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Sechs Jahre Kampf um Baubewilligung: Alphütte Bire ist ein Bijou geworden

Seit 2016 wurde über einen Neubau diskutiert. Nun ist die Hütte fertiggestellt. Wir waren vor Ort und haben uns einen Eindruck verschafft.

Was lange währt, wird endlich gut: Die Alpgenossenschaft Bireberg hat sechs Jahre lang mit den Behörden gekämpft, bis sie im April 2025 die definitive Baubewilligung für eine neue Alphütte Bire im Berner Gantrischgebiet erhalten hat.

Hütte fügt sich ins Gelände ein

Der Durchhaltewille der Alpgenossenschaft Bireberg hat sich am Ende gelohnt. Ein Augenschein vor Ort zeigt: Die neue Alphütte ist zu einem Schmuckstück geworden. Trotz des Neubaus hat sie ihren Charme nicht verloren.

Die Alphütte fügt sich hervorragend ins Gelände ein. Das viele Holz, das für den Bau genutzt wurde, strahlt eine gewisse Wärme aus. Am Tag der offenen Tür am 29. und 30. August können der neue Alpstall für Rinder, Kühe und Ziegen sowie die neue Hirtenwohnung besichtigt werden. Die neue Käserei ist noch in Planung und wird zur Sömmerung 2027 in Betrieb genommen. Rund 1,5 Millionen Franken hat der Neubau gekostet.

Der neue Stall bietet Platz für 38 Kühe. Auf einen Laufstall wurde bewusst verzichtet.(Bild: Peter Fankhauser)

Die Hauptfinanzierung konnte mit öffentlichen Geldern, Spenden, Geld von der Bernischen Stiftung für Agrarkredite (BAK) wie auch Geld von der Berghilfe getätigt werden. Zusätzlich zu den Eigenleistungen, mussten auch die Mitglieder der Alpgenossenschaft, einen Teil der Kosten selbst übernehmen.

Auch das Hirtenpaar konnte mitreden

Die Alp Bire mit der Birehütte liegt auf 1650 m ü. M. im Herzen des Regionalen Naturparks Gantrisch unterhalb des markanten Gantrisch-Gipfels. Seit 20 Jahren sind Anita und Hans Mäder aus Albligen BE als Hirtenpaar mit ihrer Familie bei der Alpgenossenschaft angestellt. Dazu, wie der Stall schlussendlich aussehen sollte, konnte auch das Hirtenpaar Mäder etwas sagen: «Wir wollten keinen Laufstall», bekräftigt Anita Mäder. Denn ihre Kühe, rund 20 Stück, wie auch ihre Rinder tragen noch Hörner.

Bauleiter Daniel Wehrli (l.) mit der Hirtenfamilie Hans und Anita Mäder mit Sohn Adrian.(Bild: Peter Fankhauser)

«Auch von den 120 fremden Rindern sind gut die Hälfte noch behornt», ergänzt ihr Mann Hans Mäder. Heute haben in der neuen Alphütte 75 Rinder Platz. Es gibt 38 Kuh- und 20 Kälberplätze. Auch die 80 Ziegen können jetzt auf zwei Lägern untergebracht werden.

Die BauernZeitung durfte die neue Alphütte auf der Bire gemeinsam mit Daniel Wehrli besichtigen. Wehrli ist Mitglied der Alpgenossenschaft Bireberg und war als Gesamtprojektleiter hauptverantwortlich für die Behördengänge und für die Finanzierung und er hatte auch die Bauleitung unter sich. «Wir waren kurz vor der Kapitulation, bis wir die Baubewilligung doch noch erhielten», sagt er.

Vom Tierschutz- wie auch vom Lebensmittelgesetz her sei die alte Alphütte nicht mehr regelkonform gewesen. Man könne sich ungefähr vorstellen, wie eine 265 Jahre alte Hütte von innen und von aussen mit der Zeit aussehe. «Die Alpgenossenschaft wollte auf der Bire unbedingt eine vielfältige und traditionelle Alpwirtschaft beibehalten», so Wehrli. Das heisst, mit Kühen, Rindern, Kälbern und Ziegen. Das heisst auch mit Käsen und einer kleinen Buvette. So habe sich die Alpgenossenschaft praktisch einstimmig entschieden, den Neubau in Angriff zu nehmen.

