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Schweizer Kaninchenproduzenten werden gesucht

Die Nachfrage nach Schweizer Kaninchenfleisch ist vorhanden, doch das Angebot bleibt knapp. Landwirt Michael Notter hat seine Kaninchenhaltung in den letzten 20 Jahren professionalisiert und ausgebaut.

Kurz & bündig

- Landwirt Michael Notter hält auf seinem Betrieb 800 Mast- sowie 80 Zuchtkaninchen. Nach über 20 Jahren Erfahrung mit der professionellen Kaninchenhaltung ist er nach wie vor vom Betriebszweig überzeugt. - Die H. R. Kyburz Vieh + Fleisch AG sucht neue ProduzentInnen für IP-Suisse-Kaninchen. - Für den Einstieg in die Kaninchenhaltung eignen sich Betriebe mit älteren sowie leer stehenden Gebäuden/Stallungen.

Schon als Kind habe ich Kaninchen gehalten. Als ich mit der Lehre fertig war, habe ich auf dem elterlichen Betrieb angefangen, professionell Kaninchen zu halten», erzählt Michael Notter, Landwirt aus Niederrohrdorf AG.

Seit über 20 Jahren hat Michael Notter Erfahrung mit der professionellen Kaninchenhaltung. Angefangen hat er mit 100 Mastkaninchen. Mittlerweile befinden sich auf seinem Betrieb 800 Plätze für Mastkaninchen und 80 Zuchtkaninchen.

Michael Notter züchtet seine Mastkaninchen selber. Die Zuchttiere gehören Hybridrassen an und werden mit farbigen Rassenböcken gedeckt. Die Tiere werden mittels Natursprung gedeckt, auf dem Betrieb werden acht Zuchtböcke gehalten. «Das Kaninchen ist ein sehr effizientes Tier. Eine Zibbe kann unter günstigen Bedingungen über 50 Jungtiere pro Jahr produzieren», so Notter.

Eigenen Mastkaninchenstall geplant und gebaut

Michael Notter hält 450 seiner Mastkaninchen in einem ehemaligen Milchviehstall. Im Jahr 2019 hat er zusätzlich einen neuen Mastkaninchenstall für 350 Tiere selber geplant und gebaut. Beim Stall legte Notter ein besonderes Augenmerk auf die Arbeitseffizienz. Erhöhte Arbeitsflächen ermöglichen eine effizientere und auch ergonomischere Arbeit. Der Schwemmkanal und die Leitungen vom Futtersilo direkt in den Stall in die einzelnen Buchten führen zu einer weiteren Arbeitserleichterung. Der Stall wurde durch die Firma Krieger AG für Mastkaninchenproduzenten nachgebaut.

Die Buchten bieten Platz für 25 bis 35 Kaninchen. Eine erhöhte Fläche und ein eingestreuter Bereich sind gemäss Labelverordnung Pflicht. Die Tiere werden in einem Alter von 30 bis 35 Tagen und einem Gewicht von rund 800 Gramm abgesetzt und anschliessend acht Wochen lang gemästet. Mit rund drei Kilogramm Lebendgewicht werden sie im Schlachtbetrieb in Lupfig AG geschlachtet. Die Schlachtausbeute liegt gut über 50 Prozent.

Konstantes Einkommen trotz saisonaler Schwankungen

Die Mastkaninchen vermarktet Michael Notter an die H. R. Kyburz Vieh + Fleisch AG, bei welcher er ausserdem die Kaninchenproduzenten betreut. Einen Teil des Fleisches vermarktet er zudem im Hofladen auf dem Betrieb.

Die Nachfrage nach Kaninchenfleisch ist stark abhängig von den Hauptsaisons Ostern und Weihnachten. Um die Spitzen zu brechen, wird Kaninchenfleisch in den restlichen Jahreszeiten eingefroren. Ein grosser Vorteil ist für Michael Notter, dass das Einkommen trotz der saisonalen Schwankungen sehr konstant geblieben ist, auch über mehrere Jahre hinweg. Ein Mastkaninchen bringt rund 20 Franken Erlös.

