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Gastbeitrag: Auch Politiker freuen sich auf den Frühling

Unser Gastautor Daniel Fässler erzählt, warum er sich heute mehr auf das Erwachen der Natur im Frühling als auf den ersten Schnee freut. Vor allem an der Vogelwelt erfreut sich der Politiker.

Ich weiss nicht, ob es mit dem Alter zu tun hat: Die Jahreszeiten wechseln immer schneller. Und war früher der erste Schnee ein freudiges Ereignis, ist es für mich heute vor allem das Erwachen der Natur im Frühling. Zu sehen, wie im Garten an einem auf den ersten Blick kahlen Ast am Birnbaum aus kleinen Blütenknospen wunderschöne Blüten wachsen, ist alljährlich ein Wunder der Schöpfung.

Wiesenschaumkraut oder «Landsgmendblüemli»

Nicht anders ist es schon früher beim Aprikosenbaum und bei der Felsenbirne oder etwas später bei den Apfelbäumen und den Reben. Auch der Blumenrasen und die Blumenwiese verwandeln sich innert kurzer Zeit von kargen Flächen zu Grünflächen mit noch zarten Gräsern und Kräutern, durchmischt mit den ersten Wiesenblumen.

Zu den ersten Frühlingsblumen gehört jeweils das Wiesenschaumkraut, das bei uns wegen der am letzten Sonntag stattfindenden Landsgemeinde als «Landsgmendblüemli» bezeichnet wird. Dieses Jahr war die Witterung perfekt auf den Kalender abgestimmt. Doch das Covid-19-Virus hat sich nicht daran gehalten und die für Appenzell Innerrhoden politisch und gesellschaftlich zentrale Landsgemeinde verhindert. Dies gab mir Gelegenheit, mich noch mehr an der Vogelwelt zu erfreuen.

Jährliche Gäste aus der Vogelwelt

Ständige Nachbarn sind die Wasseramseln bei der neben unserem Wohnhaus vorbeifliessenden Sitter, Kohlmeisen, Amseln und Spatzen sowie am Morgen und am Abend ein Graureiher. Jährliche Wintergäste sind Bergdohlen, die pünktlich auf den ersten Schnee vom Alpstein in das Dorf Appenzell zügeln und im Frühling mit ihrem gesammelten Abflug das Zeichen geben, dass der Winter definitiv vorbei ist.

Umgekehrt sind es jedes Jahr die Gebirgsstelzen, die im zu Ende gehenden Winter ihre Brutplätze bei der Bachmauer wieder aufsuchen und damit den Frühling ankündigen. Und wenn sich dann die Amseln nach den jährlichen Revierkämpfen und der eindrücklichen Balz ihren Nistplatz ausgesucht haben, geht es nicht mehr lange, bis auch der Gartenrotschwanz sowie Meisen, Kleiber oder Trauerschnäpper die Nisthilfen in Besitz genommen haben.

Dann entsteht vor allem in den frühen Morgenstunden und in der abendlichen Dämmerung ein vielstimmiger Gesang unserer gefiederten Mitbewohner. Schade nur, dass ich die verschiedenen Melodien nicht immer den Vogelarten zuordnen kann. Ist es dann genügend warm und nass, verlassen auch noch die Weinbergschnecken ihre vor der Winterkälte schützenden Ruheplätze. Dafür ziehen die Frösche wieder weiter, nachdem sie ihren Laich am Teichrand abgelegt haben.

Geschätzte Leserinnen und Leser, Sie sehen, auch als Politiker kann man die Natur lieben. Und übrigens auch dann, wenn man die Trinkwasser-Initiative und die Pestizidverbots-Initiative aus Überzeugung ablehnt.

Zum Autor

Daniel Fässler ist Präsident von Wald Schweiz. Der Mitte-Politiker vertritt den Kanton Appenzell Innerrhoden im Ständerat. Fässler schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

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