Im Kanton Freiburg gibt es noch 2661 Landwirtschaftsbetriebe. Im Jahr 2000 waren es noch deren 3804. «Auch bei uns ist der Strukturwandel bemerkbar», bedauert Fritz Glauser, Präsident des Freiburger Bauernverbands (FBV), an deren Generalversammlung in Siviriez. Glauser hob immer wieder die Wichtigkeit der Landwirtschaft hervor. Denn: Ohne Bauern keine Nahrung, und ohne Bauern auch kein gepflegtes Landschaftsbild.
Bei der Familie Pittet
Bevor es zur Generalversammlung ging, wurde auf dem Betrieb von Etienne Pittet in Romont ein Pressefrühstück abgehalten. Die Familie Pittet produziert Milch für Gruyére AOP und hält in ihrem Stall 50 Kühe. Auf die Frage, ob der Nachwuchs im Kanton Freiburg weiterhin bereit sei zu melken, antwortet Fritz Glauser: «Ja, die jungen Landwirtinnen und Landwirte wollen an der Milchviehhaltung festhalten», ist er überzeugt.
Aber: «Wir müssen die Frage vielleicht anders stellen. Wenn die Sortenorganisation von Gruyère AOP weiterhin am Melkroboterverbot festhält, werden viele junge Milchbauern das Handtuch werfen, davon bin ich überzeugt», warnt Glauser.

Zum Teil gute Preise
Natürlich freue es ihn, dass die Milch- und Rindfleischpreise schon lange im Aufwärtstrend seien. Doch die gestiegenen Energie- und Düngerpreise würden die Preiserhöhungen wieder wegfressen. Anders sehe es bei den Schweinezüchtern und Schweinemästern aus, hier stimme das Angebot und die Nachfrage schon lange nicht mehr, und die Schweinehalter müssten schon lange mit tiefen Preisen zurechtkommen. Trotzdem sei es wichtiger denn je, nicht zuletzt auch wegen der aktuellen Weltlage, dass man die Inlandversorgung stärke. «Es muss nicht 100 Prozent sein, aber wir sollten zumindest das Niveau, das wir aktuell haben, halten können», fordert der FBV-Präsident.
Das Ziel müssten nicht nur kostendeckende Preise sein, sondern, dass die Bauern an ihren Produkten auch etwas verdienen. Zum Glück stehe die Schweizer Bevölkerung weiterhin hinter einer starken einheimischen Landwirtschaft, dies habe die Massentierhaltungs-Initiative einmal mehr bewiesen. Trotzdem stösst Glauser das Abstimmungsresultat sauer auf: «Obwohl der Bioanteil auf dem Markt nur 10 bis 12 Prozent ausmacht, haben sich schweizweit doch rund 37,5 Prozent für die Initiative, welche die Bionormen fordert, ausgesprochen», hält er fest.

Der Dialog ist schwierig
Für Frédéric Ménétrey, Direktor des FBV, heisst es nun, weiterhin politisch zu kämpfen, damit die Bauern auch in Zukunft gute Rahmenbedingungen vorfinden. «Mit Überzeugung und proaktivem Handeln wird es möglich sein, Politik und Handel dazu zu bringen, mehr Rücksicht auf den Primärsektor zu nehmen», ist er überzeugt. Denn es seien immer noch die Bauern, welche die Weltbevölkerung ernähren würden. Doch er müsse oft feststellen, dass der Dialog schwierig und enttäuschend sei.
An der GV wurde aber nicht nur politisiert, sondern in den statutarischen Geschäften auch über das einte oder andere abgestimmt. Die Rechnung wurde gutgeheissen, den Beiträgen für Einzelmitglieder von 9 Franken pro ha/LN und einem Basisbetrag von 50 Franken pro Landwirtschaftsbetrieb mit mehr als 0,20 SAK wurde zugestimmt. Zu neuen Delegierten des FBV an der Versammlung des Schweizerischen Bauernverbands wurden Etienne Pittet, Charly Cotting und Joël Martin nominiert.
Neue Versicherung für Rinder
Jedes Jahr verbessern die Versicherungen vom Freiburger Bauernverband ihre Leistungen und Deckungen für landwirtschaftliche Betriebe. Seit diesem Jahr kommt ein weiteres Produkt dazu. Und zwar eine Erwerbsausfallversicherung für Rinder im Falle einer Tierseuche. Die Umsetzung dieser Lösung wurde mit der Nutztierversicherungsanstalt Sanima ausgearbeitet, die im Kanton Freiburg die obligatorische Versicherung für Nutztiere im Falle von Tierseuchen ist. Das Ziel der zusätzlich angebotenen Versicherung sei, dass man mögliche Erwerbsausfälle in der Rinderzucht, der Milchproduktion oder in der Mast abfedern kann. Mit dieser Versicherung kann der Freiburger Bauernverband nun auch Erwerbsausfälle bei Rindern mit einer speziellen AXA-Versicherung abdecken.

