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«Jedes System hat seine Daseinsberechtigung» – dafür engagieren sich Monharts

Vanessa und Patrick Monhart aus Wildensbuch setzen sich für den Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe ein. Auf ihre Initiative geht die Gründung der IG Anbindestall und des «Bäuerlichen Komitees» zurück. Vom Anbindestall sind sie überzeugt, mit dem agrarpolitischen System aber unzufrieden.

Die Faust im Sack machen, wenn man mit etwas nicht einverstanden ist, das ist nicht die Art von Vanessa und Patrick Monhart – im Gegenteil. Als 2008 die neue Tierschutzverordnung in Kraft trat, befürchteten sie das Aus des Anbindestalls. Darauf gründeten sie im Frühjahr 2014 die IG Anbindestall Sektion Ostschweiz. Fünf Monate später wurde die IG Anbindestall Schweiz gegründet, wo Patrick Monhart Gründungsmitglied war. Auf die Initiative von Vanessa Monhart geht das im letzten Herbst gegründete «Bäuerliche Komitee» zurück. «Der Erhalt der bäuerlichen Familienbetriebe und damit verbunden die Sicherung der Schweizer Nahrungsmittelproduktion ist uns ein wichtiges Anliegen», stellen die beiden klar.

Berufswunsch Landwirt(in)

Vanessa und Patrick Monhart bewirtschaften einen für heutige Verhältnisse kleinen Landwirtschaftsbetrieb in Wildensbuch im Zürcher Weinland. Das Wohnhaus mit Milchviehstall hat Baujahr 1895. Die übrigen Gebäude haben Monharts in den sieben Jahren, seit sie den Betrieb gekauft haben, gebaut. Dazu gehören der Stall für das Jungvieh, drei Scheunen und der Umbau des Wohnhauses. Auch den Anbindestall brachten sie auf Vordermann. Darin stehen 15 Milchkühe und ein Muni der Rassen Simmentaler und Hinterwälder. «Wir halten ausschliesslich Tiere alter Rassen. Es ist wichtig, dass dieser Genpool nicht verloren geht», sagt Vanessa Monhart.

Dass sie einst einen Landwirtschaftsbetrieb führen würden, war zwar ein Kindheitstraum, darauf deutete anfangs ihrer Berufskarrieren aber noch nichts hin. Bei beiden hatte der Grossvater einen Bauernbetrieb oder war Bauersohn, die Verbundenheit zur Landwirtschaft war von klein auf da. Aber die Eltern redeten ihnen den Berufswunsch Landwirt(in) aus. Beide machten die kaufmännische Lehre und entschieden sich gegen den Willen ihrer Eltern danach zur Lehre als Landwirt resp. Landwirtin. Kennen lernten sie sich im Jahr 2005 am Silofest in Thalheim. Vier Jahre später heirateten sie und haben heute drei Kinder.

Betriebsspiegel Waldhof

  • Fläche: 18.66 ha
  • Tierhaltung: 15 Milchkühe, 1 Stier, 11 Aufzuchttiere, 5 Pferde mit Fohlen, Ziegen, Hühner, Gänse, Truten
  • Kulturen: Weizen, Gerste, Hafer, Mais, Wies- und Grünland, 2 ha Wald
  • Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar

Sich Gehör verschaffen

Auf politischer Ebene aktiv wurden Vanessa und Patrick Monhart, nachdem 2008 die neue Tierschutzverordnung in Kraft trat. «Für Anbindeställe sollte es keine Investitionskredite mehr geben, das bedeutet auf lange Sicht das Aus für den Anbindestall», berichtet Patrick Monhart. Vanessa lancierte daraufhin kurzerhand eine Internetseite «Anbindestall.ch». Monharts suchten den Kontakt mit dem Berner Hansrudolf Scheuner aus Oberlangenegg BE, späterer Präsident der IG Anbindestall Schweiz. Man wurde sich rasch einig, dass es eine Organisation braucht, die den Bauern mit Anbindeställen eine Stimme gibt. Monharts wurden in der Ostschweiz aktiv. Sie luden Gleichgesinnte zu einem Anlass in das Restaurant Krone nach Pfyn ein. Es war die Gründungsversammlung der IG Anbindestall Ostschweiz.