Zuerst musste einmal Strom her

Im Jahr 2016 wurde erstmals über einen möglichen Neubau diskutiert. Bevor man überhaupt ans Bauen denken konnte, musste die Hütte aber erst mit Strom versorgt werden. Bis anhin wurde ausschliesslich mit Generatoren gearbeitet. So wurde ein 700 m langes Elektrokabel von der unteren Gantrischhütte hinauf auf die Bire gezogen.

Im Jahr 2019 wurde schliesslich mit der Planung begonnen, die Bauunterlagen für eine Voranfrage wurden an 15 Ämter verschickt. «Von sämtlichen Ämtern bekamen wir einen negativen Bauentscheid», erzählt Daniel Wehrli. Mit einer so deutlichen Reaktion habe man nicht gerechnet. Die Odyssee habe da allerdings erst so richtig angefangen: Das Bauprojekt musste mehrmals abgeändert und gewisse Auflagen mussten neu erfüllt werden. Das Amt für Naturschutz, das Bundesamt für Umwelt (Bafu), das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) oder der Moorschutz – sie alle hätten der Alpgenossenschaft Steine in den Weg gelegt.

Im Rinderstall haben 75 Tiere Platz. Dieser wurde so gebaut, dass man ihn später auch zum Laufstall umfunktionieren kann.(Bild: Peter Fankhauser)

«Vor allem mit dem Moorschutz hatten wir lange Diskussionen», weiss Daniel Wehrli noch. Bis zuletzt lag es an ihnen, ob das Bauprojekt überhaupt zustande kam oder nicht. «Der Moorschutz befürchtete, dass die neue Alphütte nicht ins Gebiet passe, schädlich für den nahegelegenen Gantrisch-See sei und für Fauna und Flora nur Nachteile bringe. Am liebsten wäre es ihnen gewesen, wenn wir die Alp nicht mehr betrieben hätten», so die Schlussfolgerung von Wehrli.

Leider wollten die Beamten des Moorschutzes partout keine Begehung vor Ort machen, was für die Alpgenossenschafter nicht nachvollziehbar war. Als nach etlichen Sitzungen mit dem Moorschutz die ersehnte Baubewilligung am 14. Februar 2024 doch noch eintraf, legte schliesslich das Bafu Anfang August 2024 Einsprache gegen den Kantonsentscheid des AGR ein.

Weitere Abklärungen wurden verlangt

«Ungläubig und niedergeschlagen nahmen wir diesen Entscheid zur Kenntnis», erzählt Daniel Wehrli. Der Bund habe weitere Abklärungen verlangt, hauptsächlich Bewirtschaftungspläne, die Art der Eindeckung des Gebäudes, und ob es wirklich nötig sei, die alte Hütte zu ersetzen. «Also mussten wir abermals in den sauren Apfel beissen und dem Bafu gehorchen», weiss der Bauleiter noch.

Die Alpgenossenschaft reichte dann die verlangten Unterlagen ein und bekam nach 30 Tagen einen weiteren negativen Entscheid. Dieses Mal habe das Bafu ganz andere Punkte bemängelt. «Als wir fast keinen Ausweg mehr fanden, zogen wir am Schluss noch den Nationalrat Thomas Knutti mit ins Boot», so Wehrli. Nationalrat Knutti (SVP, BE) wurde umfassend über das Vorgehen des Bafu informiert, im Wissen, dass er mit dem Chef des Bafu, Bundesrat Albert Rösti, sprechen werde.  

Tradition wird bei der Hirtenfamilie Mäder grossgeschrieben. Im Herbst laufen sie mit rund 120 Tieren zurück nach Albligen. Die Strecke ist 36 km lang.(Bild: Peter Fankhauser)

«Am 12. März 2025 gab es im Bundeshaus die letzte Aussprache mit Vertretern vom Bafu, dem BLW, unserem Planer, Thomas Knutti und mir», blickt Daniel Wehrli zurück. Mit grosser Überraschung und ohne grosse Worte habe das Bafu dann grünes Licht zum Bauvorhaben gegeben. «Ich kann mir gut vorstellen, dass Bundesrat Rösti über unser Bauprojekt informiert wurde und dem Bafu schlussendlich Druck machte», mutmasst Wehrli.

