Das Jahr 2022 hat uns wohl in ziemlicher Heftigkeit vor Augen geführt, dass die ganze Welt im Umbruch steht. Wer hätte gedacht, dass meine Generation einen Dritten Weltkrieg erlebt? Dass die Natur sich rächt, an all dem, was wir mit ihr machen?
Krisenherde in der ganzen Welt
Unruhen im Iran, welche nicht abbrechen, bei denen die Demonstranten nur wollen, was wir nicht anders kennen, nämlich Freiheit, Toleranz und Menschenwürde. In Afghanistan, das ins Mittelalter zurückkatapultiert wurde, niemand den Frauen hilft zu ihren Rechten zu kommen und die Bevölkerung an Hunger stirbt. Viele andere Krisengebiete wie Jemen, Syrien, Hungersnot in Afrika, von denen nicht mehr gesprochen wird, die aber dennoch nicht gelöst sind, beschäftigen uns. Es ist, als würde sich die Büchse der Pandora öffnen. Nichts ist mehr wie es ist, alleine die Hoffnung bleibt.
Innenpolitisch hoffen wir ja nicht, dass, so wie die SVP es ausdrückt, Armut, Hunger und Tod eine Tatsache werden. Aber auch hier wird über die Energiekrise, die Gesundheitsversorgungskrise und die Klimakrise, wie auch die Auswirkungen des Ukrainekrieges diskutiert. Eigentlich wissen wir schon lange, dass es nicht immer höher und weiter gehen kann.
«Der Aufwand, den wir betreiben, um noch mehr konsumieren und besitzen zu können, steht in keinem Verhältnis zu dem, was wir an Natur und Menschen Schaden anrichten.»
Anna Luchsinger zum Umgang mit den natürlichen Ressourcen
Die Vorzeichen waren unverkennbar
Gerade was die Klima- und Gesundheitsversorgungskrise betrifft, waren die Vorzeichen unverkennbar. Aber leider handelt der Mensch erst, wenn es zu spät ist. Vielleicht bringt ja die digitale Revolution eine neue «Homo sapiens»-Kategorie hervor. Eine, die vorausschauend handeln kann und nicht dauernd hinterher reagieren muss. Bis jetzt haben aber nicht einmal errechnete Modelle sich an die Tatsachen gehalten. Sonst wären wir jetzt nicht überrascht, dass die Gletscherschmelze viel schneller passiert, als vorausgesagt.
Umdenken in der Landwirtschaft zeichnet sich ab
In diesen Zeiten bleibt uns wohl nur die Hoffnung, dass wir es besser machen können. Dass etwas geschieht, zeigen gerade aktuell die Verantwortlichen der Landwirtschaft auf, die mit den Umweltverbänden zusammensitzen und beraten, was man gegen die Klimakrise machen kann.
Die unverrückbare Meinung, dass wir Fleisch bis zum äussersten produzieren und deren Handel unterstützen müssen, zeigt Brüche. Es finden Diskussionen statt, welche klar aufzeigen, dass die Schweiz wieder vermehrt pflanzliche Nahrung produzieren muss. Einerseits um die Umwelt zu schonen, andererseits um die Ernährungssicherheit gewährleisten zu können.
Ursachen bekämpfen, nicht die Symptome
Diese positiven Signale erhoffe ich mir auch für das Gesundheitswesen. Es sieht zwar nicht so aus, als ob der Bundesrat das Ausmass des Mangels an Pflegekräften erkannt hätte. So will er erstmal seinen Teil, welcher im Gegenvorschlag aufgenommen wurde, nämlich die Ausbildungsoffensive lancieren. Aber es ist jetzt schon zu spät. Es gilt die Ursachen zu bekämpfen und nicht Symptome zu behandeln.
«Wie in der Landwirtschaft muss ein Umdenken stattfinden. Es ist doch traurig, dass in den europäischen Rankings im Gesundheitswesen die Schweiz regelmässig auf den letzten Plätzen liegt.»
Anna Luchsinger zum Zustand des Schweizer Gesundheitswesen
Das Hauptproblem liegt darin, dass erst geholfen wird, wenn man krank ist. Weil nur mit kranken Menschen Geld generiert werden kann, wird viel zu wenig in die Prävention investiert. Die Ökonomisierung war gut gemeint, aber mittlerweile sind wir in einem falschen System gefangen. Jeder Player möchte einen Teil vom Kuchen, dies ist aber nicht mehr bezahlbar. Die Folgen sind, dass die Krankenkassenprämien jährlich steigen und durch die Belastung immer mehr Pflegekräfte aussteigen.
Neue Lösungen sind gefragt
Es braucht neue Lösungen. Es wäre gar nicht so schwierig, erstmal müsste der Prävention und Eigenverantwortung mehr Beachtung geschenkt werden. Wenn wir das System neu organisieren würden, bräuchte es weniger Spitäler. Nicht jeder Kranke muss in ein Spital, ambulante Gesundheitszentren könnten das übernehmen und würden viel weniger kosten.
Laut dem Mediziner Rüdiger Dahlke und dem Psychologen Thorwald Dethlefsen bleiben wir gesund, wenn wir in Harmonie mit uns und der Umwelt sind. Gerade mutige Leute wägen ab, was ihnen wichtiger ist, Wohlbefinden oder Wohlbesitz. Ein gutes Klima in der Familie, Sonne, Wärme, Zeit für sich. All dies trägt dazu bei, dass wir gesund bleiben. Die Politik wird immer hinterherhinken, darum sollte die Gesellschaft mutig sein und die ersten Schritte tun.
Zur Autorin
Anna Luchsinger ist ist Bäuerin und Pflegefachfrau. Sie führt mit ihrem Mann in Schwanden GL einen Biobetrieb und schreibt für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

