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Während der energieintensiven Transitphase brauchen Schafe bedarfsgerechtes Futter

Die Ablammzeit dauert von Januar bis April. Aufgrund des hohen Energiebedarfs und der Winterfütterung ist diese Phase beim Schaf besonders risikoreich für Stoffwechselbelastungen.

Kurz & bündig

- Fast alle Schafe verlieren in der Transitphase Körperreserven. - Wer den Body Condition Score schätzt, erkennt den Abbau. - Die Energieversorgung ist meist schon im 5. Trächtigkeitsmonat unzureichend, das Risiko für Stoffwechselstörungen steigt. - Es braucht eine bedarfsgerechte Fütterungsstrategie.

In der Zeit rund um die Geburt – der Transitphase – beanspruchen das Fötenwachstum vor der Geburt und die anschliessende Milchbildung viel Energie. Die Schafe bauen in dieser Phase stark Körperreserven ab und erholen sich oft nur schlecht.

Um einen Abbau der Körperkondition sowie der Energieabdeckung zu beurteilen, stehen beim Schaf nur wenige Möglichkeiten zur Verfügung. Neben der Analyse des Futters, welche Erfahrung oder kostenintensive Laboruntersuchungen erfordert, wäre das Körpergewicht eine Option. Dieses ist jedoch wenig aussagekräftig, da es stark von Rasse, Grösse, Produktionsphase und Füllzustand des Pansens abhängt.

Während der energieintensiven Transitphase brauchen Schafe bedarfsgerechtes Futter
Für den BSC ertastet man im Bereich der Lendenwirbelsäule die Dorn- und Querfortsätze.

Der Body Condition Score (BCS) bietet hier ein praktisches Instrument. Dabei werden die Dorn- und Querfortsätze der Wirbelsäule im Beckenbereich der Schafe mit der Hand abgetastet, um die Fettabdeckung der Tiere zu schätzen. Diese Methode ist unabhängig von Rasse, Grösse, Gewicht, Pansenfüllung und Wolllänge. Der BCS reicht von 1 (sehr mager) bis 5 (sehr dick). Grundsätzlich wird für Schafe ein BCS von 2 bis 3,5 empfohlen, um Aborte, Totgeburten, schwache Lämmer und zu geringe Milchleistung zu vermeiden.

Die Körperkondition von Milch- und Fleischschafen während der Transitphase wurde in mehreren Arbeiten der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) untersucht. Dabei wurde der BCS einige Wochen vor bis einige Wochen nach dem Ablammen regelmässig geschätzt.

Ausserdem wurden teilweise die Ketonkörper der Tiere im Blut gemessen und das Futter analysiert. Bei Milchschafen wurde zudem die Milchleistung erfasst, bei Fleischschafen die Milchverfügbarkeit für die Lämmer.

Am Ende der Trächtigkeit magern die Schafe deutlich ab

Dabei zeigte sich bei allen eine deutliche Abmagerung am Ende der Trächtigkeit und zu Beginn der Laktation. Ein durchschnittlicher BCS-Verlust von 1 bis 1,2 Punkten konnte festgestellt werden. Von diesem erholten sich die Tiere bis zum 72. Tag nach dem Ablammen nur langsam. Einzeltiere verloren bis zu 1,5 Punkte (Milchschafe) bzw. 1,75 Punkte (Fleischschafe), wobei die Milchschafe im Allgemeinen mit einem tieferen BCS (etwa 2,7) in die Geburt starteten als die Fleischschafe (etwa 3,7).

Während der energieintensiven Transitphase brauchen Schafe bedarfsgerechtes Futter
Die Abnahme der Körperkondition (BCS) beginnt bei den meisten Schafen bereits im 5. Trächtigkeitsmonat.

Interessant: Fleischschafe hatten eher einen etwas zu hohen BCS zur Geburt und verfügten damit über etwas mehr Reserven. Die Milchschafe hingegen fielen nach der Geburt unter den gewünschten BCS von 2. Auffällig war, dass schon im 5. Trächtigkeitsmonat der BCS bei fast allen Tieren abnahm – unabhängig von Rasse, Alter, Laktationsnummer oder Wurfgrösse. Dies weist auf eine zu geringe Energieversorgung während der letzten Trächtigkeitswochen hin.

