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Standpunkt: Den Konsumenten soll die Landwirtschaft näher gebracht werden

Der Berner Bauernpräsident weiss, dass es unzählige Beispiele gibt, den Konsumenten die Landwirtschaft näher zu bringen. Die Bauern müssen nur lernen darüber zu sprechen.

Es gibt wunderbar verständliche Beispiele – wir Bäuerinnen und Bauern müssen lernen, darüber zu sprechen. Ein erstes Musterbeispiel: Damit eine Person, die mit Abbauprodukten vom Wirkstoff Chlorothalonil belastetes Trinkwasser konsumiert, in einen toxischen Gefahrenbereich kommt, muss sie eine volle Badewanne Wasser pro Kilo Körpergewicht trinken und das jeden Tag. Anders gesagt: Wenn jemand Trinkwasser von der Seeländischen Wasserversorgung konsumiert, das gemäss neusten Analysen den durch den Bundesrat vorsorglich festgelegten Grenzwert überschreitet, darf diese Person nur noch eine halbe Badewanne Wasser pro Kilo Körpergewicht und Tag zu sich nehmen.

Jeder und Jede hat einen Flächenbedarf

Ein weiteres Beispiel: Was hat ein Maurerlehrling oder eine Bankkauffrau mit Zuckerrüben zu tun? Maurerlehrling oder Bankkauffrau und Red Bull, tönt schon verständlicher. Die Verbindung liegt beim Zucker. Mit dem Zucker aus 1 m2 Zuckerrüben können 44 kleinere oder 33 grössere Dosen Red Bull produziert werden. Angenommen der Maurerlehrling konsumiert pro Woche vier Red Bull und die Bankkauffrau zwei, dann haben beide einen Flächenverbrauch von 2,4 bis 4,7 m2 nur für das Süssgetränk.

Viele Konsumentinnen wissen das nicht oder es ist ihnen nicht bewusst – sie haben einen Flächenbedarf. Und dieser Boden ist eine unserer wichtigsten Produktionsgrundlagen. Auf diesem produzieren wir nicht nur Zucker für Red Bull, sondern auch saubere Luft für die Schweizer Bevölkerung und die Touristen. Dazu betreiben wir mit dieser Kultur auch aktiven Klimaschutz – die Rübe kann mehr als Zucker, weil sie rund 35 Tonnen CO2 bindet je Hektare.

Verzichten ist keine Alternative

Blind und unklug, wer nun behauptet, dass Zucker ungesund ist, den Boden überbeansprucht und so die Umwelt belastet. Was steht der Landwirtschaft als Alternative zur Auswahl und was hat der Konsument für Möglichkeiten? Ich selber möchte ein süsses Dessert mit Zucker aus nachhaltigem Zuckerrübenanbau.

In der Schweiz ist das kein Problem. Schweizer Zucker ist nachhaltig, das ist wissenschaftlich belegt. Ob ein Ausstieg aus der Zuckerrübenproduktion sinnvoll, oder ob der Konsument so konsequent ist und in Zukunft ganz auf Zucker verzichtet? Liebe Konsumentinnen und Konsumenten: Red Bull, Honig oder Dessert ohne Zucker, das heisst Verzichten und ist auch für die Zukunft keine wirkliche Alternative.

Viele Entscheide vergessen die Auswirkungen für die Nachhaltigkeit

Das Wort Verzichten und «sich einschränken» hat in den letzten vier Monaten eine andere Bedeutung erhalten. Vielen Steuerzahlern ist bewusst geworden, wie hoch unsere Lebensqualität ist. Sich bewusst und gesund ernähren, mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln. So vermeiden wir Foodwaste und schützen erst noch das Klima und die Umwelt. Da liegt es weder im Trend noch ist es ethisch vertretbar, wenn die reiche Schweiz ärmeren Ländern Lebensmittel wegimportiert. Jeder Mensch hat einen Flächenverbrauch nur schon um seine Ernährung sicherzustellen.

Bei der Nahrungsmittelproduktion entstehen als Nebenprodukt Emissionen, egal wo Lebensmittel hergestellt werden. Dass in der Schweiz immer weniger Bauernbetriebe, für immer mehr Leute Nahrungsmittel produzieren, geht in der Polemik um die Landwirtschaft unter. Oft werden Entscheide in Politik, Verwaltung und Wirtschaft gefällt, ohne die Abwägung zu machen, was diese denn in den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit für Auswirkungen haben. Vor allem einige Parteien und Denkfabriken kennen das nicht. Das Wissen, die Haltung und der Respekt fehlen ihnen dazu. Wie sonst könnte irgendjemand auf die Idee kommen, dass der Staat uns das Essen, den Menüplan, oder was aufs Teller kommt, vorschreiben soll? Wer frisst denn unser Gras im Grasland Schweiz?

Unser Beruf erfüllt einen Auftrag gemäss Verfassung

Auf unseren fruchtbaren Böden werden Nahrungsmittel produziert. Die meisten in einem Label Bio Suisse oder IP-Suisse, fast alle unter ÖLN-Standard. Das heisst Nährstoffkreisläufe, geregelte Fruchtfolge, bodenschonende Bearbeitungsmethoden, Pflanzenschutz nach neusten und wissenschaftlich anerkannten Methoden. Tierproduktion und Ackerbau nach bewährten und neusten technologischen Erkenntnissen. Das ist ein Teil unseres Berufes, unserer Berufung, der Leidenschaft und Herzblut vereint und entspricht unserem Auftrag gemäss Verfassung. Die Land- und Ernährungswirtschaft in der Schweiz ernährt 8,5 Millionen Menschen. Für viele Länder ist dies keine Selbstverständlichkeit, eine Milliarde Menschen hungern.

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