Beim Holzrücken gibt es Einsatzbereiche, wo der Untergrund nicht befahrbar ist und Schleifspuren vermieden werden müssen. Um solche Schutzgebiete wie Moorland, Naturschutzgebiete oder Kulturland ohne Schäden zu überqueren, hat das Forstunternehmen Abächerli aus Giswil OW einen sogenannten Doppel-Laufwagen gebaut.
Das System basiert auf einem Seilkran, welcher die Anforderungen an die Bodenschonung noch am ehesten erfüllt. Das Holz lässt sich so in unwegsamen Gebieten berg- oder talwärts zu einem Rüstplatz seilen. Von dort wird es dann abtransportiert.
Weil das Holz jedoch nur an einem Ende angehängt wird, schleift das andere Baumende am Boden entlang. Aus diesem Grund hat Abächerli das System mit einer zweiten Winde ergänzt. «Wir haben den Laufwagen, welcher an der Seilbahn rauf und runter fährt, in unserer Werkstatt mit einer zweiten Winde am Zusatzwagen ergänzt. Die Zusatzeinrichtung wird wie ein Anhänger an den Laufwagen gekoppelt», erklärt Geschäftsführer Remo Abächerli.
Bei einem verletzlichen Boden bewährt sich der Doppel-Laufwagen besonders
Am hinteren Ende des Anhängers befindet sich wie auf dem Laufwagen die Winde. Dank der beiden Winden wird der Baum unten und oben angehängt und liegend transportiert. Weil die Last den Boden nicht berührt, wird der verbleibende Baumbestand geschont, da weder Stämme noch Äste über den Boden schleifen.
Dieses Rücke-System bewährt sich vor allem im Naturschutzgebiet, wo der Boden nicht verletzt werden darf. «Zudem hat sich das Verfahren auch im Flachland bewährt. Vor allem dort, wo vernässte Stellen zuerst gefrieren müssen, bevor eine Befahrung möglich ist. Auf Frost kann man sich jedoch nicht mehr in jedem Winter verlassen. Oft gibt es zu wenig Frosttage, damit der Waldboden gefriert und für die Befahrung tragfähig wird. Hier bietet der Doppel-Laufwagen eine Alternative, welche unabhängig vom Bodenzustand eingesetzt werden kann.»
Auf den Bildern zeigt sich ein typischer Einsatzbereich auf dem Hasliberg BE. Die Seillinie überquert eine Alpweide, ein Moor und einen Schutzwald. Hier ist es besonders wichtig, dass der Boden nicht verletzt wird.
- Auf der Weide würden Astteile im Boden stecken bleiben und weiteres Astmaterial ablagern. Dies verursacht einen grossen Aufwand beim Aufräumen.
- Im Moor gilt das gleiche. Organische Rückstände müssen dort sowieso vermieden werden, weil dies später eine Düngewirkung hat. Zudem beschädigt das Schleifen das Moor bereits mit wenigen Überfahrten.
- Im Schutzwald ist es wichtig, dass die Bäume samt den Ästen abgeführt werden. Damit erhält der Jungwuchs mehr Licht und kann sich rascher entwickeln. Das ist für die Schutzfunktion besonders wichtig.
Da der Baum beim Transport mit dem Doppel-Laufwagen vollständig in der Luft hängt, kann er problemlos samt der Äste abtransportiert werden. Würden die Äste über den Boden streifen, würden sie zum Teil im Boden feststecken, abreissen und müssten nach dem Einsatz maschinell entfernt werden.
Dies wird mit dem Doppel-Laufwagen vermieden. Der Baum erreicht den Rüstplatz unverletzt. Auf dem Rüstplatz wird er vom Kombi-Seilgerät Mounty 4000 entgegengenommen. Der Mast der Seilbahn und der Kranprozessor sind auf einem Lastwagen aufgebaut.
Weil es weniger Rücke-Schäden gibt, sind Weide und Wald danach rasch wieder aufgeräumt
Am Laufwagen befindet sich eine Winde mit 95 Meter Seil. Damit können Bäume seitlich der Seillinie bis zu 75 Meter an die Seilbahn herangezogen werden. Am Anhänger befindet sich eine gleiche Winde. Die Winden können mit einer Funkbedienung unabhängig voneinander bedient werden. Im Laufwagen befindet sich ein Dieselmotor mit 100 PS, welcher die beiden Winden hydraulisch antreibt.
Die Lastfahrt verläuft dank der zwei Aufhängepunkte ruhiger, da der Baum vollständig in der Luft hängt. Die Seilbahn-Einrichtung wird geschont und die Fahrt verläuft schneller. So kann ein allfälliger Zeitverlust beim doppelten Anhängen aufgeholt werden.
«Der noch grössere Vorteil ist jedoch, dass wir zusätzlich keine Äste räumen müssen. Die Weide ist mit kleinem Aufwand geräumt und wir müssen keine Rücke-Spuren beheben,», sagt Abächerli.
Die Seilbahn hat eine Zugkraft von 4,5 Tonnen. Die Tragkraft liegt bei 2,5 Tonnen. Die Seilkran-Anlage ist mit Funk-Struppen ausgestattet. Diese löst der Bediener auf dem Kranprozessor, sobald der Baum abgesetzt ist. Wenn der Stamm gelöst ist, schickt der Kranführer den Doppel-Laufwagen wieder in den Wald. Der Wagen fährt automatisch an die vorangehende Position zurück.
Die Mitarbeiter, welche den nächsten Baum anhängen, können den Laufwagen mit ihrem Funk ebenfalls bedienen. Bereits beim Herannahen fahren sie die Winden aus, um sofort mit dem Anhängen zu beginnen oder das Seil weiter auszuziehen, um entferntere Stämme heranzuziehen.
Bis mit der Seilkran-Anlage die Arbeit beginnen kann, muss vorgängig gut geplant und eingerichtet werden. «Der optimale Abstand der Seilbahn-Linien liegt bei rund 50 Metern. Hier kommt es auf das Gelände und die Bäume an, welche als Stützbäume genutzt werden.»
Bis die Anlage einsatzbereit ist, dauert es rund 1,5 Tage. Je nach Länge der Anlage kann diese rund eine Woche eingesetzt werden. Die Tagesleistung liegt bei rund 70 bis 80 Kubikmeter Wald, die so gerückt und am Rüstplatz geastet und sortiert werden.