«Die Einsätze leben vom Engagement der Freiwilligen», sagt Andrina Herren von der Rehkitzrettung Schweiz. In der Saison 2026 wurden im Kanton Zürich 1 027 Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt – so viele wie noch nie zuvor. Schweizweit waren es 7 590 Tiere. Seit Beginn der Datenerfassung 2017 konnten damit bereits 33 421 Rehkitze gerettet werden.
Für die Einsätze im Kanton Zürich wurden 1 144 Einsatztage geleistet. Die Teams suchten dabei 5 165 Felder mit einer Gesamtfläche von 10 026 Hektaren ab. Zum Einsatz kommen dabei Drohnen mit Wärmebildkameras. Die Wiesen werden in den frühen Morgenstunden abgesucht, da sich zu dieser Zeit die Körpertemperatur der Kitze deutlich von der Umgebungstemperatur abhebt, und sie dadurch mithilfe einer Wärmebildkamera zuverlässig detektiert werden können.
Mehr Anmeldungen von Landwirt(innen)
Die Bereitschaft der Landwirtinnen und Landwirte, ihre Flächen vor dem Mähen für eine Suche anzumelden, habe in den vergangenen Jahren zugenommen, sagt Andrina Herren. «Immer mehr Landwirtinnen und Landwirte melden ihre Flächen frühzeitig an und beziehen die Rehkitzrettung selbstverständlich in ihre Planung mit ein.» Das erleichtere die Organisation und trage dazu bei, mehr Rehkitze zu retten.
Voraussetzung für erfolgreiche Rettungen sei eine gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Landwirt(innen), Jagdgesellschaften und Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten.
Wetter erschwert die Planung
Eine Herausforderung bleibt das Wetter. Ändern sich die Bedingungen kurzfristig, werden Mäharbeiten häufig verschoben oder vorgezogen. Dadurch können kurzfristig zusätzliche Feldanmeldungen entstehen. «Das erfordert von allen Beteiligten eine hohe Flexibilität», sagt Andrina Herren.
Da erfreulicherweise jedes Jahr neue Teams dazukommen, ist die Rehkitzrettung weiterhin auf freiwillige Helferinnen und Helfer angewiesen. Neben den Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten braucht es Personen, die bei der Suche, beim Bergen und beim Sichern der Tiere unterstützen.
Auch vermeintlich sichere Wiesen absuchen
Die Rehkitzrettung Schweiz möchte zudem jene Landwirtinnen und Landwirte erreichen, die das Angebot bisher nicht in Anspruch nehmen. Immer wieder höre man Aussagen wie: «In dieser Wiese hatte ich in den letzten 20 Jahren kein Kitz.» Auch die Annahme, dass eine Wiese direkt neben einem Weg oder einem Ökostreifen nicht als Setzort infrage komme, sei verbreitet. Auch kann es durchaus sein, dass Kitze in Kunstwiesen gesetzt werden.
Solche Einschätzungen liessen sich jedoch nicht zuverlässig belegen. «Unsere Erfahrung zeigt vielmehr, dass sich Wiesen nicht aufgrund einzelner Merkmale als mögliche Setzorte ausschliessen lassen», sagt Andrina Herren.
Eine vorgängige Feldabsuche sei deshalb grundsätzlich sinnvoll – auch dort, wo bisher noch kein Rehkitz gefunden wurde. Für die kommenden Jahre dürfte die Nachfrage nach den Einsätzen weiter hoch bleiben. Gleichzeitig braucht es genügend Freiwillige, damit die zunehmende Zahl an Feldanmeldungen bewältigt werden kann.


