Gemäss Zahlen des Welternährungsprogrammes der Vereinten Nationen gehen nach wie vor 821 Millionen Menschen jeden Abend mit leerem Magen ins Bett. Eine von neun Personen ist weltweit von Hunger betroffen. Sollen die nachhaltigen Entwicklungsziele der vereinten Nationen erreicht werden, dann muss diese Zahl bis 2030 auf null sinken. Ob das möglich sein wird, hängt nicht nur vom politischen Willen ab, sondern ist auch davon abhängig, ob sich die Landwirtschaft dem Klima anpassen kann. In Australien, Kanada, den USA und in China ist mit Produktionseinbussen zu rechnen, weil es zu trocken ist, bzw. weil sich Schädlinge rasant ausbreiten.
«Idai» sorgt für Zerstörung
Zusätzlich hat Zyklon Idai im Ostafrikanischen Mosambik, in Simbabwe und Malawi teilweise verheerende Überflutungen hinterlassen. In Simbabwe war es zudem in vielen Teilen des Landes zu trocken, weshalb Ernten teilweise komplett ausfallen. Die Situation dort ist so gravierend, dass die Spezialisten des Welternährungsprogramms (WFP, eine Behörde der UNO) der Regierung empfehlen, den Import von Getreide zu priorisieren sowie mit subventioniertem Futter die Versorgung der Tiere sicherzustellen und unter anderem in die Ausbildung der lokalen Landwirte zu investieren.
Simbabwe zeigt exemplarisch, wie schnell sich eine angespannte Situation zuspitzen kann, wenn das Wetter nicht mitspielt. Aus globaler Sicht von entscheidender Bedeutung sind deshalb die Lagerbestände, insbesondere für Getreide. Wie Zahlen der Weltlandwirtschaftsorganisation FAO zeigen, ist die Gesamtproduktionsmenge nach wie vor steigend; 2019 wird ein Plus von 1,9 Prozent erwartet. Ebenfalls sollte sich gemäss Prognose auch der Verbrauch um etwa 1 Prozent auf 26 Millionen Tonnen Getreide erhöhen. Laut FAO-Prognose werden sich die Lagerbestände bei rund 830 Millionen Tonnen einpendeln; das entspricht rund einem Drittel der weltweiten Jahresproduktion.
Kriege spielen auch eine Rolle
Nicht nur der Klimawandel, auch politische Spannungen können für Hunger verantwortlich sein. Ein abschreckendes Beispiel dafür ist Syrien; nach Angaben des WFP sind dort insgesamt 6,7 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Südsudan
Die letzte humanitäre Krise konnte im Herbst 2018 bewältigt werden. Trotzdem wissen fast sieben Millionen Menschen (60 Prozent der Bevölkerung) laut dem Welternährungsprogramm der Uno nach wie vor nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommt.
Nigeria
In Borno, Yobe und Adamawa im Nordosten Nigerias sind rund 1,9 Millionen Menschen von Unterernährung betroffen. Grund dafür sind gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und der Regierung.
Jemen
Im Jemen sind rund 20,1 Millionen Menschen (67 Prozent der Bevölkerung) erheblich von Ernährungsunsicherheit betroffen; davon befinden sich 9,65 Millionen Menschen in einer Notlage; rund 238 000 Menschen in einer Katastrophe. Grund dafür sind verschiedene Konflikte, daraus folgende wirtschaftliche Schocks sowie fehlende Niederschläge.
Somalia
Zwar konnten die somalischen Kleinbauern im Sommer 2018 eine überdurchschnittliche Ernte einfahren. Die Regenzeit im Herbst war allerdings schlechter als gewöhnlich, was die zweite Ernte ebenso schmälerte, wie die Regeneration der Weiden. Knapp zwei Millionen Menschen sind akut von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Kanada
Im Westen von Kanada ist es derzeit ungewöhnlich trocken– mit Folgen für die Produzenten. Laut einem Bericht im «Western Producer» sind Landwirte in Saskatchewan bereits gezwungen, ihre Rindviehbestände zu verkleinern. Die Folge davon sind fallende Preise auf dem Rindviehmarkt. Wie stark sich die Trockenheit auf die Gesamtproduktion auswirken wird, lässt sich noch nicht wirklich abschätzen.
