ABO

Innert Minuten alles kaputt: Auch Solothurner Familie Kamber war vom Hagel betroffen

Grosse Hagelkörner zerstörten auf dem Milch- und Ackerbaubetrieb Dächer, Wände und fast die gesamte Maisernte – nun trägt grosse Solidarität.

«Ein solches Unwetter habe ich noch nie erlebt», erzählt Isabelle Kamber. Die Bäuerin bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Andreas und den Kindern einen Milchwirtschafts- und Ackerbaubetrieb im solothurnischen Laupersdorf.

Am Freitagmorgen, den 28. August, verwüstete ein Hagelzug nicht nur ihren Hof. Auch viele Kulturen im Dorf erlitten grosse Schäden. «Teilweise waren die Hagelkörner so gross wie Golfbälle», sagt Kamber. Nur ein schmaler Hagelzug sei es gewesen, trotzdem habe er eine Verwüstung sondergleichen hinterlassen.

Grosse Schäden an den Gebäuden: Die Wand des Wagenschopfs ist mit Löchern übersät. (Bild: Isabelle Kamber)

Plötzlich war es totenstill

Isabelle und Andreas Kamber waren an diesem Freitagmorgen draussen beschäftigt; sie wuschen ihre Kühe neben dem Stall. «Wir sahen schon, dass von Welschenrohr her eine gelbe Gewitterfront im Anmarsch war», so Isabelle Kamber. Sie und ihr Mann hätten sich dann nur angeschaut und beide das Gleiche gedacht: «Mein Mann Andreas hat dann den Hochdruckreiniger sofort abgestellt. Dann herrschte eine unheimliche Ruhe. Eine Minute lang war es totenstill.» Kein Wind, kein Rauschen, auch das Zwitschern der Vögel hörten Kambers nicht mehr.

Die Hagelkörner waren teilweise so gross wie Golfbälle. (Bild: Isabelle Kamber)

Die Tiere hätten wahrscheinlich das Unwetter bemerkt, meint Kamber. «In letzter Sekunde konnten wir noch die restlichen Kühe in den Stall bringen, dann ‹chlepfte› es schon von überall her und der Hagel prasselte auf das Hausdach», erzählt die Bäuerin.

«Wir dachten, unser Hausdach fliege weg»

In einem solchen Moment sei man wie gelähmt. «Mein Mann und ich waren während des Unwetters im Stall. Ich habe geweint, während es draussen stürmte, hagelte und regnete», erzählt sie. Fünf bis zehn Minuten habe es gedauert, bis das Unwetter weiterzog. «Es hat unglaublich stark gestürmt und gerauscht. In dem Moment dachten wir, unser Hausdach fliege weg.»

Der Sturm hinterliess bei Kambers kaputte Dächer, kaputte Wände, sogar eine Fensterscheibe der Wohnstube ging durch den Hagel in Brüche. «Schlimm sah es auch auf den Feldern aus. Unser Mais, wenn man den noch so nennen kann, lag zerhackt und zerstückelt am Boden», so Isabelle Kamber.

Auch das Wohnzimmerfenster von Kambers hielt dem Hagelzug nicht stand. (Bild: Isabelle Kamber)

Grosse Unterstützung und grosse Solidarität

Das ganze Wochenende sei man mit Räumungsarbeiten beschäftigt gewesen. «Nach so einem Unwetter funktioniert man einfach nur noch – organisieren und delegieren», erzählt die Bäuerin. Auch der verhagelte Mais habe so schnell wie möglich gehäckselt und ins Silo gebracht werden müssen. Man habe keine Zeit gehabt, Trübsal zu blasen.

Was vom Mais noch übrig war, wurde in der Zwischenzeit gehäckselt. (Bild: Isabelle Kamber)

Deprimierend sei, dass nach so einem Sommer, wo jeder Grashalm zählte, jetzt auch noch die Maisernte fast zu hundert Prozent ausgefallen sei. «Wir bekommen von überall her grosse Unterstützung; auch die Solidarität ist riesig», freut sich Isabelle Kamber. Das sei in einer solchen Situation enorm wichtig und helfe, über das Geschehene hinwegzukommen.

«Wie gesagt: Es hat auch andere Betriebe getroffen, wir sind nicht die Einzigen», so die Bäuerin. So hat es bei anderen Betrieben nicht nur den Mais, sondern auch andere Kulturen getroffen. Auch ihr Vater habe ein solches Unwetter in ihrem Tal noch nie erlebt. «Zum Glück ist personell niemand zu Schaden gekommen. Das andere kann man ersetzen», zeigt sie sich dankbar. «Die ganze Familie schaut jetzt vorwärts, was wollen wir anders, doch wir packen es», sagt Isabelle Kamber zuversichtlich.

Weiterlesen

  • Hautveränderung (Parakeratose) bei Zinkmangel (mittleres Schwein).

    Zink im Schweinefutter: Essenziell und doch umstritten

    Ein Züchter ärgert sich über Leistungseinbussen bei den Absetzjagern. Er erkundigt sich, ob Zink ein geeigneter Futterzusatz ist. Welche Rolle spielt Zink für die Tiergesundheit und gibt es sinnvolle(re) Futterzusätze?
    Show more
    ABO
  • Gewinnen Sie zwei Tickets für die OLMA 2026!

  • Online-Direktvermarkter Robin Roots lanciert Deutschschweizer Netzwerk

    ABO