Innerhalb von fünf Tagen abgerissen

Nun ging es Schlag auf Schlag: Am 4. August 2025 erfolgte auf der Bire der Spatenstich. Daniel Wehrli fungierte als Bauherr und übernahm auch einige Holzbauarbeiten. Zuerst standen die Maurerarbeiten auf dem Plan. Ein Gülleloch, ein Käsekeller, ein zusätzlicher Keller, eine Garage und ein Technikraum mussten errichtet werden.

«Ab dem 6. Oktober 2025 wurde die alte Hütte innerhalb von fünf Tagen komplett abgerissen», so der Bauleiter. Danach wurde der Stall mit den Lägern und den Schorrgräben fertiggestellt. «Bis in den November hinein konnten wir hervorragend vorrücken», so Wehrli. Dann kam der Winter und es gab einen Baustopp bis Mitte April 2026. Danach konnten die Bauarbeiten weitergeführt werden. Rund 200 m³ Holz wurden für den Neubau verwendet. «Unsere Zielvorgaben wurden mit dem Neubau erreicht. Wir konnten mit der Sömmerung am 6. Juni 2026 starten», so der Alpgenossenschafter.

«Etwas Schönes errichten»

«Der Stall wie auch der Wohnbau wurden sicher grosszügig konzipiert. Doch wir wollten für die nächsten Generationen etwas Schönes errichten», so die Begründung von Daniel Wehrli. Das Dach musste man, der Behörden wegen, mit grauem statt mit braunem Blech eindecken. «Die Eindeckung war bei den Behörden ein echtes Problem, ob grau oder braun. Zum Glück konnten wir uns auf ein 4 cm isoliertes, graues Trapezblech einigen», sagt Wehrli und schüttelt dabei den Kopf.

Kleine Details zeigen manchmal die grösste Wirkung.(Bild: Peter Fankhauser)

Heute kann man sagen, dass die Alpengenossenschaft ein schönes Projekt realisiert hat. Hätte man aber gewusst, welche Nerven und welchen Aufwand eine solche Baubewilligung kosten würde, hätten sie wahrscheinlich die Finger davongelassen. «Ich habe mehr als 1000 Arbeitsstunden investiert», sagt Wehrli, der nebenbei noch seinen Landwirtschaftsbetrieb mit 17 ha LN und die Wehrli-Holzbau GmbH führt.

Ein Leuchturmprojekt im Gantrisch-Gebiet

Rückblickend könne er sagen, dass man wahrscheinlich zuerst mit den Ämtern vom Moorschutz und dem Bafu sprechen sollte, bevor man eine Voranfrage für ein solches Projekt einreicht. «Dass jedes Amt am Schluss seinen Senf dazugeben muss, haben wir sicher unterschätzt. Doch jetzt freuen wir uns auf den Tag der offenen Tür vom 29. und 30. August, und wir versprechen den Besucherinnen und Besuchern mit dem Neubau der Alphütte sicher nicht zu viel», ist Bauleiter Daniel Wehrli überzeugt.

Die Alp Bire liegt auf 1650 m ü. M. mitten im Gantrischgebiet im Kanton Bern.(Bild: Peter Fankhauser)

Der Neubau auf der Bire sei im Naturpark Gantrisch sicher ein Leuchtturmprojekt mit weitreichender Ausstrahlung. Denn viele Alphütten müssen dort in den nächsten Jahren auch saniert werden.

Tag der offenen Tür

Neue Birehütte (Gantrisch BE)

Samstag, 29. August, von 10 bis 24 Uhr

Sonntag, 30. August, von 10 bis 16 Uhr

Ab Gurnigelpass signalisiert/Shuttlebus ab Parkplatz organisiert. Mit Festwirtschaft und Unterhaltung. Nur Barzahlung möglich.

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