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Wie weiter in schwierigen Lebenslagen? Zwei Innerschweizer-Angebote unter der Lupe

Generationenkonflikte, Burn-out und Geldsorgen belasten Bauernfamilien. Petra Rohrer und Paola Ganyi erleben an ihren Beratungsstellen, wie der Bedarf an Unterstützung wieder zunimmt.

Petra Rohrer ist Leiterin des Beraterteams des Vereins «Bäuerliche Beratung und Vermittlung in schwierigen Situationen» der Kantone Ob- und Nidwalden. Am häufigsten gelangen Personen mit spezifischen landwirtschaftlichen Problematiken an sie: «Generationenkonflikte auf dem Hof, Burn-out, finanzielle Probleme und Überforderung mit der zunehmenden Bürokratie, aktuell mit der Beantragung für die Rückerstattung der Mineralölsteuer, werden am häufigsten an uns herangetragen.»

Hier seien sie erste Anlaufstelle, weil das Beraterteam sich mit solchen spezifischen Fragen auskennt, Verständnis für diese Themen da ist und keine grossen Erklärungen notwendig werden. Nach einer Stagnation der Anfragen im Jahr 2024, haben die Hilfegesuche ab 2025 wieder deutlich zugenommen, so Rohrer.

Eine erste Anlaufstelle bieten

Eigentlich sei ihr primäres Ziel gewesen, eine erste Anlaufstelle zu bieten. So ganz bewährt habe sich diese Ausrichtung allerdings nicht: «Unsere Beratungen gehen oft über ein erstes Gespräch hinaus, nicht selten organisieren wir im Anschluss an Einzelanfragen sogar Familiengespräche», erklärt Petra Rohrer. Selbstverständlich würden sie auch an andere Stellen weitervermitteln, beispielsweise bei gesundheitlichen Problemen an Ärzte, sagt die Teamleiterin.

Bei der «Bäuerlichen Beratung und Vermittlung in schwierigen Situationen» würden gelegentlich auch Personen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund Hilfe suchen, weiss Petra Rohrer. Dies sei möglich, weil ein erstes Gespräch anonym geführt werden kann. Bei Folgeberatungen müsse dann aber evaluiert werden, ob die betreffende Person der Anspruchsgruppe entspricht.

Themen, bei denen Kinder im Spiel sind, belasten die Beratenden besonders. «Denn hier kann nur begleitet werden und Lösungsvorschläge aufgezeigt werden. Im Alltag umsetzen müssen die Betroffenen dies jedoch selbst», sagt Petra Rohrer. Wichtig ist ihr auch zu betonen, dass im Team untereinander niemals Namen genannt werden. «Alle, die uns kontaktieren, können sicher sein, dass sie anonym bleiben.»

Das Team der «Fachstelle für Lebensfragen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri» (Elbe) begleitet Paare oder Einzelpersonen kurzfristig oder über mehrere Jahre. (Bild: BauZ, Ruth Aerni)

Vertiefte Auseinandersetzung

Paola Ganyi und ihr Team von der «Fachstelle für Lebensfragen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri» (kurz Elbe) sind nicht für Kriseninterventionen, sondern für langfristigere Begleitungen zuständig. «Es gibt Personen, die drei bis sechs Gespräche in Anspruch nehmen. Ein Paar kommt bereits seit sieben Jahren alle paar Monate zu mir in die Beratung», gibt Paola Ganyi Auskunft.

Obwohl das Kompetenzzentrum für psychosoziale Beratungen ihre Räumlichkeiten mitten in der Luzerner Altstadt hat, finden viele Personen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld den Weg dorthin. «Wir sind für überraschend viele Bäuerinnen und Bauern die Anlaufstelle für Paar- oder Einzelberatungen», legt die Teamleiterin offen.

Auch an diese Fachstelle werden aus der Landwirtschaft am häufigsten Generationenkonflikte herangetragen. Unterschiedliche Wert- und Normvorstellungen, die aufeinandertreffen, sorgen für Konflikte. «Hilfesuchende aus dem landwirtschaftlichen Bereich haben oft mit hohen Arbeitsbelastungen sowie wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, und bei Trennungen sorgen die Abhängigkeitsverhältnisse für Kopfzerbrechen», erklärt Paola Ganyi.

Sei es bei ungeplanten Schwangerschaften, Paarproblemen oder persönlichen Krisen: Auch die fünf Fachfrauen aus Luzern sind bestens mit dem landwirtschaftlichen Milieu vertraut. «In der Vorbereitung auf unser Gespräch haben wir herausgefunden, dass wir alle einen bäuerlichen Hintergrund haben, und Kollegin Anita Schälin ist sogar zusätzlich bei der Fachstelle ‹Hofkonflikt, Netzwerk Mediation im ländlichen Raum› als Beraterin tätig», verrät Paola Ganyi.

Elbe, die Fachstelle für Lebensfragen Luzern, Nidwalden, Obwalden und Uri, ist ein Kompetenzzentrum für Einzel- und Paarberatung sowie für Schwangerschaft, Sexualität und Familienplanung mit Sitz in Luzern. Sie ist Anlaufstelle für Personen mit und ohne landwirtschaftlichen Hintergrund.
https://elbeluzern.ch/home

Der Verein Bäuerliche Beratung und Vermittlung bietet professionelle Unterstützung für Bauernfamilien und in der Landwirtschaft tätige Personen in Not- und Krisensituationen aus den Kantonen Ob- und Nidwalden.
https://www.baeuerliche-beratung-und-vermittlung.ch/

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