Der BCS kann unabhängig von Rasse, Grösse, Wolle, Gewicht und Pansenfüllung durch Palpation geschätzt werden.
Der BCS kann unabhängig von Rasse, Grösse, Wolle, Gewicht und Pansenfüllung durch Palpation geschätzt werden.

Dazu passt, dass die analysierten Futterrationen bei Fleischschafen ab dem 5. Trächtigkeitsmonat ein Energiedefizit zeigten, selbst mit Kraftfutterergänzung. Auch im 1. Laktationsmonat war die Energieversorgung laut Analysen häufig nur knapp ausreichend. Entsprechend sank der BCS weiter und die Milchverfügbarkeit war mit der Zeit besonders bei Zwillingen unzureichend.

Bei Milchschafen konnte zwischen dem berechneten Milchproduktionspotenzial (MPP NEL) und der tatsächlich gemessenen Milchmenge eine grosse Diskrepanz gefunden werden, besonders bei Mehrlaktierenden. Im Extremfall produzierten die Tiere doppelt so viel Milch, als die Berechnung ergab. Würde man dieses Defizit mit Kraftfutter ausgleichen wollen, wären bis zu 1,5 kg pro Tier und Tag nötig – was ein Risiko für Pansenazidose bieten würde. Zudem konnten – vor allem bei Milchschafen in Biohaltung – sowohl in den letzten Trächtigkeitswochen als auch in der ersten bis zweiten Laktationswoche erhöhte Ketonkörper gemessen werden. Dies deutet auf subklinische Trächtigkeitstoxikosen und sogar Laktationsketosen hin, was das Energiedefizit in dieser Zeit untermauert.

Den Energiebedarf je nach Phase decken

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Fütterung mit Grundfutter mit nur geringer Kraftfutterzugabe den Energiebedarf in dieser Phase nicht deckt. Schwankende Grundfutterqualitäten verschärfen das Problem, besonders bei Grassilage und Dürrfutter. Die kritische Transitphase birgt dadurch ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselstörungen wie Trächtigkeitstoxikose und subklinische Laktationsketose, was Gesundheit und Langlebigkeit beeinträchtigt.

Eine phasengerechte Gruppierung der Herde ermöglicht eine bedarfsgerechtere Fütterung.
Eine phasengerechte Gruppierung der Herde ermöglicht eine bedarfsgerechtere Fütterung.

Vorbeugend sollten die Grundfutterqualität verbessert und die Energiedichte durch Getreide oder Zuckerrübenschnitzel erhöht werden. In der Bioproduktion sollten die erlaubten 5 % Kraftfutter gezielt in dieser Phase eingesetzt werden, wobei das Azidose-Risiko zu beachten ist. Die phasengerechte Gruppierung der Herde nach der Galtzeit, dem 5. Trächtigkeitsmonat sowie dem 1. und dem 2. Laktationsmonat ermöglicht eine bedarfsgerechtere Fütterung. Bei Fleischschafen kommt die Gruppierung nach Lämmerzahl hinzu. Ist dies nicht möglich, könnten Fixierungen am Fressgitter zur individuellen Fütterung nach BCS und Wurfgrösse helfen.

Das Schätzen der Körperkondition will gelernt sein

Ein systematisches Monitoring durch regelmässige BCS-Schätzungen unter Einbezug von Laktationsnummer, Wurfgrösse, Fressverhalten und Ablammdatum wäre sinnvoll.

Der BCS hat sich als einfaches, kostengünstiges und praxisnahes Instrument bewährt. Die Schätzung des BCS muss aber erlernt und geübt werden. Damit er in der Praxis besser genutzt wird, braucht es Schulungen der Tierhaltenden. Zudem wären spezifische BCS-Empfehlungen für verschiedene Haltungsbedingungen in der Schweiz wertvoll.

Danja Wiederkehr ist Tierärztin und Geschäftsführerin des Beratungs- und Gesundheitsdienstes für Kleinwiederkäuer (BGK).