Wer seine Leidenschaft zum Beruf macht, endet oft als Bürolist. So ergeht es auch Markus Schneider. «Ich bin 90 Prozent im Büro», sagt der Inhaber und Geschäftsführer von Schneider Agrar-Service. Das Büro befindet sich dort, wo einst die Kühe standen, heute herrscht hier aber eher eine Atmosphäre wie in einem Bienenhaus. Wir stehen mitten in der Dreschsaison und am Vorabend hat es geregnet. Das sorgt für Unruhe bei den Bauern und natürlich auch beim Lohnunternehmer.
Der Traum von Grossätti
Markus Schneider hat das Geschäft 2002 von Vater Ernst übernommen. Im selben Jahr starb der Grossätti. Er war Arbeiter in der nahen Porzellanfabrik Langenthal. Zeitlebens wollte er Tiere halten. 1969 konnte er den Traum mit dem Kauf des bescheidenen Betriebs mit 1,5 ha Fläche verwirklichen.
1970 legte sein Sohn Ernst den Grundstein für das Lohnunternehmen. Er begann mit einer Einzelkornsämaschine, einem ersten Maishäcksler und einer Kleinballenpresse. Schon 1972 folgte der Bau der Halle für den ersten Mähdrescher. Heute sind es deren fünf und ein Maschinenpark, der den berichterstattenden Mäpplibauer in Staunen versetzt, dabei ist beim Rundgang nur ein kleiner Ausschnitt der «Hardware» zu sehen, ein Grossteil ist unterwegs oder steht in den drei angemieteten auswärtigen Hallen.
«Das Wort zählt weniger»
Zum Gelände gehört auch eine stattliche Werkstatt. «Eigentlich wäre ich am liebsten am Flicken», sagt Markus Schneider, der wie mehrere seiner Mitarbeitenden gelernter Landmaschinenmech ist. Doch dazu kommt er selten, ebenso rar sind die Gelegenheiten, ein wenig Diesel zu verbrennen, wie er sagt. Immerhin: «Gestern habe ich meinen Raps gedroschen», so Schneider. Zum Betrieb gehören auch30 Hektaren Pachtland. Sein Traumjob sei aber ungestörtes Rübenroden in der Nacht.
Das Geschäft läuft nach Schneiders Angaben gut. Allerdings macht er keinen Hehl daraus, dass der Markt eng und die Konkurrenz hart ist. «Das Wort zählt weniger als früher», sagt der bald 50-jährige Vater zweier erwachsener Kinder. Die Agroscope-Standard-Tarife würden gerade beim Dreschen deutlich unterboten.
Die Zahlungsmoral der Kunden sei « Direktzahlungs-gesteuert», sagt Schneider. «Das heisst, wenn die Direktzahlungen kommen, muss deine Rechnung schon auf dem Tisch liegen.» Im Durchschnitt lägen 42 Tage zwischen Rechnungsdatum und Zahlung, diese Zahl kennt Schneider genau.
Sein Agrar-Service macht knapp vier Mio Fr. Umsatz und bietet zwölf bis 15 «leidenschaftlichen» Mitarbeitenden eine Stelle. Viel Verantwortung für einen Einzelnen, was ihm ab und zu auch eine schlaflose Nacht beschere. Die 24 Jahre in der lokalen Feuerwehr dürften zu seiner Gelassenheit beigetragen, haben, die auch halten dürfte, wenn es mal irgendwo brennt.
Handy als Plage und Segen
Bis zur Scheidung von seiner Frau vor drei Jahren waren sie ein Team, er für den Aussenbereich zuständig, sie für die Buchhaltung. Dass die Trennung ein Einschnitt war, spürt man, aber Schneider zeigt Verständnis dafür, dass die Nähe von Beruf und Privatleben für die Partnerin zu viel werden kann, er wohnt einige Schritte vom Schreibtisch entfernt, wobei diese Nähe sehr praktisch ist, wenn es kurzfristig einzugreifen gilt.
Und das ist heute praktisch rund um die Uhr der Fall. «Früher kamen die Telefonate vor allem am Morgen» erinnert sich Schneider, «heute ruft man übertrieben gesagt fürs Pressen an, wenn man am Schwadern ist.» Das Handy sei eine Plage, aber die modernen Kommunikationsmittel sind aus dem Tagesgeschäft nicht mehr wegzudenken. Jeder Fahrer ist mit einem Tablet ausgerüstet, wo er von Navigation über die Schlagkartei bis zur Arbeitszeiterfassung alles findet.
Management-Hilfsmittel aus Deutschland
Schneider arbeitet mit dem deutschen Programm Agrarmonitor, ein auf Lohnunternehmen zugeschnittenes Management-Hilfsmittel. Hier können unter anderem die Kunden ihre Parzellen eintragen, was das Abarbeiten der Aufträge klar erleichtere, sagt er.
Diese Aufträge stammen unterdessen zu rund 40 Prozent aus Gülletransport und -handel. Das Unternehmen ist gut gelegen für dieses Ausgleichsgeschäft zwischen der viehreichen Zentralschweiz und der güllebedürftigen Westschweiz. akr
Jubiläumsfest verschoben
Das für Ende August geplante Jubiläumsfest musste Corona-bedingt verschoben werden. Neu findet es vom 28.–30. Mai 2021 statt.
Weitere Infos und Videos: schneider-thunstetten.ch
Betriebsspiegel
Name: Schneider Agrar-Service, Inh. Markus Schneider
Arbeitskräfte: 12–15 Festangestellte
Ort: Thunstetten, Bern
Ackerbau: 30 ha (Zuckerrüben, Raps, Mais, Gerste und Kunstwiese)
Traktoren: 13 (elf Fendt, zwei Claas)
Mähdrescher: 5 (vier Claas, ein John Deere)Rübenvollernter 1 (Holmer Terra Dos 2)Maishäcksler 2 (Krone, 8- und 10-reihig)
Lastwagen: 3 Sattelschlepper (Volvo, f. Gülle-/Rübentransport)
Übriges Gerät: 2 Güllefässer, 3 Quaderballen- und 2 Rundballenpressen sowie zahlreiche weitere.
Geschäftsfelder: Bodenproben, Beratung, Bodenbearbeitung und Saat, Düngung, Pflege, Ernte (Getreide, Mais, Heu Gras, Zuckerrüben), Transport (Gülle, Zuckerrüben), kommunale Dienstleistungen

