Der Sommer 2026 rückt das Stallklima unweigerlich in den Fokus. Vor allem das Milchvieh war Thema mit einem neuen Virus. Aber auch in den Schweineställen liefen die Lüftungen auf Hochtouren. Im Vorteil ist, wer auf eine neuere und klimaoptimierte Infrastruktur zurückgreifen kann. Dazu gehört Michael Balmer aus Hildisrieden LU. Wir besuchten den Schweinezüchter Mitte August 2026 während der hoffentlich letzten Hitzewelle des Sommers.
Geschlossener Betrieb mit 120 Sauen
Je nach Kammer zwischen 20 und 22 Grad zeigte das Thermometer nachmittags. Dazu der Eindruck, dass die Luft wenig staubt, und auch der oft typische Ammoniakgeruch ist kaum wahrnehmbar. Michael Balmer zeigt sich entsprechend zufrieden. Hat aber auch einiges investiert dafür, wie er auf einem Rundgang erklärt.

Balmers produzieren in einem geschlossenen Betrieb mit 120 Muttersauen Jager für die Mastferkelproduktion nach IP‑Suisse. Er remontiert die Jungsauen selbst. Die Muttertiere sind reine Edelschweine. Vater der Mastferkel ist dann ein Suisag-KB-Eber der Rasse Duroc. Die Jager gehen über einen Händler in zwei fixe Mastbetriebe.
Alle zwei Jahre wird ein neuer Sucheber gekauft, der KB-Anteil ist aber so hoch wie möglich, rund 95 Prozent. «Dort habe ich eine gesicherte Samenqualität, auch im Sommer», so Balmer. Nebst dem wichtigsten Standbein Schweineproduktion hat es auf dem 20-ha-Betrieb Platz für knapp 50 Aufzuchtrinder, Ackerbau (Mais, Weizen, Gerste) und Futterbau mit Kunst- und Naturwiesen.
Luzerner Bewilligungsverfahren gemeistert
Der 38-jährige Balmer übernahm den Betrieb vor acht Jahren von seinen Eltern. Seit 2021 und dem Stallneubau konzentriert er sich auf die Mastferkelproduktion. «Die Schweineställe waren eng, die Raumhöhe zu niedrig und die Luft mässig», blickt Balmer auf die Vorplanungsphase zurück. Da er im Kanton Luzern und zudem im Seeeinzugsgebiet wirtschaftet, hatte er doch einen gewissen Respekt vor der Bewilligungsphase.
Das Projekt wurde nach sorgfältiger Planungsphase schliesslich bewilligt, unter dem Vorbehalt eher kleinerer Anpassungen. Dass er nicht aufstockte und es sich um einen Ersatzneubau handelte, sei ihm wohl entgegengekommen. Die Verfahren seien danach eher noch verschärft worden, so sein Eindruck.

«Die Luft ist das A und O», sagt der Schweineproduzent. Nicht nur für das Tier, auch für den Menschen, der in den Ställen arbeitet. Michael Balmer ist Vollzeit auf dem Betrieb, dazu sein Vater etwa 60 Prozent im Angestelltenverhältnis.
Vor dem Bau habe man einige Ställe besichtigen können. Entschieden hat sich Balmer schliesslich für die Krieger-Buchten mit Mutter-Kind-Fütterung. 32 Abferkelplätze stehen insgesamt zur Verfügung. Die 600 Jagerplätze sind auf drei Kammern und sechs Buchten unterteilt und sind im Rein-Raus. Dazwischen stehen sie aus hygienischen Gründen eine Woche leer.
Auch unter Flur wird die Luft irgendwann warm
Doch zurück zur Lüftung. Die Luft wird unterflur angezogen. «Vor allem im Übergang von der kalten zur warmen Jahreszeit und umgekehrt ist dieses System sehr gut», so Balmer. Auch eine Hitzewelle von einer Woche gleicht die Lüftung aus. Spätestens nach 14 Tagen Sommerhitze sei aber fertig, dann hätten sich die Kanäle zu fest erwärmt und es drohten Temperaturen im Innern gegen 30 Grad.
Vorsorglich hat Balmer bereits bei der Planung an der Nord- und an der Südfassade Platz für ein eventuelles Coolpad vorgesehen. Und ein solches hat er dann vergangenen Sommer realisiert. Kostenpunkt inkl. Zimmererarbeiten: rund 10 000 Franken. Coolpads kühlen die Zuluft im Schweinestall durch Verdunstungskälte.
Sie bestehen aus feuchten Wabenwänden, durch die frische Luft strömt. Das Wasser verdunstet, entzieht der Luft Wärme und senkt die Temperatur gemäss Hersteller um 5 bis 8 Grad, ohne die Tiere direkt nass zu machen. Coolpads laufen nicht gratis, es braucht Energie und Wasser.

Der Strom kommt grösstenteils von den eigenen Dächern. Für den Eigenverbrauch hat er eine 60-kW-Anlage mit Batteriespeicher. Auf dem Schweinestall läuft eine Verbrauchsanlage (150 kW), die hat er verpachtet. Im Winter werden die Ferkelnester und Jagerkisten, wie auch die Warmwasseraufbereitung für Haus und Stall mit einer Holzschnitzelheizung beheizt. «Fast autark» laufe der Betrieb aktuell, freut sich Michael Balmer.
Solarenergie und Holzschnitzel
Balmers haben eine 25 m³ grosse Regenwasser-Zisterne vergraben. Auch für die Kühlung der Wabenwände. Angesteuert werden die Coolpads über die Lüftungssteuerung mittels Feuchtigkeitssensoren. Der «Söieler» freut sich über das Klima im Schweinestall. «Wenn man nach dem Heuen in die Stallung kommt, ist es schon fast frisch», sagt er mit einem Schmunzeln.
Das Ziel von 18 Grad in allen Kammern, auch im Liegebereich, kann, von einigen wenigen Wochen ausgenommen, erreicht werden. Die Ferkel und die Jager haben natürlich noch warme Nester, bzw. Kisten.
Im alten Stall hatte er im Hochsommer noch Temperaturen von über 30 Grad. Man habe den Sauen angesehen, dass sie «pumpen». Und solche Temperaturen schlagen auf den Appetit, was gerade bei laktierenden Sauen verheerende gesundheitliche Auswirkungen haben kann.

Gute Klauen sind das Fundament
Bezüglich Tiergesundheit macht die Herde einen sehr guten Eindruck. Michael Balmer setzt seit wenigen Jahren einen Fokus auf die Klauen und holt alle Sauen zweimal jährlich in den Stand. Mit Erfolg. «Klauen waren früher auf unserem Betrieb ein Hauptabgangsgrund», sagt er. Das sei nun klar besser.
Ferkeldurchfall könne mal auftreten. Und vergangenen Spätsommer habe er, wie viele Berufskollegen auch, Schwanzbeissen bei den Jagern beobachtet. «Trotz Stroh und trotz Unterbelegung», schiebt er nach. Die Ursachen blieben unklar.
Das Futter sei jetzt etwas grobkörniger und mit mehr Kalzium angereichert. Bezüglich Biosicherheit ist er mit dem neuen Stall deutlich besser aufgestellt. Die Schweine sind inzwischen von den übrigen Hofgebäuden und der Hofzufahrt abgesondert. Geachtet wurde auf die Positionierung der Verladerampe und auch die Orte, wo Luft angesaugt wird, sind nicht zufällig gewählt.

