Wie krisenfest ist unsere Landesversorgung heute? Diese Frage ist seit dem militärischen Überfall auf die Ukraine, der folgenschweren Blockade von riesigen Getreideexporten aus dieser europäischen Kornkammer und dem Ausfallen von Gaslieferungen Russlands plötzlich aktuell geworden. Gleichzeitig werden Erinnerungen an den «Anbauplan FT. Wahlen» wach.
Der Egolzwiler Verein «Kultur im Zentrum» widmete den Informationsabend diesen Themen am vergangenen Freitag in der Mangerie Egolzwil.
Komplexes Krisenmanagement der Schweiz
Nationalrat Leo Müller (Ruswil), Präsident der Kommission Wirtschaft und Abgaben WAK, erläuterte das Vorsorgekonzept des Bundes für die Fälle von Kriegen oder sonstigen Mangellagen. Die Grundlage dazu sei in Artikel 102 der Bundesverfassung vorhanden. Notfalls könne der Bund in die Wirtschaftsfreiheit eingreifen und notwendigen Anordnungen treffen. Solche Massnahmen würden stufengerecht erlassen. Sie seien für alle Betroffenen verbindlich und auch spürbar. Nebst dem bedeutungsvollen Energiesektor gehöre auch der Agrar- und Ernährungssektor dazu. Als Rückendeckung für Notlagen gebe es sogenannte Pflichtlager, welche der Bund mit den Wirtschaftssektoren und unterschiedlichen Bedarfsdauern geregelt habe. Beispielsweise für Zucker 55’000 t für drei Monate, Brotweizen 160'000 t für vier Monate oder Kaffee 18'550 t für drei Monate. Spezifische Regelungen gebe es aber für Heilmittel und Arzneien, Mineralölprodukte usw.
Keine Regelung gebe es seit einigen Jahren mehr für Feldsämereien, was gerade für den inländischen Zuckerrübenanbau riskant sei. Fragwürdig sei ausserdem, dass in den EU-Ländern ebenfalls in der Schweiz mit zusätzlichen Biodiversitäts-Auflagen künftig die Agrarproduktion eingeschränkt werde. Das sei just in den angespannten Versorgungssituationen falsch, wurde auch von bäuerlichen Votanten kritisiert.
Aus Sicht von Nationalrat Leo Müller schenke «Bundesbern» der Landesversorgung ansonst stets grosse Aufmerksamkeit. Im Verbund mit den Kantonen und Wirtschaftspartnern würden die Bundesämter die möglichen Massnahmen zeitnah aktualisieren. Was allerdings im Privatsektor vernachlässigt scheine, gelte für moderne Haushalte aber nach wie vor «Kluger Rat mit Notvorrat».
Die Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg
Als «Vater der Anbauschlacht» ging der einfache Emmentaler Bauernsohn und Agraringenieur und spätere Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen ins historische Bewusstsein vieler Schweizer ein. Mit Weitsicht und grosser Überzeugungskraft entwickelte und leitete er Anfang der 1940er-Jahre den nationalen Anbauplan. Dieser wurde nötig wegen fehlenden Importen und akutem Mangel an Lebens- und Futtermitteln. Die behördlichen Massnahmen waren damals recht rudimentär und erfassten die Bauernschaft und auch das ganze Schweizervolk. Anstelle der verbreiteten Milch- und Fleischwirtschaft musste die Landwirtschaft rigoros auf Ackerbau umstellen und dies weit übers Talgebiet hinaus und bis in alpine Randregionen.
Der dem Publikum präsentierte Ausschnitt aus dem Film «Anbauschlacht Wahlen» zeigte auf, welche riesigen Herausforderungen die Bauernfamilien zu bewältigen hatten. Zum einen fehlten auf den Höfen die ins Militär eingerückten Wehrmänner und viele Hofpferde. Zum andern mangelte es an Fachwissen für Ackerbau und an mechanischen Geräten. Aus verfilmten Zeitzeugen-Interviews wurde deutlich, dass vor allem die Bäuerinnen und Jugendlichen Enormes zu leisten hatten. Und wegen den Rationierungen bestimmter Lebensmittel mussten alle Einwohnerinnen die Gürtel enger schnallen und auf viel Selbstverständliches im Alltag verzichten.
Mit Emotionen Urdinkel-Gebäcke fördern
Mit seinem lebhaften Auftritt weckte Bäckermeister Willi Suter das Interesse für nachhaltige Brote. Besonders beliebt weil bekömmlich und ernährungsphysiologisch vorteilhaft seien Urdinkel-Backwaren. Erzeugnisse aus dieser wertvollen Getreideart seien eine besonders «coole Sache», welche Willi Suter mit seiner illustren WLP-Band schweizweit an Anlässen bewirbt. So überraschte und erfreute er mit zwei Musikfreunden auch die Besucherinnen spontan mit einigen Liedern. Anschliessend waren alle zu einem speziellen, vielfältigen und reichhaltigen Brotgenuss und Suters Spezialitäten, eingeladen.