DR Kongo (Kasai)
In der Region Kasai in der demokratischen Republik Kongo sorgt ein Konflikt dafür, dass rund 7,7 Millionen Menschen von massiver Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Rund 4,6 Millionen Kinder sind akut unterernährt. Insgesamt sind 13,1 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Syrien
In Syrien sind nach Angaben des Welternährungsprogrammes 6,7 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen. Grund dafür ist der Bürgerkrieg, der mittlerweile 5,6 Millionen Syrerinnen und Syrer in umliegende Länder vertrieben hat.
Afghanistan
In Afghanistan sind rund 10,6 Millionen Menschen von Ernährungsunsicherheit betroffen, 2,9 Millionen Menschen befinden sich in einem akuten Notfall. Grund dafür sind ausgeprägte Trockenheit und damit verbundene Kämpfe um natürliche Ressourcen.
Indien
In Indien sind mindestens zehn Millionen Menschen von aktuer Wasserknappheit betroffen. Das vermeldet die Nachrichtenagentur Wires. Grund dafür sind ungewöhnlich geringe Niederschläge während des Monsuns. Die Folge davon sind ausbleibende Ernten. Gleichzeitig sind im Norden und im Osten Indiens die Temperaturen auf bis zu 48 Grad Celsius gestiegen.
Mosambik
In Mosambik brauchen gemäss dem Welternährungsprogramm rund 1,85 Millionen Menschen humanitäre Hilfe, 1,7 Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Grund dafür ist Zyklon Idai, der Mosambik am 14. März dieses Jahres erreichte und rund 400 000 Hektaren Agrarland überschwemmte.
Malawi
In Malawi sind rund 3,3 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, rund 450 000 befinden sich laut Zahlen der vereinten Nationen in einer Notsituation. Grund dafür sind Trockenheit und zunehmend unvorhersehbares Wetter.
Simbabwe
In Simbabwe sind gut drei Millionen Menschen (22 Prozent der Bevölkerung) von Ernährungsunsicherheit betroffen. Einerseits hat Zyklon Idai rund 268 000 Menschen in die Ernährungsunsicherheit getrieben. Andererseits macht eine erneute Trockenheit den Menschen in Simbabwe zu schaffen. Rund 2,9 Millionen sind davon betroffen.
USA
Die Produktion in den USA wird derzeit von mehreren Faktoren beeinflusst: Das Wetter in den letzten Monaten sorgte für Überflutungen, derweil es im Nordosten ungewöhnlich trocken ist. Ersteres führte dazu, dass insbesondere Mais nicht rechtzeitig gepflanzt werden konnte. Hinzu kommt der Handelskrieg mit China, der für die US-Farmer Absatzmärkte – insbesondere für Soja – schwieriger erreichbar macht, wie die Zeitung «The Guardian» berichtet.
China
Chinesische Landwirte kämpfen einerseits mit der Afrikanischen Schweinepest, andererseits mit dem «Fall Armyworm»; zu Deutsch Herbst Heerwurm oder Spodoptera frugiperda. Ersteres sorgt bei den Schweinebeständen für massive Verluste, letzteres für erhebliche Schäden in Mais, Weizen, Soja und vielen anderen Pflanzenarten. Die chinesische Regierung rechnet laut dem Newsportal «Bloomberg» damit, dass sich der Schädling im kommenden Jahr über das ganze Land verbreiten könnte. In Kombination mit dem Handelskrieg mit den USA und der Afrikanischen Schweinepest könnte es zu massiven Störungen bei der Versorgung der Bevölkerung kommen.
Australien
Im Südosten und dem Nordwesten Australiens ist es ungewöhnlich trocken. Als Folge der ausbleibenden Niederschläge ist die Getreideproduktion stark zurückgegangen. Australien wird laut dem Nachrichtenportal «ABC» zum ersten Mal seit 2007 wieder Getreide importieren müssen. Auch die Rindviehbestände sind so tief, wie seit 25 Jahren nicht mehr.

