Der Kanton Luzern hat im vergangenen Jahr ein Projekt in Auftrag gegeben, um das Potenzial an Spezialkulturen aufzuzeigen. Dieses steht auch im Zusammenhang mit dem diese Woche vom Kantonsrat verabschiedeten Planungsbericht Klima und Energie. Spezialkulturen mit hohem Wertschöpfungspotenzial könnten eine echte Alternative sein zur Tierhaltung, und es gebe dafür einen wachsenden Markt.
Bier und Cider sind im Trend
Über zwei konkrete Möglichkeiten wird demnächst an einem Kurs informiert. Bier und Cider hätten einiges gemeinsam, sagt Beat Felder vom BBZN Hohenrain. «Beide Produkte profitieren vom Trend zu Regionalität, wohl auch weil industriell hergestellte oder importierte Produkte den Markt beherrschen.» Beim Bier seien das die Rohstoffe Hopfen und Malz, welche für Schweizer Biere meist importiert werden müssen, beim Cider liege das am fehlenden Angebot.
Zwar gebe es für Cider genügend Mostobst, in guten Jahren immer noch zu viel. «Mit der Sortenvielfalt, insbesondere im Hochstamm, liesse sich vom Geschmack her Cider jeglicher Art herstellen, ausgewogen, säuerlich, herb oder süss», weist Felder auf das Potenzial hin. Im Craft Cider liege wie beim Bier grosses Potenzial der Diversifikation und der aromatischen Bereicherung. Solche Produkte seien in der Zentralschweiz bereits auf dem Markt, und in den Qualitätswettbewerben Budliger’s Sulz, Mr. Q Kulmerau, Klosterhof Aesch, Wandele Obst Werthenstein oder Herzögler Schongau bereits aufgefallen. Alle diese Cider würden in Flaschen à 33 cl abgefüllt. «Es fehlen da nur noch die regionalen Cider-Zapfhähne, welche in keinem Pub oder Bierrestaurant fehlen dürften.»
Braugerste und Hopfen
Geprüft werden im Zusammenhang mit der «Offensive Spezialkulturen» im Kanton Luzern der Anbau von Hopfen und Braugerste. Der Anbau scheine von grossem Interesse zu sein, dürfte aber die lokalen Biere verteuern, erklärt Felder. «Nimmt der Markt die Lokalität als Mehrwert wahr, steht diesen Kulturen nichts im Wege.» Bei der Braugerste sei Extensivität gefordert, da der Preisdruck hoch sei. Zudem könne zu viel N einen zu hohen Eiweissgehalt bewirken, was zu stark schäumenden Bieren führe.
Zu prüfen seien auch geeignete Sorten für die hiesigen Böden. Mälzereien würden mittlerweile zur Verfügung oder in Planung stehen. Beim Hopfen wirke sich der Preis etwas weniger stark auf das Endprodukt aus. Die Kultur sei aber aufwendig, die Ernte verlange eine Spezialmechanisierung, soll sie nicht von Hand erfolgen. Sowohl Malz wie auch Hopfen gelten als gesund und finden in der modernen Ernährung oder in der Kosmetik Platz.
Hinweis
Der Kurs «Bier und Cider aus der Region» findet am 1. April, von 9 bis 16 Uhr am BBZN Hohenrain statt. Weitere Infos: www.bbzn.lu.ch/kurse

