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Der «grüne Teppich» als gute Basis

Thema war die Nachhaltigkeit der Milchproduktion. Die Emissionen entstünden vor allem bei der Rohstoffherstellung.

Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht auf Ökologie. Sie beinhaltet ebenso wirtschaftliche und soziale Aspekte. Darin waren sich die Referenten am 11. Polit-Treffpunkt der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) in Rothenburg einig.

Die Milchbranche habe mit dem «grünen Teppich» schon früh Nägel mit Köpfen gemacht, stellte Gesprächsleiter Adrian Krebs, Chefredaktor BauernZeitung, fest. Das bestätigte BLW-Direktor Christian Hofer. Über 60 Prozent der Betriebe machen mit, rund 90 Prozent erfüllen die Tierwohlanforderungen. «Das zeigt, dass die Milchproduzenten die Zukunft aktiv gestalten.» Die zahlreichen Initiativen zu Agrarthemen widerspiegelten den Wunsch der Bevölkerung nach mehr Nachhaltigkeit. «Die Landwirtschaft tut gut daran, diese Anliegen ernst zu nehmen», mahnte Hofer.

Weniger Futterimporte

Allerdings, die Landwirtschaft alleine ins Visier zu nehmen, sei falsch. Vielmehr gelte es, das gesamte Ernährungssystem von der Produktion bis zum Konsum zu durchleuchten.

Dieses Ziel verfolgt das Postulat «Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik». Die umfassende Gesamtschau soll bis nächsten Sommer vorliegen und als Grundlage dienen, ob und wie die AP 22+ aufgegleist wird. Hofer erwartet, dass Futtermittelimporte in der Kritik bleiben. Deshalb sei eine stärkere Ausrichtung auf Raufutter angezeigt und auf mehr Ackerfläche für die direkte menschliche Ernährung.

Ein Megatrend

«Nachhaltigkeit ist ein Megatrend, den wir nicht mehr ignorieren können», betonte ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer. Eine nachhaltig ausgerichtete Milchproduktion beinhalte mehr Chancen als Risiken. Sie generiere Mehrwert für die Bauern und zudem punkte man bei den Konsument(innen). Furrer kritisierte die Absicht des Bundes, den Pflanzenbau auf Kosten des Tierbestands zu fördern. «Damit haben wir Mühe. Wir sind ein Hügel- und Alpengebiet mit extrem viel Niederschlag und wollen die Milchwirtschaft behalten.» Nebst der langen Tradition sei sie ein bedeutender Wirtschaftszweig mit gegen 10 000 Arbeitsplätzen in der Zentralschweiz.

Alle in der Pflicht

Die unternehmerische Sicht der Dinge brachten Emmi-VR-Präsident, Konrad Graber, und Nestlé-Vertreter, Daniel Imhof, ein. Beide bekannten sich zur Netto-Null-Agenda bis 2050. Nachhaltigkeit zahlt sich aus, ist Graber überzeugt. Es liessen sich Risiken vermeiden, Kosten senken und Vertrauen in die Marke und Produkte aufbauen. Auch er verwies auf den Erfolg des «grünen Teppichs», diesen gelte es weiterzuentwickeln. Emmi erwartet von der BOM, die Klimathematik aufzugreifen und den Branchenstandard bis im Herbst 2023 anzupassen. «Es sind zusätzliche Anstrengungen bezüglich Treibhausgasemissionen, Methanausstoss und Biodiversität nötig.»Bei Emmi fallen laut Graber 90 Prozent der Treibhausgasemissionen extern an, bei der Milchproduktion und den Rohstoffen. «Um die Probleme zu lösen, braucht es einen gesamtheitlichen Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette.»

«Milch werden wir nicht ersetzen.»

Gemäss Daniel Imhof setzt Nestlé aber auf mehr pflanzliche Produkte.

Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung. Nestlé als internationaler Grosskonzern habe die Möglichkeit, zusammen mit andern Akteuren Gegensteuer zu initiieren, sagte Daniel Imhof. Diese Verantwortung wolle der Konzern wahrnehmen. Gut 70 Prozent des ökologischen Fussabdrucks entfällt auf die Rohstoffbeschaffung, 12 Prozent auf die Verpackungen. Nestlé werde zwar künftig mehr pflanzenbasierte Produkte auf den Markt bringen. «Aber den Rohstoff Milch werden wir nicht ersetzen.» Das Unternehmen wolle sich dafür einsetzen, dass die Landwirtschaft Teil der Lösung werde und nicht Teil des Problems bleibe.