Michael Notter kann sehr flexibel Kaninchen liefern. «Da ich die Zuchttiere selber auf dem Betrieb halte, kann ich die Produktion der Mastkaninchen gut planen.» Pro Jahr führt er 5 bis 5,5 Umtriebe durch, wobei jährlich zwischen 3500 und 4500 Mastkaninchen produziert werden.

Ein weiterer grosser Vorteil an der Kaninchenhaltung liegt für Michael Notter bei der übersichtlichen und zeitlich flexiblen Arbeitsplanung. Der zeitliche Aufwand für Kontrollgänge beträgt täglich rund 30 Minuten. Weiter kommen im Laufe der Woche Arbeiten wie Futterauffüllen, Misten und Streuen dazu. Die Arbeitsspitzen, welche im Rahmen des Absetzens und des Ausstallens entstehen, sind jeweils bekannt und deswegen gut planbar.

An der Branche schätzt er die gute Kommunikation und dass man sich untereinander kennt. «Im Nischenbereich kann man sich selbst sein und auch eigene Ideen einbringen. Die Landwirte entwickeln die Kaninchenhaltung weiter», betont Notter.

Bis heute ist auch die Freude am Kaninchen selbst geblieben. «Das Kaninchen ist ein spannendes Tier und zeigt klar, wie es ihm geht», so Notter.

Im neuen Mastkaninchenstall führen die Leitungen vom Futtersilo direkt in die einzelnen Buchten.
Im neuen Mastkaninchenstall führen die Leitungen vom Futtersilo direkt in die einzelnen Buchten.

Kokzidien sind ein häufiges Problem

Ein nicht zu unterschätzender Punkt bei der Kaninchenhaltung ist die Tiergesundheit. Probleme können zu hohen Abgangsraten, und somit zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Verlust führen. Gerade wenn Probleme auftreten, ist es schwierig, diese wieder loszuwerden.

Zu den häufigsten Problemen in der Kaninchenhaltung zählen Kokzidien, einzellige Parasiten, welche zu Durchfallerkrankungen und im schlimmsten Fall zu hohen Mortalitätsraten führen können. «Am häufigsten treten Probleme zwei Wochen nach dem Absetzen auf. Auch im Herbst steigt die Mortalitätsrate», weiss Michael Notter aus Erfahrung.

«Bei vielen Antibiotika haben sich Resistenzen entwickelt und es gibt ausserdem wenige, die überhaupt für Kaninchen geprüft sind», erklärt Notter. Weiter gibt es nur noch einen zugelassenen Wirkstoff gegen Kokzidien bei Kaninchen, was eine grosse Herausforderung in der Praxis darstellt.

Der Landwirt setzt kein Antibiotika mehr ein und setzt bei seinen Kaninchen auf unterstützende Massnahmen bei der Fütterung wie Oreganoöl, Esparsette und spezifische Vitamine. Zudem säuert er das Wasser an. Michael Notter merkt an, dass sich die Freilandhaltung bei den Kaninchen unter anderem bisher aufgrund des Krankheitsdrucks nicht durchgesetzt habe.

Weitere wichtige vorbeugende Massnahmen für eine gute Tiergesundheit liegen bei der Stallhygiene und Biosicherheit. Konsequentes Rein-Raus-Verfahren, saubere Reinigung und Desinfektion der Ställe zwischen den Umtrieben und der Haltung der Zuchttiere auf dem Mastbetrieb mindern den Krankheitsdruck.

Trotzdem gibt es auch bei Michael Notter Zeiten, in denen nicht immer alles rund läuft: «Die zweite Hälfte des Jahres 2025 war zum Beispiel eher schwierig.» Überdurchschnittliche Abgänge bei den Mastkaninchen und Fruchtbarkeitsstörungen bei den Zuchtkaninchen beschäftigten den Betriebsleiter.

