Am 1. November 1976 wurde der Aargauer Schwarzfleckviehverband als siebter Kantonalverband gegründet. Die Gründung ging nicht ohne Schwierigkeiten über die Bühne, wollten doch weder die politischen Behörden noch die anderen Zuchtverbände die Schwarzen im Kanton dulden, schreibt Rainer Saner, der die Geschäfte von Holstein Aargau nebenamtlich führt.
Fleck- und Braunvieh dominierten
Markus Hitz, erster und langjähriger Geschäftsführer von Holstein Aargau, präzisiert dies in der lesenswerten Chronik zum Jubiläum. Die grössten Herausforderungen bei der Etablierung der «Schwarzflecken» im Kanton Aargau waren demnach die Anerkennung der Viehzuchtgenossenschaften, die Gründung des Kantonalverbandes und das Erstreiten des Rechts zur Mitsprache in der kantonalen Tierzuchtkommission.
«Unser Vorhaben stiess in einem vom Fleck- und Braunvieh dominierten Kanton nicht auf Goodwill», so Hitz. Eines der wichtigsten Ziele war die Sicherung der kantonalen Beiträge zur Tierzuchtförderung, nicht nur für das Fleck- und Braunvieh, sondern auch für die Schwarzflecken. Dazu brauchte es einiges an Ausdauer, schreibt Hitz.
«Vor 50 Jahren haben Pioniere die schwarz gefleckten Kühe kantonal in einem Verband zusammengeführt und damit die Grundlage für einen eindrücklichen Siegeszug der Rasse gelegt.» Dies schreibt Thomas Ender, aktueller Präsident von Holstein Aargau, im Vorwort der Jubiläums-Chronik. Die Gründerväter des Verbandes wurden durch ihre ersten Erfahrungen mit den Schwarzflecken bereits mit dem bekannten Holsteinvirus infiziert, mutmasst der Präsident.
Anders wären ihre Beharrlichkeit und ihr Wille, den widrigen Umständen zu trotzen, nicht zu erklären, findet Ender. Die Beteiligten von damals hätten wohl kaum geahnt, welche Entwicklung die Holsteinkühe in den folgenden 50 Jahren durchlaufen würden.
Mehr HB-Tiere, viel mehr Milch
In der Tat sprechen die Zahlen für sich. 1976 produzierten die Aargauer Schwarzen 5451 Kilo Milch im Schnitt, 2025 waren es 9850 Kilo. Der Bestand an HB-Tieren nahm gleichzeitig von 1339 auf 5465 zu. Interessanterweise liegt die Anzahl Züchter noch immer knapp unter hundert. Dies ist dem Strukturwandel geschuldet. Zwischenzeitlich waren es deutlich mehr.
Dank initiativer Züchter entwickelte sich die Holsteinzucht über die Jahre rasant und prägt heute die Viehzucht im Kanton, so Rainer Saner. Und: «Die Zusammenarbeit mit dem Kanton und den anderen Viehzuchtverbänden hat sich aber über die Jahre ausgezeichnet entwickelt», so Saner weiter. Inzwischen führen alle drei grossen Milchviehzucht-Verbände mehrere wichtige Anlässe gemeinsam durch: von der Weiterbildung über die Auktionen bis zur Eliteschau.
Zehn Meisterzüchter aus dem Aargau
Die Aargau Holsteinzüchter haben sich rasch einen Namen gemacht. Als Züchter bekannter Schaudiven, Stierenzüchter, aber auch immer wieder mit ihren Leistungen im Stall. Seit dem Jahr 2010 werden jährlich fünf Meisterzüchter durch Holstein Switzerland erkoren. Der Meisterzüchtertitel gilt bei Holstein Switzerland als höchste Auszeichnung eines Zuchtbetriebes und ehrt die Arbeit, welche in einer Zuchtherde über viele Jahre geleistet wurde.
Seit Einführung der Meisterzüchter-Auszeichnung konnten bereits zehn Aargauer Zuchtbetriebe diesen prestigeträchtigen Titel entgegennehmen. Und zwar Rinaldo Müller, Samuel Hochuli, Daniel Heeb, Kurt Walti, Toni Peterhans, Stefan Käser, Lukas und Mathilde Villiger, Andreas und Thomas Ender und Eduard und Pascal Meyer. Der Zuchtbetrieb Hellender konnte den Titel 2026 als erster Aargauer Betrieb bereits zum zweiten Mal gewinnen.
Landwirtschaftsdirektor feierte mit
Am Jubiläumsanlass begrüssten Alphornbläser die Gäste zum Apéro im Weinkeller der Habsburg. Durch den Festakt im Rittersaal führte Präsident Thomas Ender. Als Festredner waren Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth und der Präsident von Holstein Switzerland, Nicolas Jotterand, eingeladen. Zum Jubiläum wurde, neben dem Festakt, die Geschichte der Holsteinzucht in einer aufwendigen Chronik aufgearbeitet.
Diese besteht aus fünf Hauptkapiteln, die je ein Jahrzehnt abdecken. Viele Fotos, Anekdoten, Interviews und fachliche Einschübe ergänzen die Geschichte.

