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«Spiel mir das Lied vom Tod»

Unser Gastautor Martin Haab äussert sich zum Krieg in der Ukraine und zu den Konsequenzen für die globale Ernährung. Bei den Bildern von zerstörten Bauernhöfen fühlt er sich an einen Italowestern aus dem Jahre 1968 erinnert.

C’era una volta il West (Ost). Seit nunmehr sieben Wochen tobt der Angriffskrieg Putins in der Ukraine. Täglich erreichen uns schreckliche Bilder von Gräueltaten im Kriegsgebiet. Unverständnis und Traurigkeit erfüllen uns alle. Auch wegen der persönlichen Kontakte zu Personen, welche im Kriegsgebiet leben, geht dieser Konflikt alles andere als emotionslos an mir vorbei.

Kühe zwischen verbombten Ställen

Vor einigen Tagen wurde mir ein Kurzfilm zugespielt, welcher das schreckliche Ausmass eines Angriffs auf eine grosse Milchfarm dokumentierte. Völlig zerstörte Stallungen und ein Maschinenpark, mit dem keine Arbeiten mehr verrichtet werden können. Einzelne Kühe mit prall gefüllten Eutern stolpern über das zerbombte Betriebsgelände oder trotten aus der Fahrsiloanlage, wo sie vermutlich noch einen Bissen Fressbares gefunden haben. Ein Anblick, bei dem jedes Bauernherz blutet. Eine gespenstische Stille liegt über dem Hof. Ich denke an die Filmszenen des Italowesterns «Spiel mir das Lied vom Tod» aus dem Jahre 1968.

Gezielte Bombardierungen

In diesem Konflikt werden Getreidesiloanlagen gezielt bombardiert, Lagereinrichtungen unbrauchbar und vorhandenen Vorräte unverkäuflich gemacht. Der russische Aggressor demoliert gezielt die Infrastrukturen der Land- und Ernährungswirtschaft und attackiert die Nahrungsmittelversorgung und den Hauptwirtschaftszweig der Ukraine. Damit bricht er die Moral der ländlichen Bevölkerung vollends.

Weitere Unruhen befürchtet

Laut Expertenberichten bringt Putin damit den Hunger zu weiteren hundert Millionen Menschen, vor allem in Nordafrika und im Mittleren Osten. Diese sich anbahnende Krise in der Dritten Welt wird Unruhen und Revolten auslösen. Der Russe destabilisiert damit mittelfristig Europa und weite Teile der übrigen Welt.

Wer von uns hätte Anfang Jahr darauf gewettet, das ein Krieg in Europa und die damit einhergehende Nahrungsmittelkrise und mögliche Hungersnöte in der Welt das Hauptthema im Jahre 2022 sein werden? Wer angenommen hat, dass die Coronakrise als Hauptereignis dieses Jahrzehnts in die Geschichte eingehen wird, muss wohl seine Annahme nochmals überdenken.

Zum Autor

Martin Haab ist Landwirt ist Präsident des Zürcher Bauernverbands und SVP-Nationalrat. Er schreibt für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

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