Betriebsspiegel Notter Holzrüti

Michael Notter, Niederrohrdorf AG LN: 21 ha Kulturen: Natur- und Kunstwiesen, Weizen, Gerste, Mais, Esparsette, Kartoffeln, Grünspargeln, Gemüse Tierbestand: 800 Mastkaninchenplätze, 80 Zuchtkaninchen, 40 Mastrinder, 13 Schafe, 150 Legehennen, jährlich 40 Masttruten Weitere Betriebszweige: Direktvermarktung von Gemüse und Fleisch, Esparsettenwürfelproduktion Arbeitskräfte: Michael Notter, Bruder Roman Notter, Eltern Bernhard und Annegreth Notter

Landwirt Michael Notter gefällt bei der Kaninchenhaltung besonders, dass eigene Ideen eingebracht werden können und die Landwirte selbst die Haltung mitentwickeln.
Landwirt Michael Notter gefällt bei der Kaninchenhaltung besonders, dass eigene Ideen eingebracht werden können und die Landwirte selbst die Haltung mitentwickeln.

Neue Betriebe für die Kaninchenhaltung werden gesucht

Kaninchenfleisch ist in der Schweiz ein Nischenprodukt. 2024 lag der Anteil an verkaufsfertigem Kaninchenfleisch gemäss der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft Proviande bei 891 Tonnen, wobei der Inlandanteil bei 37,5 % lag. Nicht berücksichtigt sind dabei die «Hobbyhalter», welche das Kaninchenfleisch für den Eigenbedarf nutzen.

Im Detailhandel werden Kaninchen ganz oder geschnitten verkauft. Direktvermarkter bieten zusätzlich Spezialprodukte wie Würste, Burger und Fleischkäse an. Nicht selten steht Kaninchenfleisch in Kantinen auf der Speisekarte. Diese Betreiber seien jedoch sehr preissensibel und griffen häufiger zu ausländischem Fleisch, fällt Michael Notter auf.

Die H. R. Kyburz Vieh + Fleisch AG ist Hauptabnehmer für Schweizer Kaninchen und betreut rund 30 Betriebe, welche professionell Kaninchen nach den Richtlinien von IP-Suisse halten. Jährlich werden gut 60 000 Label-Kaninchen vermarktet.

Es werden dringend neue Produzent-Innen für IP-Suisse-Kaninchen gesucht. Die Nachfrage nach Schweizer Kaninchen ist da. Der Detailhändler Coop verkauft zum Beispiel nur Kaninchenfleisch aus der Schweiz und auch der Discounter Denner hat unter anderem Schweizer Kaninchenfleisch im Sortiment.

«Es ist schwierig, neue Produzenten zu finden. Wir fokussieren uns stark darauf, die Produktion auf den bestehenden Betrieben auszubauen», sagt Michael Notter. Für einen Einstieg in die Kaninchenhaltung eignen sich Betriebe mit älteren sowie leer stehenden Gebäuden oder Stallungen, welche zum Beispiel den Tierschutzvorschriften nicht mehr entsprechen. Auch Betriebe mit Schweinehaltung, welche aus der Produktion aussteigen wollen, würden sich eignen.

In der Schweiz gelten die BTS-Richtlinien als Minimum bei der landwirtschaftlichen Kaninchenhaltung.

Kaninchen in der Schweiz

- 2022 lebten gemäss dem Verband für Heimtiernahrung 248 398 Kaninchen in der Schweiz. Der grösste Teil der Tiere wird als Haustiere oder bei HobbyzüchterInnen gehalten. - Der Bestand an Zucht- und Mastkaninchen für die Fleischproduktion auf landwirtschaftlichen Betrieben liegt laut dem Schweizer Bauernverband bei rund 60 000 Tieren. - 2024 wurden laut Proviande in der Schweiz 246 746 Kaninchen geschlachtet. Das entspricht einem Verkaufsgewicht von 334 Tonnen und einem Inlandanteil von 37,5 %.