Eigeninitiative hat er. Und Stifu bringt zu Ende, was er angefangen hat», lobt Hans Arm. Der Seniorchef der Firma Arm in Eggiwil hat über 40 Lehrlinge ausgebildet. Stefan «Stifu» Iseli hat die Lehre als Landmaschinenmechaniker letztes Jahr mit der Note 5,4 abgeschlossen. Im September tritt der 21-Jährige an der Berufsmeisterschaft in Bern an. Nervös? «Das sehe ich dann, wenn es so weit ist», sagt er und lächelt ein bisschen.
Stifu Iseli tüftelt gern. Zusammen mit Juniorchef Lukas Arm hat er eine Güllepumpe mit Aufbaumotor entwickelt, welche die neusten Abgasnormen erfüllt. Die Maschine zeigt er mit einem gewissen Stolz: 1,5 Tonnen wiegt sie, die 160-PS-Motoren sind aus deutscher Produktion. Iseli hat den Tank selber geschweisst, einige Element hat Lukas Arm am PC gezeichnet. Im Nachbardorf Bowil laserte eine Firma die Formen, in Eggiwil hat sie Iseli dann abgekantet und zusammengebaut. Der Prototyp war bereits im Einsatz. Geplant ist, dass Iseli und seine Arbeitskollegen noch zwei bis drei weitere Pumpen herstellen. «Die Maschinen sind für Lohnunternehmer interessant, weil sie eine grosse Durchsatzleistung haben», erklärt Lukas Arm.
Stifu Iseli mag Abwechslung. Er zeigt auf Rohre von Jaucheverteilern und sagt, dass diese in 30er-Serien fabriziert würden. «Das ist mit der Zeit nicht mehr so spannend.» Eine schöne grosse Reparatur, konstruieren, entwickeln: Das liegt ihm mehr.
Die Priorität liegt trotz Berufsmeisterschaft bei der Arbeit im Betrieb: «Ich versuche, cool zu bleiben. Wir sind ein kleines Team, da muss jeder jedem helfen.»
Manchmal springt er auch am Wochenende ein, wenn Not am Mann sei. Iseli lobt seine Chefs: «Sie versuchen, mich so selten als möglich aufzubieten.»
Iseli wohnt in Schangnau bei seinen Eltern. Diese haben einen Mastkälber-Betrieb. Der Berglandwirtschaft ist Stifu Iseli verbunden: Wenn Heu-Wetter ist, nimmt er auch mal frei. Auf die Frage, ob ihn eine Stelle im Baugewerbe reizen würde, antwortet er: «Der Lohn ist sicher interessant. Aber ich arbeite gern im Emmental.» Den kleinen Rahmen mag er, er schliesst aber nicht aus, dass er irgendwann mal wechselt. «Ich schaue, was sich ergibt.»
Auch der Berufsmeisterschaft sieht er mit dieser Gelassenheit entgegen. Einen Info-Tag hat er bereits besucht. Interessant sei es gewesen. Aber: «Zwischen ‘fausten’ und ‘grübeln’, dem Alltag halt, ist es schwierig, Zeit für zusätzliche Vorbereitung zu finden», sagt er. Er werde sicher repetieren, was er an Theorie während der Lehre gelernt habe. Youtube und Co. sind für Iseli hingegen weniger nützlich: «Für Automechanikern gibt es gute Videos. Für meinen Beruf bringt das wenig. Unsere Probleme sind komplexer.»
Bei der Fehlersuche geht er klassisch vor: Mechanische Schäden im Getriebe seien meist sichtbar. Bei Elektronik und Hydraulik hingegen misst Iseli und geht nach den Plänen der Maschine mögliche Fehlerquellen durch. Und er verlässt sich auf sein Gehör: «Nagelt» ein Motor, stimme etwas mit der Verbrennung nicht. Er fährt gerne selbst, angetan haben es ihm 66er-Fiat-Traktoren. Die alte Technik sei wartungsfreundlich, auch an Ersatzteilen mangle es nicht. Und Iseli mag es, einen Motor in Einzelteile zu zerlegen und zu reparieren. Das sei ein grosser Unterschied zu den Automechanikern: «Da wird vieles einfach eins zu eins ersetzt.»
Interesse an der Arbeit und gute Schulleistungen, Sozialkompetenz und den Mut, auch mal Nein zu sagen: Das gefiel Lehrmeister Arm an seinem Lehrling Stifu Iseli. In seiner langen Karriere als Lehrmeister hat Arm viele junge Leute kommen und gehen gesehen. Ausgewählt hat er sie stets nach Gefühl. Und jungen Menschen eine Chance gegeben, die einen etwas schwierigen «Rucksack» hatten. Arm ist überzeugt, dass eine Lehre auch eine Lebensschule sei. Neben den Betrieb in Eggiwil besitzt er einen zweiten in Langnau. Die Geschäftsführungen hat er mittlerweile abgegeben, ebenso sein Amt als Gemeindepräsident in Eggiwil. Er stehe ein Jahr vor der Pensionierung, sagt er. «Als Lehrmeister wollte ich stets Vorbild sein», sagt Arm. Und erwähnt nicht ohne Stolz, dass er mit all seinen Lehrlingen bis heute ein gutes Verhältnis pflege.
Stefan Iseli zumindest macht einen zufriedenen Eindruck. Für die Berufsmeisterschaften kann er von den Erfahrungen im Betrieb profitieren. Die Aufgaben stellt er sich kniffliger vor als die an der Lehrabschlussprüfung. Gedanken, ob es vielleicht für einen Platz auf dem Podest reichen könnte, hat er sich noch nicht gemacht. «Sehen wir dann. Es ist schon eine Ehre, teilnehmen zu dürfen».