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Zuckerrübenschnitzel: Auf die Einlagerung kommt es an

Dürre, knappe Mengen, schleimige Silagen: Agroscope erklärt, welcher TS-Gehalt und welcher Vorschub Pressschnitzel sicher durch den Winter bringen.

Aus dem Seeland melden Rübenpflanzer schleimige Pressschnitzelsilagen. Zuckerfabrik und Pflanzerverband sprechen von Einzelfällen. Agroscope erklärt, warum nasse Schnitzel kippen können und wie sich das verhindern lässt.

Rückmeldungen zu schlechten Silagen erhält die Schweizer Zucker AG (SZU) jedes Jahr, sagt Sandro Kocher, Leiter Verkauf Futtermittel und Kundendienst. Es seien rund zehn Meldungen pro Jahr. «In Anbetracht der hohen Ausliefermengen ist dieser Anteil sehr klein», so Kocher.

Einzelne Lieferungen von nicht optimaler Qualität

Die Ursachen seien jeweils verschieden: mal die Qualität der Ware, mal ein ungenügend verdichtetes Silo. In den vergangenen Jahren seien die Reklamationen stark zurückgegangen. Die SZU liefert keine Schnitzel mehr per Bahn aus und hat an beiden Standorten in neue Lagerplätze investiert. Damit lasse sich die Ware besser trennen und nach dem Prinzip «first in, first out» ausliefern.

Auch der Schweizer Verband der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) spricht von wenigen Fällen. Adrian Kramer, Präsident der Werkkommission Aarberg und SVZ-Vorstandsmitglied, bringt sie vor allem mit einzelnen Lieferungen von Rüben in nicht optimaler Qualität in Verbindung. Grundsätzlich beurteilten die Mitglieder die Versorgung als praktikabel. Pressschnitzel seien ein wertvolles Nebenprodukt mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Getrocknet werden Schnitzel nicht nur in Frauenfeld TG: Zum Werk Aarberg gehört ein Trocknungsstandort in Bargen BE. Der Anteil an Schnitzeln, die ungetrocknet zur Silierung abgegeben werden, ist in Aarberg laut SZU aber leicht höher. Bei der Qualität sieht Kramer zwischen den Standorten keine grundsätzlichen Unterschiede.

Bis zu zehn Prozent weniger Schnitzel wegen der Dürre

Knapp sind die Schnitzel in diesem Jahr ohnehin. Rübenpflanzer konnten Pressschnitzel bis Ende Juli über ein Vorbestellrecht ordern. Wegen der trockenheitsbedingt deutlich unterdurchschnittlichen Ernte musste die SZU die bestellten Mengen branchenweit um bis zu zehn Prozent kürzen.

Die Betroffenen seien verständlicherweise unzufrieden, sagt Kramer. Für den SVZ sei die flächendeckende Kürzung jedoch «die solidarischste und fairste Lösung». Man wolle die Lage weiter beobachten, um die Abläufe bei einer künftigen Kleinernte zu verbessern.

Warum Schnitzel schleimig werden

Grundsätzlich lassen sich Pressschnitzel gut silieren, sagt Elisa Manzocchi, Fachperson für Futterkonservierung bei Agroscope. Siliermittel oder Melasse brauche es nicht zwingend. Kritisch werde es bei sehr tiefen Trockensubstanzgehalten (TS): Dann bildet sich mehr Sickersaft, und unerwünschte Gärungen werden begünstigt.

Für eine schleimige Konsistenz kommen laut Manzocchi mehrere Ursachen infrage. Neben Fehlgärungen durch Clostridien können schleimbildende Milchsäurebakterien sogenannte Exopolysaccharide bilden, die das Futter fadenziehend machen. Zudem enthalten Pressschnitzel viel Pektin. Es bindet stark Wasser und trägt bei starker Durchfeuchtung zur weichen, schleimigen Textur bei.

Typische Begleiterscheinungen sind Buttersäure, erhöhte Ammoniakgehalte, unangenehmer Geruch und eine geringere Futteraufnahme.

Trockensubstanz und Lagerform entscheiden

Nassschnitzel enthalten 12 bis 18 Prozent TS, Pressschnitzel 20 bis 26 und Trockenschnitzel rund 90 Prozent. Am besten silieren laut Agroscope Pressschnitzel mit 22 bis 26 Prozent TS, sofern sie rasch und luftdicht eingelagert werden. Je höher der TS-Gehalt, desto kleiner das Risiko von Sickersaft und Fehlgärung. 

Melasse liefert zusätzlichen, leicht vergärbaren Zucker. Der Restzucker der Schnitzel liegt oft bei nur 4 bis 5 Prozent. Bei zuckerarmer Ware oder ungünstigen Bedingungen kann eine Melassierung den Gärverlauf stabilisieren. Den optimalen Anteil gibt es aber nicht pauschal: Er hängt von TS, Lagerform und Ausgangsqualität ab.

Bei Ballen sind eine gute Folie und absolute Luftdichtheit entscheidend. Schon Beschädigungen der Wickelfolie können rasch zu Nacherwärmung und Verderb führen. Im Fahr- oder Flachsilo lassen sich grosse Mengen meist besser verdichten. Dafür braucht es eine sorgfältige Abdeckung und genügend Vorschub bei der Entnahme.

Am grössten ist das Risiko laut Elisa Manzocchi, wenn sehr nasse Schnitzel ungenügend verdichtet, verzögert eingelagert oder zu früh angeschnitten werden.

Die Zuckerrübenschnitzel sind auch dieses Jahr heiss begehrt. Diese sind in der Fütterung vielseitig einsetzbar.
Die Zuckerrübenschnitzel sind auch dieses Jahr heiss begehrt. Diese sind in der Fütterung vielseitig einsetzbar. (Bild: Sandro Kocher)

So gelingt die Pressschnitzelsilage

  • Schnitzel direkt nach der Anlieferung einsilieren, nicht zwischenlagern.
  • Zügig befüllen und sofort luftdicht abschliessen.
  • Maximal verdichten, damit möglichst wenig Restsauerstoff bleibt.
  • Sorgfältig abdecken und die Folie regelmässig kontrollieren.
  • Nach dem Öffnen genügend Vorschub: 1,0 Meter pro Woche im Winter, 2,5 Meter im Sommer.

Problempartie erkennen:

  • schleimige oder fadenziehende Struktur
  • Buttersäure- oder Fäulnisgeruch
  • starke Erwärmung
  • sichtbarer Schimmel
  • Tiere fressen schlechter

Im Zweifel hilft eine Futtermittelanalyse (TS, pH-Wert, Gärsäuren, Ammoniak-N). Verschimmelte Partien auf keinen Fall verfüttern. Bei Fragen zu Qualität, Menge oder Preis empfiehlt der SVZ, sich direkt an die Schweizer Zucker AG zu wenden.

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