«Wir haben in den sieben Jahren viel erreicht, sind in vielen Ämtern vorstellig geworden. Aber die Benachteiligung des Anbindestalls ist nach wie vor vorhanden.»

Vanessa Monhart, Landwirtin.

Und dann sprudelt es aus ihr heraus: «Uns wird zwar immer versichert, dass man den Anbindestall nicht verbieten will. Aber die Massentierhaltungs-Initiative (MTI) respektive der Gegenvorschlag dazu verfolgen genau dieses Ziel.» Ihr Mann präzisiert: «Im Gegenvorschlag steht, die Anbindehaltung werde mit einer Ausnahmebewilligung weiterhin möglich sein. Im gleichen Dokument steht aber, dass in 25 Jahren alle Ställe BTS-konform sein müssen.» Das betreffe alle Tiergattungen, also auch Pferde, Ziegen usw.

«Manchmal fehlt die Toleranz»

Monharts sind überzeugt, dass die Anbindehaltung etwas Gutes ist. Vanessa Monhart nennt ein Beispiel: «Unsere Munis, die wir verkaufen, sind handzahm. Das wird sehr geschätzt, auch von Bauern mit Laufstall.» Patrick Monhart hebt hervor, ihnen gehe es nicht darum, ein Haltungssystem schlechter als das andere zu machen. «Jeder Betriebsleiter soll selber entscheiden, welches Stallungssystem für ihn stimmt.» Er betont, dass sie jedes System respektieren. Dasselbe erwarten sie auch von der Gegenseite. «Manchmal fehlt die Toleranz», stellt Vanessa Monhart fest. Dabei hätten doch alle Bauern dasselbe Anliegen, nämlich dass die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft gesichert bleibt.

Das Engagement des Betriebsleiterehepaars geht darum über den Anbindestall hinaus. Nachdem der Gegenvorschlag zur MTI rauskam, regte sich Vanessa Monhart so sehr auf, dass sie das «Bäuerliche Komitee» gründete. Bereits über 100 Mitglieder hat das Komitee, darunter sind auch sieben National- und Ständeräte. Mitglieder sind Milchbauern, Schweinehalterinnen, Pouletmastbetriebe, Hobbytierhalter, Munimäster, Aufzuchtbetriebe usw. «Unser Fokus liegt auf der Tierhaltung. Bäuerliche Familienbetriebe sollen in der Schweiz weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben», sagt Vanessa Monhart. Durch die breite Abstützung des Komitees könne man auch mehr politischen Druck erzeugen, ist die dreifache Mutter überzeugt.

Kritik am Gesamtsystem

Insbesondere stören sie sich daran, dass mit den neuen Gesetzen und Verordnungen immer die kleinen und mittleren Betriebe auf der Verliererseite stehen. «Unser Betrieb hat mit der AP 14–17 Direktzahlungen in der Höhe von zirka 16'000 Franken verloren. Damit wir unsere Rechnungen weiterhin bezahlen können, müssen wir bei den sogenannt ‹freiwilligen Programmen› mitmachen», stört sich Vanessa Mohart.

Ihr Mann ergänzt: «Die Rahmenbedingungen, ja das ganze System, stimmen in unseren Augen nicht.» Es werde zwar immer gesagt, die Landwirtschaft sei systemrelevant. Gleichzeitig könnten immer weniger Betriebe von der Landwirtschaft mehr leben. «Das motiviert uns, uns öffentlich zu engagieren. Wir wollen Druck auf die Verbände und die Politik machen», halten die beiden fest. Notfalls auch mit einer Demo in Bern.

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