Agroscope hat in einer Studie untersucht, welche Faktoren die Wahrnehmung des administrativen Aufwands bei der Teilnahme am Programm für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMS) beeinflussen.
Anfang Woche wurden die Ergebnisse veröffentlicht - und sie zeigen, dass der tatsächliche Aufwand und der wahrgenommene Aufwand nicht miteinander zusammenhängen müssen. Insbesondere Landwirte, die die Agrarpolitik nicht nachvollziehen können, stufen den administrativen Aufwand als massiv höher ein.
Ein Drittel klagt über zu hohe Aufwände
Die Resultate, die anfangs Woche in der Zeitschrift «Agrarforschung Schweiz» veröffentlicht wurden, zeigen zudem, dass rund ein Drittel der 892 befragten Landwirte den administrativen Aufwand für eine Teilnahme am GMF-Programm als zu gross einstuft. 26 Prozent der Befragten waren unentschieden, 40 Prozent der Befragten gaben an, dass der administrative Aufwand für die Teilnahme am GMF-Programm nicht zu gross sei.
Die Forschenden stellten ausserdem fest, dass der Zeitaufwand für die Bereitstellung der Unterlagen für die Suisse-Bilanz und die Futterbilanz im Durchschnitt 42 Minuten beträgt. Für die Bereitstellung der Unterlagen für die ÖLN-Kontrollen indes müssen die befragten Landwirte im Schnitt 186 Minuten einsetzen, derweil die eigentliche Kontrolle durchschnittlich 86 Minuten Zeit in Anspruch nimmt.
Wer Frust schiebt, hat keine Lust auf Vorgaben
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass das Alter der Betriebsleiter keinen Einfluss auf die Wahrnehmung des administrativen Aufwandes hat. «Allerdings nehmen Landwirtinnen und Landwirte, welche die Agrarpolitik des Bundes schwer verständlich finden, den administrativen Aufwand als signifikant höher war», heisst es weiter. Anders formuliert: Wer die Agrarpolitik des Bundes nicht nachvollziehen kann und gefrustet ist, hat auch keine Lust, sich mit den Vorgaben auseinanderzusetzen.
Der Bund hat das Problem allerdings zu einem guten Teil selbst geschaffen. Wie es nämlich im Beitrag auch heisst, haben 73 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt, dass die Neuerungen der AP 14-17 schwer verständlich waren. Anders gesagt haben drei von vier Landwirten die Überlegungen in Bundesbern nicht einfach so nachvollziehen können. Wie es im Beitrag heisst, könnte mit einer Verbesserung der Informationspolitik des Bundes Verständnis und Nachvollziehbarkeit der Agrarpolitik dazu beigetragen werden, dass die Landwirte «ihren Administrationsaufwand als weniger hoch empfinden.»
Wer vorne mit dabei ist, hat weniger Probleme mit Bürokratie
Anders hingegen würden Landwirte, die an GMF oder Bio teilnahmen, ihren administrativen Aufwand als signifikant tiefer empfinden. Wie es im Beitrag heisst, könnte dieser Effekt darin begründet sein, dass vor allem jene Landwirte am GMF-Programm mitmachen, die einen geringen administrativen Zusatzaufwand bewältigen müssen. Betriebe, die ohnehin schon einen hohen administrativen Aufwand bewältigen müssen, sind kaum bereit, noch an einer Studie mitzumachen. In der Summe führt die Auswertung ausserdem zur Schlussfolgerung, dass der geleistete und der wahrgenommene Aufwand nicht miteinander korrelieren müssen.
Das schrieben wir 2016 über die administrative Vereinfachung.
Schweinezüchter Peter Bühlmann kritisiert die administrativen Aufwände an den Gesundheitsprogrammen.
Das nächste Projekt ist schon unterwegs
Agroscope ist in der Zwischenzeit schon an der nächsten Studie zum Thema administrative Vereinfachung. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat dazu den Auftrag gegeben. Wie es auf Anfrage heisst, will man die Wirkung der in den Verordnungspaketen 2015 bis 2018 umgesetzten administrativen Vereinfachungen prüfen. Seit 2016 wurden laut BLW über 50 Vereinfachungen in Verordnungen, Richtlinien und Weisungen umgesetzt. «Nun wollen wir wissen, ob und wie sich die beschlossenen Massnahmen auswirken», heisst es auf Anfrage weiter.
hja

