalten werden.
«Flächenmässig ist der Obstbau kleiner als der Ackerbau, aber der Arbeitsaufwand in der Obstanlage ist grösser, da fast das ganze Jahr etwas zu tun ist, während im Winter auf dem Feld nicht viel Arbeit anfällt», erklärt der 39‑Jährige. Dem pflichtet Martina Schluep bei und ergänzt, dass beim Obstbau der Pflanzenschutz im Frühling und die Unkrautregulierung und Ausdünnung sowie die Ernte im Herbst schon ziemlich intensiv seien.
«Als sich herauskristallisierte, dass unsere Kinder auf dem Betrieb einsteigen, haben wir die erste 1,5 ha grosse Anlage remontiert, sie im Frühling 2025 komplett gerodet, Drähte gezogen und über den Sommer eine Zwischenbegrünung vorgenommen. Im Herbst 2025 haben wir bei viel Regen gestartet und erfreuen uns nun an der schönen Anlage, die von unserer Jungmannschaft selbst geplant worden ist», erzählt Konrad Vogt.
Strom und Wasser gesichert
Das Sorten-Management übernehmen Martina Schluep und Thomas Vogt gemeinsam, es wird remontiert und das Hofladen-Sortiment angepasst. «Eine gewisse Vielfalt muss man haben; wir wollen Obst rund ums Jahr anbieten», betont Thomas Vogt, der auf die Photovoltaikanlage hinweist, die sich seit drei Jahren auf den Dächern der Ökonomiegebäude befindet. Das Ziel ist, möglichst viel Strom für die Eigennutzung auf dem Betrieb einzusetzen: «Mit dem geplanten Stromspeicher wollen wir die Energieunabhängigkeit weiter ausbauen.»
Ein weiterer ökologischer Faktor ist die Bewässerung der Obstanlage mit einem 400-Kubikmeter-Wasserspeicher aus eigener Quelle. Die Anlage ist mit Pumpen komplett erschlossen und wird sektorenweise bewässert.
«Der Markt will Gala-Äpfel, also liefert Vogt Obstbau Gala-Äpfel. Wir passen uns an», erläutert die 38-jährige Martina Schluep. Die Nachfrage nach Braeburn sei ebenfalls gross. Seit die Anlage neu gepflanzt wurde, ist auch die Produktion der Diva-Äpfel gestiegen, die in der Direktvermarktung gut laufen und von Kindern geliebt werden: «Die Sorte Diva ist schön rot rundum, hat einen süssen Geschmack, ist gut lagerfähig, angenehm zu pflücken und weist eine gute Festigkeit auf.»
Saisonal und regional
Die sogenannte Baumerziehung hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Familie Vogt setzt neu den Zapfenschnitt ein, damit die Bäume in schlanker Spindelform wachsen und weniger buschig sind.

Dadurch können 20 % mehr Bäume gepflanzt werden, der einzelne Baum ist leichter, besser durchlüftet und trocknet schneller ab: «Pilzkrankheiten wachsen bei Feuchtigkeit und wenn man die Zeit der Feuchtigkeit minimiert, hat die Krankheit weniger Potenzial, sich zu entwickeln. Man kann dadurch auch Pflanzenschutzmittel einsparen», erklärt Martina Schluep.
Die Äpfel reifen besser aus und nehmen mehr Farbe an, was die ganze Arbeit, auch für die Erntehelfer, einfacher gestaltet. Bewährte und bekannte Apfelsorten sind Elstar, Golden, Boskop, Rubinette und Topaz sowie Gravensteiner und Ambassy. «Und neu gesetzt, aber noch ohne Ertrag, ist die Sorte Redlove, die auch innen rot ist», ergänzt Martina Schluep.
Neben Äpfeln werden auch Birnen und Zwetschgen an kleinere Läden, die Landi und an Händler in der Umgebung verkauft. Ein beliebter Abnahmekanal sind Früchte-Abos für Firmen. Im Selbstbedienungs-Hofladen mit Zahlungsautomat seien grundsätzlich die Äpfel der «Renner», sagt Martina Schluep. Auch eingemachte Zucchetti, Konfitüren, Sirup und Apfelmost seien gefragt. Saisonal sind auch Kürbisse im Angebot.
In Zusammenarbeit mit anderen Produzenten bieten Vogts zusätzliche Produkte an wie Kirschen, Erdbeeren, Spargeln oder Kartoffeln, allesamt aus dem Kanton Solothurn. «Die Kartoffeln beziehen wir von einem ehemaligen Lehrling. Ein anderer ehemaliger Lehrling hat seine Schafe bei uns eingestallt und liefert Schafwürste. Ein Landwirt mit Freilandhühnern füllt unseren Hofladen mit Eiern, während er auf seinem Hof unsere Äpfel verkauft. Eine Win-win-Situation», freut sich Schluep.
Betriebsspiegel
Produktionsform:→ÖLN
LN gesamt:→56 ha
Ackerbau:→2,8 ha Obst, 13,8 ha Weizen, 6,8 ha Gerste, 4,4 ha Raps, 8,5 ha Zuckerrüben, 3,5 ha Sonnenblumen, 7,6 ha Kunstwiese, 1,5 ha Buntbrache, Ökofläche und Weideland
Viehbestand:→20 Limousin-Kühe mit 10–15 Kälbern / 4 Alpakas
Arbeitskräfte:→Betriebsleiter, saisonale Erntehelfer

