Den Austausch mit Menschen muss man mögen, eine ganze Liste von Richtlinien erfüllen (siehe Infobox unten) und beim Kanton die Bewilligung einholen. «Es braucht etwas Ausdauer, bis ein Agrotourismusangebot steht – und es muss auf den Hof passen», weiss Heidy Jenni aus Erfahrung.
Sie berät am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN), Landwirte, die in den Agrotourismus einsteigen möchten, aber auch Landwirtinnen, die bereits ein solches Standbein betreiben. Bezüglich ihrer Zielsetzung sagt sie: «Ich möchte den Landwirten Mut machen, ein Agrotourismusangebot aufzubauen, und sie im Bewilligungsprozess unterstützen.»
Potenzial ist gross
Die Nachfrage nach solchen Angeboten auf den Zentralschweizer Bauernhöfen ist ungebrochen vorhanden, weiss die Fachfrau. Übernachtungsmöglichkeiten sind gefragt, Hofläden gut besucht und Stellplätze für Camper gesucht. «Eine Auszeit in der Natur, fernab von Technik und Digitalisierung, ist beliebt, besonders begehrt sind spezielle Unterkünfte und Erlebnisse», erklärt Barbara Rosenberg-Traufer. Sie koordiniert bei Luzern Tourismus das Projekt «Agrotourismus als Chance».
Potenzial liege in Erlebnisangeboten, wie beispielsweise Geissentrekkings oder Degustationen, im Trend seien aber auch pädagogische und sozialtherapeutische Projekte wie beispielsweise SchuB – Schule auf dem Bauernhof. «Die Volksschule ist offen und begrüsst ausserschulische Angebote mit pädagogischem Inhalt», weiss Heidy Jenni.
Wie solche Angebote gut und auf offiziell korrektem Weg aufgegleist werden können, vermittelt sie nicht nur in persönlichen Beratungsgesprächen, sondern auch im Arbeitskreis Agrotourismus, der vom BBZN organisiert wird. «Im Fokus steht der Austausch. Bei den Arbeitskreistreffen besuchen wir jeweils einen Betrieb und widmen uns in einem zweiten Teil einem aktuellen Thema. So können Weiterbildung und Erfahrungsaustausch optimal verbunden werden», gibt die Beraterin Auskunft.

Passgenaue Angebote
Im Kanton Luzern findet ein Generationenwechsel jener statt, die die ersten Agrotourismusangebote vor 20 bis 25 Jahren initiiert haben. Nun sei es ihr Anliegen, die nächste Generation dazu zu animieren, diese Angebote weiterzuführen, auszubauen oder selbst etwas Neues auf die Beine zu stellen, verrät Heidy Jenni.
Genau für solche Neueinsteiger eignet sich eine Teilnahme am Arbeitskreis. «Dort besprechen wir aktuelle Trends oder was es bedeutet, sich nicht unter Wert zu verkaufen, die Zielgruppe klar zu definieren und die eigenen Ressourcen nicht zu überschätzen», erklärt die Fachfrau.
Hohe Investitionen – grosser Anklang
«Für uns war dieser Arbeitskreis in der Anfangsphase enorm hilfreich. Nach jedem Treffen gingen wir nach Hause, um Anpassungen an unserem Angebot vorzunehmen», erinnert sich Franz-Xaver Herger. Auf seinem Begegnungshof, den er gemeinsam mit seiner Frau Doris in Altdorf UR führt, bietet er vom Erlebniseinkauf, über die Spielgruppe bis zu Camper-Stellplätzen diverse Angebote im Bereich Agrotourismus an.
«Unser Gedanke war es, unseren Hof für die Bevölkerung zu öffnen. So starteten wir 2008 mit der Offenen Stalltür und entwickeln unser Angebot seither Schritt für Schritt weiter», erzählt Herger.
Dieser Ausbau erfordere Investitionen, und der Umgang mit den Besuchern sei nicht immer ganz einfach, manchmal käme es sogar zu Diebstählen, spricht der Landwirt die herausfordernden Seiten solcher Angebote an.

«Die positiven Aspekte überwiegen aber klar, sonst würden wir nicht seit knapp 20 Jahren Erlebnisse im Bereich Agrotourismus anbieten», stellt Franz-Xaver Herger klar. Auf diese Weise Menschen jeden Alters etwas vom Leben auf einem Bauernhof mitzugeben und so Freude zu bereiten, das sei ihr Ansporn.
Mut zur Absage
Wer solche Angebote nur des Geldes wegen auf die Beine stellt, sei falsch beraten, findet er. Dieser Aussage stimmt Heidy Jenni zu. «Ein agrotouristisches Angebot soll die Wertschöpfung auf dem Hof steigern, aber es muss auch zu den Menschen auf dem Hof passen.»
Sie rät, auch mal mutig etwas nicht anzubieten. «Vermittelt man klar, dass beispielsweise an einem Sonntag keine Führungen möglich sind, stellt dies üblicherweise ein viel geringeres Problem dar, als sich die Landwirte dies ausmalen», kann die Beraterin aus Erfahrung sagen.
Welche Richtlinien müssen erfüllt werden?
- Der Stammbetrieb muss ein landwirtschaftliches Gewerbe im Sinne des BGBB darstellen (1.0).
- Talgebiet 1.0 SAK / Hügelgebiet 0.8 SAK / Berggebiet 0.6 SAK.
- Der Gesuchsteller hat einen Projektbeschrieb (wer, was, wie, wann) einzureichen.
- Der Nebenbetrieb muss denselben gesetzlichen Anforderungen entsprechen wie ein vergleichbarer Betrieb innerhalb der Bauzone.
- Die Existenz des Nebenbetriebs ist im Grundbuch anzumerken.
- Die Anstellung von Personal ist zulässig.
- Die Führung hat durch den Bewirtschafter oder dessen Partnerin zu erfolgen.
- Die maximale Fläche beträgt 100 m², wobei Flächen innerhalb des bestehenden Volumens zur Hälfte angerechnet werden.
Kostenloser Schnupperanlass: Arbeitskreis Agrotourismus
Der nächste Arbeitskreis Agrotourismus Zentralschweiz findet am Donnerstag, 24. September 2026, am Abend statt. Dieser Schnupperanlass ist für Interessierte kostenlos.
Für weitere Informationen wenden Sie sich an Heidy Jenni vom BBZ Natur und Ernährung unter der Telefonnummer 041 590 60 57 oder per E-Mail an heidy.jenni@sluz.ch. Eine Anmeldung wird erbeten, daraufhin wird das genaue Programm verschickt.
Weitere Informationen zur Unterstützung und Beratung bei Agrotourismus-Projekten sind zu finden unter: www.luzern.com/de/agrotourismus

