Ein Mäster mit rund 700 Mastplätzen rief wegen Durchfallproblemen beim Schweinegesundheitsdienst SGD an. Ausserdem waren die Tageszunahmen auf ein Niveau von unter 800 Gramm pro Tag gesunken.
Der Bestandes-Tierarzt hatte den Verdacht auf Brachyspiren oder Lawsonien geäussert, doch eine antibiotische Therapie zeigte keine grossen Erfolge. Beim SGD-Besuch nahm der Berater als erstes Kotproben. Diese wurden im Labor auf Brachyspiren, Lawsonien, Salmonellen und E.coli untersucht.
Die Untersuchungen verliefen negativ. Deshalb suchte man nach anderen Ursachen für die Durchfälle und die schlechten Zunahmen. Anschliessend wurden die Rohre der schon etwas älteren Fütterungsanlage untersucht. An den Auslauf-Enden über den Trögen waren schimmelige Beläge zu sehen.
Es wurden auch Hauptrohre der Flüssigfütterung auseinandergenommen. Die Innenseiten der Rohre zeigten einen schleimigen Biofilm. Biofilme bestehen aus Bakterien, Pilzen und deren Stoffwechselprodukten. Sie haften hartnäckig an den Rohren an. Bei jeder Fütterung werden diese teilweise ausgeschwemmt. Dadurch landen sie im Futtertrog der Schweine.
Hefepilze und Schimmel im Futtertrog schaden der Gesundheit der Schweine
Anschliessend wurden an weiter entfernten Auslaufrohren Futter- und Tränkewasser-Proben entnommen. Denn verunreinigtes Trinkwasser kann ebenfalls zu Durchfallproblemen führen.
Für den PET-Flaschentest wurde eine Flasche mit Futtersuppe gefüllt. Dieser Test kann einfach auf dem Betrieb durchgeführt werden: Man stellt die Flasche an die Heizung mit 35 Grad. Wenn die PET-Flasche nach 24 Stunden prall ausgedehnt ist, spricht dies für die Anwesenheit von Hefepilzen oder gasbildender Bakterien.
Dies war bei der entnommenen Probe der Fall. Die andere Probe wurde in ein Labor zur mikrobiologischen Untersuchung geschickt. Die Analyse ergab einen erhöhten Gehalt an Hefen und Bakterien. Das Tränkewasser aus der hofeigenen Quelle war nicht zu beanstanden.
Nach der Untersuchung bekam der Betrieb Empfehlungen, welche er umsetzte. Dazu gehörte ein Hygieneplan:
- Anmisch-Behälter und Futtertröge täglich reinigen.
- Zuleitungen für Komponenten und Schotte 14-täglich kontrollieren und reinigen.
- Je nach Problemlage: grosse Generalreinigung der ganzen Anlage zwei bis vier Mal jährlich.
Der Betrieb setzte die Empfehlungen Schritt für Schritt um. Dadurch verschwand der Durchfall und die Zunahmen pendelten sich auf 850 Gramm pro Tag ein.
Regelmässige Reinigung der Fütterungsanlagen ist Pflicht
Grundsätzlich sind Flüssigfütterungen am anspruchsvollsten, was den Hygiene-Aufwand betrifft. Auch Trockenfütterungen können Probleme bereiten.
Das beginnt bei den Aussensilos: Darin bildet sich bei Temperaturschwankungen Kondenswasser. Dadurch haftet das Futter an den Innenwänden an. Es bilden sich Schimmelpilznester und andere Futterverderbnis. Daher sollten Aussensilos mindestens zwei Mal jährlich gereinigt werden. Je nach Problemlage ist es nötig, dass ein Spezialist des Futtermittel-Lieferanten die Aussensilos reinigt und desinfiziert.
Das Gleiche gilt für Aussensilos bei Flüssigfütterungs-Anlagen. Auch Futtertröge und Automaten und deren Zuläufe sollten täglich kontrolliert und gereinigt werden. Brei-Automaten können bei mangelhafter Hygiene oder Verschmutzung durch Kot und Urin zu ähnlichen Problemen führen wie eine mangelhafte Flüssigfütterung (feucht-warmes Milieu, starke Keim-Vermehrung).
Daher dürfen Automaten grundsätzlich nicht im Kotbereich der Schweine aufgestellt werden. Ebenso birgt die teilweise noch verbreitete Fütterung auf dem Stallboden Risiken.
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