In einem Zuchtbetrieb wurde die Herde um zwanzig Sauen aufgestockt. Als zusätzlicher Platz für die Galtsauen wurde ein alter Kuhstall genutzt. Die Galtsauen-Gruppe war unruhig: Anfangs wurde vermutet, dass sich die Sauen einfach an die neue Umgebung gewöhnen mussten. Allerdings wollte auch nach längerer Zeit keine Ruhe einkehren. Die Liegephasen blieben kurz, es war weiterhin laut im Stall und die Sauen wiesen vermehrt Hautverletzungen auf. Als dann die Häufigkeit von Lahmheiten deutlich zunahm, wurde die Lage genauer analysiert.
Die Ausgangslage und die Folgen von Klauenproblemen bei Schweinen
Schweine sind Paarhufer und gehen, anatomisch betrachtet, nur auf den Zehenspitzen. Das ganze Körpergewicht des Schweins liegt auf einer vergleichsweise kleinen Fläche. Auf weichem Untergrund können die Afterklauen einen Teil des Gewichts mittragen. Bei befestigten Böden ist dies nicht möglich, da die Afterklauen den Boden nicht erreichen.
Lahmheiten entstehen oft durch Verletzungen. Diese Verletzungen können Eintrittspforte für Erreger sein und so sekundär zu Infektionen führen. Die Sau hat Schmerzen und der Allgemeinzustand ist reduziert. Es gibt aber noch weiter reichende Folgen. Die Sau sucht die Futterstation seltener auf, der Nährstoffbedarf wird dadurch nicht mehr gedeckt und die Tiere magern ab.
Weil die Sauen länger liegen, kann es zu Liegeschäden wie Schultergeschwüren kommen. Das veränderte Verhalten erschwert die Bestimmung des Besamungs-Zeitpunktes. Das führt zu vermehrtem Umrauschen. Es kommt zu einer zunehmenden Verschmutzung des Liegebereichs, da für Urin- und Kotabsatz nicht mehr die Aktivitätszone aufgesucht wird. Zudem gibt es mehr erdrückte Ferkel, weil die säugenden Sauen durch die Schmerzen nicht mehr rechtzeitig reagieren.
Lahme Tiere sollten separiert werden. Dies erlaubt ihnen, die betroffene Gliedmasse zu schonen. Die Sauen müssen dann keine längeren Wege zurücklegen und sich nicht mehr in Rang-Kämpfen beweisen. Schmerzmittel fördern das Wohlbefinden und reduzieren die Entzündung. Bei Infektionen muss lokal desinfiziert und in schweren Fällen ein Antibiotikum verabreicht werden.
Für eine erfolgreiche Therapie ist es wichtig, möglichst früh zu reagieren. Länger anhaltende Fehlbelastungen durch Klauenveränderungen oder Schonhaltungen wegen Schmerzen beeinträchtigen Gelenke und Sehnen. Das verschlechtert die Aussicht auf eine vollständige Heilung.
Vorsorge durch Bäder und regelmässige Klauenpflege ist besser als behandeln
Klauenbäder verbessern die Klauengesundheit. Sie pflegen das Horn und machen es robuster. Die desinfizierenden Substanzen im Klauenbad verhindern Infektionen. Wer die Klauen regelmässig kontrolliert, erkennt Probleme frühzeitig und kann eingreifen. So können Fehlstellungen korrigiert werden, bevor es zu Folgeschäden kommt.
Einige Sauen tolerieren die Klauenpflege während des Abferkelns. Für grössere Eingriffe müssen die Tiere aber meist fixiert werden. Es gibt diverse Klauenstände für Schweine auf dem Markt. Eigenkonstruktionen sind in der Regel die preiswertere Lösung.
Häufen sich Klauenprobleme, müssen möglichst viele Risikofaktoren identifiziert und ausgeschaltet werden. Da die Klauengesundheit durch sehr viele verschiedene Faktoren beeinflusst wird, ist dies eine Herausforderung.
Eine ausreichende Versorgung mit den Aminosäuren Methionin und Cy-stein, den Spurenelementen Zink, Kupfer und Mangan sowie mit Biotin bildet dabei die Grundlage. Da das Klauenhorn nur etwa sechs Millimeter pro Monat wächst, zeigen sich Verbesserungen in der Hornqualität nur langsam.
Die optimale Haltung ist in vielen Punkten eine Gratwanderung. Während ein zu rauer Boden die Klauen zu stark abnutzt, kann ein zu glatter Boden rutschig sein und zu Fehlstellungen infolge fehlenden Klauenabriebs führen. Ein zu nasser Boden führt durch Aufweichung zu einer verminderten Hornqualität, während eine sehr trockene Umgebung, zum Beispiel durch den Einsatz von Kalk, wiederum zu sprödem Klauenhorn führen kann. Alle Gefahrenstellen, die Verletzungen verursachen können, müssen entfernt werden. Dazu gehören etwa Vorsprünge oder beschädigte Spaltenböden. Die Einrichtung muss in einwandfreiem Zustand sein. In einem gut strukturierten Stall sind Rangkämpfe seltener. Gut strukturiert heisst, dass der Liegebereich unterteilt ist, es im Stall keine Sackgassen gibt und Durchgänge grosszügig gestaltet sind.
An kritischen Stellen, wie vor der Abruffütterung, sollte genug Platz vorhanden sein, damit es nicht zu Verletzungen kommt, wenn es einmal etwas hektischer zu und hergeht. Stufen sind ebenfalls häufige Ursache von Klauenverletzungen. Insbesondere die Afterklauen werden oft verletzt, wenn die Sauen über Tritte hinabrutschen. Auch auf die allgemeine Hygiene muss geachtet werden. Neben der erwähnten Aufweichung des Klauenhorns durch Feuchtigkeit, führt das dauernde Stehen in Kot und Urin durch den erhöhten Keimdruck vermehrt zu Infektionen.
Auf dem anfangs erwähnten Zuchtbetrieb wurden verschiedene Massnahmen ergriffen. Lahme Sauen wurden frühzeitig mit Schmerzmittel behandelt. Bei Infektionen wurde ein Antibiotikum eingesetzt. Je nach Schweregrad wurden die Sauen zudem separiert.
Um mehr Ruhe in die Galtsauen-Gruppe zu bringen, wurde der neue Stall-Teil besser strukturiert. Entlang eines Absatzes wurde dazu eine Trennwand angebracht. Die Sauen können sich so nicht mehr an der Stufe verletzen, und es besteht neu eine bessere Rückzugsmöglichkeit. Im Bereich der Fütterung wurde hingegen eine Wand entfernt und dadurch mehr Platz geschaffen. Defekte am alten Boden wurden ausgebessert und andere Gefahrenquellen entfernt.
Die Anpassungen im Schweinestall brachten mehr Ruhe in die Herde, und die Häufigkeit von Verlust bringenden Klauenproblemen konnte so langfristig reduziert werden.