«Jede und jeder kennt alltägliche Kleinigkeiten, die mit der Zeit nerven», sagte Thyas Künzle am Milchviehstamm, der am 20. August 2026 in Buch bei Frauenfeld TG auf dem Betrieb von Andreas und Yanick Huber stattfand.
Der Berater am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) nannte ein typisches Beispiel: Da ist etwa der undichte Schlauch, der bei jedem Stiefelwaschen auch die Hose nass macht. Eine Nebensache, könnte man denken. Doch dürfe man nicht unterschätzen, dass sich Kleinigkeiten summieren, wenn sie tagaus, tagein vorkommen.
«Mit der Zeit wird man betriebsblind», so Künzle. Er nannte Beispiele: Durch einen tropfenden Hahn gehen pro Tag mehrere Liter verloren. Über das Jahr sind es bereits Tausende – eine Verschwendung, nicht nur in finanzieller Hinsicht.
Mit der Zeit summieren sich die Fehler
Da ist zudem die Werkzeugkiste, in der die Schraubenschlüssel bestimmter Grössen immer fehlen, was bei jedem Gebrauch eine Suche zur Folge hat. Pro Mal sind es vielleicht nur zwei Minuten, die dadurch verloren gehen. Doch kommt es regelmässig vor – werden daraus Stunden.
Ein weiteres Beispiel: Ein Futterwagen wird häufig mit Heu überladen. Dabei fällt ein Teil auf den Boden, bevor die Fuhre beim Tier angekommen ist. «Vielleicht fällt es nicht auf, weil es sich im Einzelfall nur um einige Büschel handelt. Doch mit der Zeit summiert es sich», stellte Thyas Künzle fest. So wird auch hier eine Ressource verschwendet.
Eingeschliffene Gewohnheiten sollten überdacht werden
Um die Verschwendung auf einem Betrieb zu minimieren, empfiehlt Thyas Künzle die Methode «Lean Farming» (auf deutsch etwa «schlanke Landwirtschaft»). Dazu sollen Kosten und Fehlerquellen reduziert und wertschöpfende Tätigkeiten gesteigert werden.
«Zunächst geht es unter anderem darum, Verschwendung überhaupt zu erkennen», sagte der St. Galler. Diese zeigt sich zum Beispiel als Defekt, Wartezeit, Überproduktion, ungenutzte Ressourcen oder falsche Bewegungsabläufe und mangelnde Arbeitssicherheit. Um dem entgegenzuwirken, braucht es mehr Effizienz.
«Allerdings wird diese nicht durch schnelleres Arbeiten erreicht», betonte Künzle. Häufig gehe es vielmehr darum, Arbeitsabläufe besser zu planen, um etwa Zeit zu sparen. «Daher lohnt es sich, eingeschliffene Gewohnheiten im Arbeitsalltag neu zu überdenken.» Zusätzlich herausfordernd sei es, wenn an den Arbeiten mehrere Leute beteiligt sind. Dann brauche es auch eine entsprechende Kommunikation.
Auch eigene Bewegungsabläufe analysieren
Auf einem Landwirtschaftsbetrieb sind es laut Künzle häufig die Tiere, die von verbesserten Massnahmen profitieren – und in der Folge etwas zurückgeben. «Erhält die Kuh eine angenehmere Liegebox, legt sie sich häufiger hin und produziert mehr Milch», so der Berater bei der LZSG-Fachstelle Rindvieh.
Und auch sich selbst dürfe man nicht vergessen: So könne man sich unter Umständen eine Menge Rückenweh einsparen, wenn man die eigenen Bewegungsabläufe im Arbeitsalltag analysiere und optimiere.

